Donnerstag, 04. Januar 2018

Medikament mit Kokain verwechselt

Australienurlauber haben ein weißes Pulver für Kokain gehalten und geschnupft. Ein Deutscher und zwei Franzosen sind zwei Tage nach Vorfall weiter in Behandlung.

Statt Kokain schnupften Touristen in Australien ein Medikament gegen Reisebeschwerden.
Statt Kokain schnupften Touristen in Australien ein Medikament gegen Reisebeschwerden. - Foto: © shutterstock

Weil sie ein Reisemedikament für Kokain gehalten haben, mussten neun Rucksacktouristen in Westaustralien nach der Einnahme mit teils schweren Bewusstseinsstörungen in ein Krankenhaus gebracht werden.

Ein Deutscher und zwei Franzosen blieben auch am Donnerstag in Behandlung. Der Notfallarzt David McCutcheon hatte ihren Zustand noch am Vorabend als lebensbedrohlich beschrieben.

Weißes „Knüller“-Pulver

Rettungskräfte waren am Dienstagabend in ein Haus in der Nähe der westaustralischen Stadt Perth gerufen worden, wo die sieben Männer und zwei Frauen im Alter zwischen 21 und 25 Jahren wohnten. Einer der Touristen, ein Italiener, berichtete später der Zeitung „West Australian“, sie hätten ein Paket geöffnet, das an einen ehemaligen Bewohner adressiert war – darin habe sich ein weißes Pulver und ein Zettel mit dem Hinweis „Knüller“ befunden.

Im Glauben, es handelte sich um Kokain, schnupften sie das Pulver, berichtete der Italiener weiter. Kurz darauf seien sie wie gelähmt und völlig hilflos gewesen und hätten nicht einmal nach Hilfe rufen können.

Halluzinationen und Anfälle

Wie sich aufgrund von Blutproben herausstellte, handelte es sich bei dem Pulver um das verschreibungspflichtige Medikament Scopolamin. Es wird in geringen Mengen zur Beruhigung und bei Reisebeschwerden verschrieben, ist international aber auch wegen seiner Verwendung als Wahrheitsserum berüchtigt.

„Ich bin ziemlich sicher, dass einige der jungen Leute ohne unser Eingreifen gestorben wären“, sagte Notfallarzt McCutcheon dem „West Australian“. Die Urlauber seien mit „Wahnanfällen“ ins Krankenhaus eingeliefert worden. „Sie halluzinierten, ihr Herz schlug zu schnell“, mehrere mussten ins künstliche Koma versetzt werden, sagte McCutcheon.

Eine Nachbarin schilderte dem Rundfunksender ABC, wie die Touristen auf Tragen aus dem Haus gebracht wurden. Sie hätten gezittert und versucht, von den Tragen zu steigen – ohne zu wissen, was sie tun.

apa

stol