Mittwoch, 20. März 2019

Mann steckt Bus in Brand: 51 Kinder konnten sich retten - UPDATE

Ein Mann hat in Italien einen Bus voller Schulkinder in seine Gewalt gebracht und dann in Brand gesetzt. Nach ersten Angaben wurden rund ein Dutzend Kinder ins Krankenhaus gebracht, allerdings ohne schwere Verletzungen. Dem Mailänder Staatsanwalt Alberto Nobili zufolge wird in alle Richtungen ermittelt und auch ein Terrormotiv geprüft.

„Schluss mit den Toten im Mittelmeer!“, soll der Mann wiederholt gerufen haben. - Foto: Facebook/Marco Cella
„Schluss mit den Toten im Mittelmeer!“, soll der Mann wiederholt gerufen haben. - Foto: Facebook/Marco Cella

Der italienische Staatsbürger mit senegalesischen Wurzeln habe den Schulbus bei Mailand vom Weg abgebracht und ihn anschließend angezündet, erklärte Innenminister Matteo Salvini am Mittwoch. Der Mann sei festgenommen worden. An Bord waren nach Medienberichten rund 50 Kinder, die aber noch vor dem Feuer aussteigen konnten.

Auf Bildern war ein vollkommen ausgebrannter Bus zu sehen. Verschiedene italienische Medien berichteten, der Mann habe „hier kommt niemand lebend raus“ gerufen und dann den Wagen in Flammen gesetzt. Auch habe er geschrien, „das Sterben im Mittelmeer muss aufhören“. Auf einem Video sind Kinder zu sehen, die um die zwölf Jahre alt sind und panisch schreiend aus dem Bus laufen. Die Polizei konnte die Kinder noch rechtzeitig retten. Der Mann habe wegen sexueller Gewalt und Trunkenheit am Steuer Vorstrafen gehabt, sagte Salvini.

„Er hat gesagt, wenn sich jemand bewegt, schüttet er Benzin aus und zündet das Feuer an“, erzählte ein Mädchen aus dem Bus der Nachrichtenagentur Ansa. Er habe gesagt, dass die Menschen in Afrika sterben müssten und dass das die Schuld der italienischen Vize-Regierungschefs Salvini von der rechten Lega und Luigi Di Maio von der Fünf-Sterne-Bewegung sei.

Die populistische Regierung in Rom fährt seit ihrem Amtsantritt einen harten Kurs gegen Migranten und verweigerte mehreren Rettungsschiffen mit Geflüchteten das Anlegen in Italien.

Keine Verbindung zu IS

Jüngsten Ermittlungsergebnissen zufolge sei der Täter nicht in Kontakt mit der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) oder fundamentalistischen Kreisen. Dies berichtete der Mailänder Anti-Terror-Staatsanwalt Alberto Nobili bei einer Pressekonferenz.

Der Mann habe aus Protest gegen die Einwanderungspolitik der italienischen Regierung gehandelt, hieß es am Mittwoch. „Ich kann nicht mehr mitansehen, wie Kinder im Mittelmeer ertrinken“, habe der 47-Jährige, der wegen Brandwunden an den Händen im Krankenhaus liegt, den ihn vernehmenden Ermittlern gesagt.

Der Busfahrer versicherte demnach, dass er den Kindern nicht schaden wollen habe. Seine Absicht sei es gewesen, mit dem Bus den Mailänder Flughafen Linate zu erreichen und von dort nach Senegal zu reisen. Die Polizei habe ihn mit ihrem Eingreifen dazu bewogen, den Bus in Brand zu setzen.

Staatsbürgerschaft in Gefahr

Das italienische Innenministerium prüft indes, dem Mann die italienische Staatsbürgerschaft zu entziehen, die er 2004 erhalten hatte, da er mit einer Italienerin verheiratet war. Inzwischen sei der zweifache Vater geschieden, hieß es.

Der 47-Jährige hatte den Auftrag, die Kinder nach einem Ausflug zu einer Sportanlage im Freien wieder in die Schule zurückzufahren. Er änderte jedoch plötzlich die Route und machte sich auf den Weg nach Mailand. Einige Schüler alarmierten per Handy ihre Eltern, die ihrerseits die Polizei über den Vorfall informierten.

Autos der Carabinieri fuhren dem Bus hinterher und blockierten das Fahrzeug, das gegen eine Leitplanke stieß. Der Busfahrer schüttete daraufhin Benzin aus und steckte den Bus in Brand. Die Polizisten konnten Kinder und Lehrer noch rechtzeitig aus dem Bus holen.

Zeugen posteten Videos mit Schülern, die schreiend auf der stark befahrenen Verkehrsachse herumliefen. Das Fahrzeug wurde von den Flammen zerstört. Salvini dankte den Sicherheitskräften. Es sei ein Wunder, dass niemand ernsthaft verletzt worden sei, sagte er.

dpa/stol

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