Donnerstag, 24. Oktober 2019

39 Leichen in Lkw: Tote waren chinesische Staatsbürger

Bei den 39 am Mittwoch in einem Lastwagenanhänger in England entdeckten Leichen handelt es sich um chinesische Staatsbürger. Das bestätigte die britische Polizei am Donnerstag. Es handelt sich um 31 Männer und 8 Frauen.

Der Lkw wurde mittlerweile von der Polizei weggefahren.
Der Lkw wurde mittlerweile von der Polizei weggefahren. - Foto: © APA (AFP) / BEN STANSALL

Unterdessen haben auch die belgischen Behörden Ermittlungen aufgenommen. Diese „werden sich auf die Organisatoren und alle anderen Beteiligten des Transports fokussieren“, teilte die belgische Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Man werde eng mit den britischen Behörden zusammenarbeiten.

Vorläufige Ergebnisse zeigten, dass der fragliche Anhänger am Dienstag um 14.49 in Zeebrugge an der belgischen Küste angekommen sei und den Hafen noch am gleichen Nachmittag verlassen habe.

Am Mittwoch um 1.00 Uhr habe der Lkw-Sattelauflieger dann das englische Purfleet erreicht. Purfleet ist nicht weit entfernt von jenem Ort im Industriegebiet der Stadt Grays, an dem der Anhänger schließlich entdeckt wurde.

Der Container wurde nach der Verfrachtung an Land an die offenbar aus Nordirland gekommene Sattelzugmaschine gekoppelt. Das Gespann hat den bisherigen Ermittlungen zufolge den Hafen kurz nach 1.00 Uhr verlassen. Sanitäter informierten die Polizei gegen 1.40 Uhr über den Leichenfund im Lastwagen.

Gemeldet war der Lkw seit 2007 in der bulgarischen Hafenstadt Warna am Schwarzen Meer, wie Bulgariens Ministerpräsident Bojko Borissow berichtete. Seitdem sei das Fahrzeug nicht mehr im Land gewesen.



Näheres über die letzte Route des Lkw war noch nicht bekannt. „Nach derzeitigem Stand gehen wir davon aus, dass er zuletzt nicht durch Österreich gefahren ist“, sagte Gerald Tatzgern, Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität und des Menschenhandels im Bundeskriminalamt (BK).

Noch unklar, wann die Personen in den Lkw kamen

Laut Presseaussendung der Polizei war noch unklar, zu welchem Zeitpunkt die Menschen in den Anhänger gekommen sind und ob dies in Belgien geschehen ist. Weitere Informationen sollten im Sinne der Ermittlungen nicht veröffentlicht werden, hieß es in der Mitteilung.

Die Umstände deuteten auch am Donnerstag stark darauf hin, dass es sich bei den noch nicht identifizierten Toten um ins Land geschleppte Migranten handelt. Offiziell bestätigt ist das bisher aber ebenso wenig wie die Todesursache. Ein Lastwagen-Fahrer, ein 25-jähriger Nordire, wurde wegen Mordverdachts festgenommen. Laut britischen Medien stammt er aus der nordirischen Stadt Portadown in der Grafschaft Armagh.

Die britische Polizei hat mittlerweile Räumlichkeiten in Nordirland durchsucht. Britischen Medienberichten zufolge fahndeten die Beamten in der Nacht auf Donnerstag in 2 Wohnungen in der Grafschaft Armagh nach Beweisen. Die Wohnungen sollen im Zusammenhang mit dem 25-jährigen Fahrer stehen.

Die stellvertretende Polizeichefin von Essex, Pippa Mills, sagte, die Identifizierung der Opfer habe oberste Priorität. Es sei „absolut unerlässlich, dass die Ermittlungen mit dem größten Respekt für die 39 Menschen geführt werden, die ihr Leben verloren haben“. Mills kündigte an, dass es sich um eine „längere Untersuchung“ handeln werde.





dpa