Wie berichtet, hält die Bozner Staatsanwaltschaft Florian Zerzer, Christoph Engl und Dr. Patrick Franzoni gemeinschaftliche Täterschaft bei betrügerischen Handlungen bei öffentlichen Lieferungen zu Lasten des Sanitätsbetriebs vor – in Engls Fall auch zu Lasten des italienischen Zivilschutzes. <BR /><BR />Die Ermittler beanstanden die laut Gutachten unzureichende Qualität der Covid-Schutzmaterialien, die der Sanitätsbetrieb im Frühjahr 2020 auf Vermittlung der Firma Oberalp in China angekauft hatte. Diese seien benutzt worden, obwohl mehrere Prüfstellen negative Bescheide dazu abgegeben hätten, so der Vorwurf. <BR /><BR />Der nächste Verfahrenstag wird ganz im Zeichen von Einwänden stehen, die die Verteidigung vorzubringen gedenkt, u.a. zur Nutzung von Abhörungen als Beweismittel. Davon gibt es unzählige: Der Ermittlungs-Schlussbericht umfasste stolze 2200 Seiten und rund 10.000 Anhänge. <BR /><BR />Die Staatsanwaltschaft hat 126 Zeugen benannt, die Verteidiger zusammen rund 160. Auch wenn sich gar einige ihrer Zeugen überschneiden, dürfte sich das Verfahren also über Monate hinziehen. <BR /><BR />Doch die Uhr tickt: Die Vorhaltung gegen Zerzer, Engl und Dr. Franzoni verjährt in siebeneinhalb Jahren, also im Sommer bzw. spätestens im Herbst 2027.<BR /><BR />„Wir zielen aber nicht auf eine Verjährung, sondern auf einen vollen Freispruch ab“, betont Rechtsanwalt Paolo Fava, der gemeinsam mit Federico Fava Florian Zerzer verteidigt. Im kürzlich ergangenen Freispruch von Zerzer am Rechnungshof sieht er ein gewichtiges Argument: „Der Rechnungshof hat feststellt, dass mein Mandant nicht vorsätzlich gehandelt hat, und ohne Vorsatz gibt es keine Straftat“, so Paolo Fava. <BR /><BR />Dieselbe Überlegung gilt übrigens für Dr. Franzoni, dessen Verteidiger Mattia Praloran gestern bereits durchblicken ließ, dass er auf Freispruch plädieren werde. Christoph Engl wird von den Rechtsanwälten Karl Pfeifer und Gerhard Brandstätter verteidigt. Auch Brandstätter zufolge liege kein Straftatbestand vor. Alle drei Beschuldigten hätten innerhalb kürzester Zeit weitreichende Entscheidungen treffen müssen und dies im guten Glauben getan.