Freitag, 02. Oktober 2020

Mayr-Nusser-Gedenktag: „Plädoyer für den Mut, unbekannte Wege zu gehen“

Die Diözese Bozen-Brixen begeht am Samstag das liturgische Gedenken an Josef Mayr-Nusser. Bis 2017 waren die Gebeine von Josef Mayr-Nusser in der Kirche von Lichtenstern bestattet. Der Präsident des Hauses der Familie Heiner Oberrauch lud am Freitagmorgen engagierte Menschen aus Südtirols Soziallandschaft und des Sanitätsbetriebs zu einer Gedenkviertelstunde in die Waldkirche von Lichtenstern ein: „Lasst uns aus Überzeugung nicht den leichten Weg gehen“, forderte er die drei Dutzend Teilnehmenden auf.

Engagierte Menschen aus Südtirols Soziallandschaft und des Sanitätsbetriebs trafen sich zu einer Gedenkviertelstunde in die Waldkirche von Lichtenstern.
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Engagierte Menschen aus Südtirols Soziallandschaft und des Sanitätsbetriebs trafen sich zu einer Gedenkviertelstunde in die Waldkirche von Lichtenstern. - Foto: © Haus der Familie
Heiner Oberrauch betonte, dass das Gesundheits- und Sozialsystem ohne die vielen engagierten Menschen im heurigen Corona-Frühjahr und Sommer zusammengebrochen wäre. Er verwies auf die vielen alltäglichen Dinge, die den gesellschaftlichen Kitt ausmachten, nannte Einkäufe für ältere Menschen, Anrufe bei alleinlebenden Nachbarn, freiwilliges und hauptamtliches in systemrelevanten Organisationen und Berufen.

Oberrauch nannte auch Verantwortungsträger in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Politik. Da seien schwerwiegende Entscheidungen zu treffen gewesen, ohne die Folgen absehen zu können. „Corona ließ keine Prognosen zu“, sagte der Präsident des Hauses der Familie und bezeichnete die Anwesenden der Feierstunde als Felsen in der Corona-Brandung. Das fragile gesellschaftliche Gefüge wäre heuer ohne die vielen wagemutigen Menschen zusammengebrochen, betonte Heiner Oberrauch.

„Mayr-Nusser stellte sich gegen den Mainstream“


Toni Fiung, Südtirols Familienseelsorger, ist geistlicher Rektor im Haus der Familie und leitete die heutige Gedenkfeier. Josef Mayr-Nusser habe die Zeichen der Zeit erkannt und danach gehandelt, sagte er: „Er stellte sich gegen den Mainstream, obwohl er ahnte, dass ihn seine Eidesverweigerung das Leben kosten würde.“ Und doch sei er seinen Weg konsequent gegangen. Der Seliggesprochene habe den Mut aufgebracht, die Stimme gegen das nationalsozialistische und rassistische Gedankengut zu erheben.

„Zeugnis geben ist heute unsere einzige, schlagfertigste Waffe’, hat Josef Mayr-Nusser 1938 geschrieben. „Seien wir im Jahr 2020 auch mutig, uns vor Schwächere zu stellen“, plädierte Toni Fiung. In Krisensituationen brauche es visionäre und tatkräftige Menschen, die Wege gehen, die noch keiner gegangen ist, die Verantwortung übernehmen, obwohl sie die Auswirkungen nicht kennen, unterstrich Toni Fiung.

Die Teilnehmer der Gedenkfeier frühstückten anschließend im Haus der Familie gemeinsam und tauschten sich über die großen Herausforderungen, die Corona mit sich bringt, aus.

stol

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