<b>Von Anna Wanker/TT</b><BR /><BR />Kennen Sie einen Film, in dem mindestens zwei Frauen mit Namen vorkommen, miteinander sprechen – und zwar nicht über einen Mann? Dann sind Sie schon mitten im Bechdel-Test. Und der könnte ab 2027 an einem Innsbrucker Gymnasium Teil einer Maturafrage sein.<BR /><BR /><BR />Dort wird Feminismus vom Wahlmodul zum Maturathema. Schülerinnen und Schüler, die über zwei Jahre hinweg insgesamt vier Module mit feministischem Schwerpunkt besuchen, können künftig mündlich darüber maturieren. Es geht um Körperbilder, Macht, Beziehungen, Social Media, patriarchale Strukturen – und um die Frage, was an Schulen eigentlich als bildungswürdig gilt.<h3> Debatte um Sinnhaftigkeit </h3>Anja Duschek ist eine der beiden Initiatorinnen. Sie gestaltet Lehrpläne und unterrichtet im sehr gefragten Wahlfach „Kunst und Kultur“ Module mit feministisch-politischem Inhalt. Seit bekannt wurde, dass Feminismus am Reithmanngymnasium maturabel wird, schlagen die Wellen hoch. Eine Mail an das Innsbrucker Gymnasium enthielt laut Duschek sogar die Formulierung, sie gehöre „verbrannt“ – wie zu Hexenzeiten. Auch die FPÖ kritisierte die Feminismusmatura in einem Internetvideo scharf.<BR /><BR />Duschek bleibt nüchtern. „Das zeigt nur, wie dringend wir Bildung in diesen patriarchalen Systemen brauchen“, sagt sie. Der Widerstand sei für sie kein Grund, zurückzurudern. Im Gegenteil.<BR /><h3> Ein Drittel Jungs im Fach</h3>Die zweite Initiatorin ist Englischlehrerin Magdalena Mair. Deshalb werden die Inhalte etwa zur Hälfte auch auf Englisch behandelt. „Die meiste Literatur und ein Großteil des Contents auf Social Media zum Thema Feminismus ist auf Englisch – warum also nicht gleich auf Englisch darüber diskutieren?“, sagt Mair.<BR /><BR />Das Wahlfach wird bislang keineswegs nur von Mädchen besucht. Im Schnitt ist rund ein Drittel der Teilnehmenden männlich. Einige Burschen stoßen über Themen aus dem Geschichtsunterricht auf feministische Fragestellungen, andere wählen das Fach aus eigenem Interesse. Das Feedback der männlichen Teilnehmer ist laut der beiden Professorinnen überwiegend positiv.<BR /><BR />„Schüler berichten, dass der Unterricht für sie augenöffnend ist. Sie konnten ja selbst nie erleben, wie es ist, als Frau in dieser Gesellschaft anders wahrgenommen zu werden.“ Genau darum gehe es, sagt Mair: „Wir zeigen neue Sichtweisen auf, bieten Denkmodelle an und fordern Reflexion ein. Aber wir unterrichten auf keinen Fall Männerhass, so wie sich das manche vorstellen.“<BR /><h3> Wie politisch darf Schule sein?</h3>Für Duschek ist die Antwort klar. Systemverändernde Maßnahmen seien Aufgabe der Politik. Aber Politik brauche „mündige Bürgerinnen und Bürger, die kritisch und selbstständig hinterfragen und Entscheidungen treffen können“. Oder, kürzer gesagt: „Wissen ist Macht.“<BR /><BR />Seit die Feminismusmatura öffentlich wurde, gibt es Reaktionen in beide Richtungen. „Die Zustimmung überwiegt aber total“, sagt Duschek – bei Schülerinnen und Schülern, im Kollegium, beim Direktor und auch bei den Eltern jener Jugendlichen, die das Wahlfach besuchen. Der Absender der Drohmail ist der Schule offenbar bereits aus der Zeit des Homeschoolings bekannt, als er sich damals schon regelmäßig an die allgemeine E-Mail-Adresse der Schule wandte, um negatives Feedback zu hinterlassen.<BR /><BR />Wer tatsächlich dahintersteckt, weiß man nicht. Der Mann schreibt unter einem Decknamen, der an einen kleinen Waldbewohner mit buschigem Schwanz erinnert, und nutzt eine ausländische E-Mail-Adresse. Während also manche im Schutz der Anonymität gegen Feminismus anschreiben, wird im Klassenzimmer darüber gesprochen. Offen, prüfbar – und ab 2027 in Nordtirol eben auch maturabel.