„Man kann sich für und mit dem Betroffenen freuen, dass er diesen Lawinenabgang überlebt hat“, sagt Brugger.<BR /><BR />Bei seiner Bergung wurden beim Unfallopfer 24 Grad Körpertemperatur gemessen. „Das ist sehr tief. Wäre der Vermisste im Freien gelegen, hätte er mit großer Wahrscheinlichkeit nicht überlebt“, erklärt Brugger. „Unter 24 Grad ist die Gefahr groß, dass ein Lawinenopfer einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleidet“, sagt Brugger.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="858413_image" /></div> <BR /><BR />Ein Überlebender mit einer Körpertemperatur von 24 Grad wurde bisher noch nicht oft verzeichnet, erklärt Brugger. Die bisher tiefste Körpertemperatur bei einem Überlebenden lag bei 19 Grad und geht auf das Jahr 1982 zurück. Danach habe es kaum mehr Fälle mit unter 24 Grad gegeben. Auch Fälle, bei denen Verschüttete 20 Stunden unter einer Lawine ausharren mussten, gebe es nicht so viele. Er könne sich spontan an einen Fall in Vorarlberg erinnern, wo der Betroffene 24 Stunden unter den Schneemassen lag. Auch in Südtirol hat es bereits einen Fall gegeben, wo eine Person 24 Stunden verschüttet war und überlebt hat, weil sie mit einem Skistock ein Luftloch stechen konnte. <BR /><BR />Es habe sich wieder gezeigt, dass eine Schneehöhle, zusammen mit einer angepassten Kleidung und der körperlichen Verfassung, die Überlebenschancen für Lawinenopfer deutlich steigert. Das Auskühlen eines Körpers erfolgt in einer Schneehöhle deutlich langsamer als ungeschützt im Freien. Die Tatsache, dass eine Hand aus dem Schnee herausgeragt hatte, war die entscheidende Hilfe, den Verschütteten zu finden. Wie weit die Hand Schaden genommen hat, müsse sich nun erst zeigen.<BR /><BR />Abschließend warnt auch Brugger, dass derzeit die Lage am Berg sehr schwer einschätzbar und die Gefahr einer Lawinenauslösung sehr hoch ist.<h3> Was war passiert?</h3>Am Mittwoch hatte sich der 53-jährige Carluccio Sartori aus Villanova Marchesani (Provinz Rovigo) mit seinem Camper auf den Weg ins Gadertal gemacht. In einer Videobotschaft an seine Familie gab der sportbegeisterte Mann Auskunft über das Ziel, das er sich für den nächsten Tag vorgenommen hatte: das Fanesgebiet. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="858416_image" /></div> <BR /><BR />Die Nacht verbrachte er auf dem Campingplatz Sas Dlacia in S. Ciascian/St. Kassian, von wo er am nächsten Morgen nach einem kurzen Telefonat mit seiner Familie seine Skitour startete.<h3> Der Sohn schlägt Alarm</h3>Als die Familienangehörigen jedoch nach mehreren unbeantworteten Anrufen bis am Abend keine Nachricht mehr von dem 53-Jährigen erhalten hatten, schlug der Sohn um 21.40 Uhr Alarm.<BR /><BR />Um genauere Hinweise zu einer möglichen Route oder dem Ziel des Skitourengehers zu erfahren, machten sich die Bergretter gemeinsam mit der Feuerwehr und den Carabinieri zunächst auf den Weg zum Campingplatz, jedoch mit wenig Erfolg. Mit rund 20 Mann der Bergrettung wurde anschließend auf Skiern das Gebiet um Fanes und Lagazuoi durchsucht. „Wir wussten nicht, wo sich der Mann befand; die Informationen diesbezüglich waren sehr ungenau“, schildert Einsatzleiter Fabian Oberbacher, der Chef der Bergrettung Hochabtei. Gegen 1 Uhr wurde die Suche durch den Notarzthubschrauber der Feuerwehr Trient und die Hundestaffel unterstützt. Bis um 4.30 wurde das Gebiet abgesucht, ohne irgendwelche Hinweise auf den Vermissten. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="858419_image" /></div> <h3> Ortung des LVS-Gerätes</h3>Am Freitag um 7 Uhr wurde die Suche wieder aufgenommen. Bei einem Suchflug der Finanzwache wurde eine Handyortung versucht, jedoch ohne Erfolg. Erst dank der Ortung des LVS-Gerätes aus dem Notarzthubschrauber des Aiut Alpin Dolomites konnte der Verschüttete gegen 11.30 Uhr ausfindig gemacht werden. Anders als in der Nachricht an die Familie angegeben, hatte sich Sartori auf dem Weg zum Setsas befunden – also in einer ganz anderen Gegend – und wurde dort von der Lawine verschüttet. <BR /><BR />„Wir sahen aus dem Hubschrauber eine Hand aus den Schneemassen ragen“, sagt Oberbacher und berichtet: „Dann musste alles ganz schnell gehen. Wegen der hohen Lawinengefahr mussten wir uns mit der Bergung sehr beeilen.“ 2 Bergretter und ein Notarzt eilten zum Verschütteten, der einen Meter unter den Schneemassen begraben war. Dann das Unglaubliche: Der Mann war am Leben und nicht nur das: Er war bei vollem Bewusstsein. „Wir fanden ihn verwirrt auf, aber er war die ganze Zeit ansprechbar“, sagt Oberbacher. <BR /><BR />In der Nacht auf Freitag hatte scharfer Frost geherrscht: Auf dem Berg wurde die Temperatur von minus 9 Grad infolge des Windes auf gefühlte minus 16 Grad geschätzt. „Dass der Mann rund 20 Stunden unter der Lawine überlebt hat, grenzt an ein Wunder und zeigt, wie wichtig es bei unserer Arbeit ist, schnell zu sein“, sagt Oberbacher.<BR /><BR />Ersten Erhebungen zufolge hatte Sartori die Lawine im Ausmaß von rund 50 Metern Breite und 150 Meter Länge beim Aufstieg zwischen 12 und 14 Uhr selbst ausgelöst. Es sollte sich als Glück herausstellen, dass die Lawine sich in großen, harten Blöcken löste, die so übereinander fielen, dass sie dem Verschütteten einen Luftraum schufen. „Vermutlich war es auch gut, dass er bis auf den Arm ganz verschüttet und somit ein wenig geschützt war “, sagt Oberbacher. Weil sich Sartori im Aufstieg befunden hatte, trug er keine Jacke und Mütze. <BR /><BR />Seine Körpertemperatur war auf 24 Grad abgesunken, als er ins Krankenhaus nach Bozen eingeliefert wurde. Sein Zustand wird als kritisch, aber nicht lebensbedrohlich bezeichnet. <BR /><BR />Gestern kamen der Sohn sowie die Schwester und der Bruder des Verschütteten nach Südtirol, um ihm beizustehen.