Von Brigitte Warenski (tt.com)<BR /><BR />Österreichweit rauchten am Freitag die Köpfe all jener, die in einer mehrstündigen Aufnahmeprüfung (MedAT) einen der 1950 Studienplätze für Human- bzw. Zahnmedizin an den Medizin-Unis Wien, Graz und Innsbruck bzw. der Medizin-Fakultät Linz ergattern wollen. <BR /><BR />Vor der Innsbrucker Messe trudelten wie in den vergangenen Jahren schon frühmorgens die ersten BewerberInnen ein, die ihr Wissen aus medizinrelevanten Fächern wie Biologie und Chemie und ihre kognitiven Fähigkeiten (u.a. Merkfähigkeit) unter Beweis stellen müssen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1331940_image" /></div> <h3> 390 Plätze werden vergeben</h3>Den Besten der Besten des Aufnahmetests, der zum 21. Mal stattfindet, winkt einer der 390 Plätze, die die MedUni Innsbruck für das Studium der Humanmedizin heuer vergeben darf. Dass der Test seine Berechtigung hat, dafür sprechen laut Wolfgang Prodinger, Vizerektor für Lehre an der Medizinischen Universität Innsbruck, die Zahlen. „Vor Einführung des Aufnahmeverfahrens gab es eine Drop-Out-Rate von über 50 Prozent, heute schließen 90 bis 95 Prozent ihr Humanmedizinstudium ab. Das zeigt ganz eindeutig den positiven Effekt des Tests.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-75461104_quote" /><BR /><BR /><BR />Auch wenn es die Ergebnisse des Tests erst in gut einem Monat gibt, ist schon jetzt klar: Der Ärzteberuf ist wieder gefragt, die Zahl der MedAT-TestteilnehmerInnen ist österreichweit um knapp 1000 gestiegen. In Innsbruck haben sich 3532 Interessierte zum Test angemeldet, 2630 sind dann tatsächlich am großen Tag in der Messe erschienen. Nachdem in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit immer wieder darüber diskutiert wurde, dass Innsbruck von ausländischen Studierenden überrannt wird, gibt es hier eine sichtbare Trendwende. <BR /><BR />Erstmals seit 2013 wollen laut Prodinger deutlich mehr österreichische BewerberInnen (nicht nur österreichische StaatsbürgerInnen, sondern alle mit österreichischer Matura und denen Gleichgestelle wie eben auch wir Südtiroler) Arzt oder Ärztin werden. Zurückgegangen ist dagegen der Ansturm aus dem EU-Ausland, wobei es hier in Innsbruck wie u.a. auch in Wien zum größten Teil um deutsche Studierende geht.<BR /><BR /><b>Gut zu wissen:</b> Die Kontingentregelung an den öffentlichen medizinischen Hochschulen in Österreich sieht vor, dass 95 Prozent der Studienplätze für Humanmedizin EU-Bürger und ihnen im Hinblick auf den Studienzugang gleichgestellten Personen vorgesehen sind. 75 Prozent dieser Studienplätze für Humanmedizin sind Besitzer von österreichischen und gleichgestellten Reifezeugnissen vorbehalten. Absolventen einer deutschsprachigen oder ladinischsprachigen Oberschule in Südtirol fallen in dieses Österreich-Kontingent.<h3>Vom Maschinenbaustudium zur Medizin</h3>Auch Boran Peker gehört zur größten Gruppe der Bewerbenden aus der EU, er kommt aus Deutschland. Den Ulmer zieht es in die Berge. „Früher hatte ich mit den Bergen nichts zu tun, aber seit meine Freundin in Lech ist, liebe ich die Berge“.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1331943_image" /></div> <BR /><BR />Doch es ist selbstverständlich nicht nur die Natur, wegen der der 22-Jährige in der Messe sitzt und sich stundenlang abmüht. „Schon mit 14 Jahren hat mich fasziniert, wie der Körper funktioniert. Und seitdem ich ins Fitnessstudio gehe, habe ich mich noch mehr mit dem Thema auseinandergesetzt. Das ist einfach superinteressant.“ Wenn alles klappt, will er sein Maschinenbaustudium in Ulm aufgeben und mit seiner Freundin nach Innsbruck ziehen. Welche Fachrichtung es letztendlich werden soll oder könnte, darüber hat sich der Student schon Gedanken gemacht: „In der engeren Wahl sind Neurologie, Orthopädie oder Gynäkologie und Geburtshilfe.“<h3> Nur 40 Plätze für Zahnmedizin</h3>Besonders hart um einen Studienplatz rittern müssen heuer all jene, die die Zahnmedizin anpeilen. Für sie gibt es an der MedUni in Innsbruck jährlich nur 40 neue Studienplätze, und „die Zahl der Interessenten ist mit 408 um mehr als ein Viertel (27 Prozent) gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Daher mussten wir hier für den Aufnahmetest unser ganzes Raumkonzept umstellen“, so Martina Heidegger vom Studierendenservice der MedUni. Welche Gründe es für den Run auf die Zahnmedizin gibt, darüber kann laut Heidegger nur spekuliert werden.<BR /><BR />Eine der Bewerberinnen ist Isabella Haberzettl aus Kirchbichl. Die 18-Jährige hat vor drei Wochen ihre Matura gemacht und träumt schon seit ihrer Kindheit davon, Zahnärztin zu werden. „Als ich das erste Mal beim Zahnarzt war, wusste ich, dass ich das studieren will“, erzählt sie. Nach der Matura hat die Kirchbichlerin fleißig für den schweren Test gebüffelt, jetzt geht es ums Eingemachte. „Ich habe extra in Biologie und Chemie maturiert, also bin ich da ganz gut vorbereitet. Und wenn ich es nicht schaffe, versuche ich den Aufnahmetest auf alle Fälle nächstes Jahr noch einmal“, erzählt sie.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1331946_image" /></div> <h3> Innsbruck sehen und bleiben</h3>Aus Kirchheim unter Teck bei Stuttgart angereist ist Anna Weber mit ihrer Oma. Sie hat letztes Jahr das Abi gemacht und absolviert gerade eine Ausbildung zur Zahnarztassistentin. Sollte sie einen Studienplatz ergattern, will sie aber die Ausbildung abbrechen und nach Innsbruck ziehen. „Ich wollte nie in einem Büro sitzen, sondern mit Menschen zu tun haben“, so die 18-Jährige. In Innsbruck ist sie jetzt zum ersten Mal, kennt die Stadt aber aus Berichten anderer und den sozialen Medien. „Ich habe gehört, dass es eine sehr schöne Stadt ist, was stimmt und ich gehe sehr gern Skifahren, daher bin ich jetzt hier“, sagt sie und verschwindet eigentlich ziemlich entspannt in den großen Prüfungssaal.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1331949_image" /></div> <h3>Das Medizinstudium und das Auswahlverfahren in Zahlen</h3>Interessierte: 13.248 Personen haben österreichweit am Freitag am Aufnahmetest für das Medizinstudium teilgenommen, die Anzahl der TestteilnehmerInnen hat damit gegenüber dem Vorjahr um knapp 1000 Personen zugelegt. 1950 Studienplätze werden österreichweit vergeben, das sind um 50 mehr als zuletzt. Bis zu 87 sind dabei sogenannte „gewidmete“ Studienplätze für Aufgaben im öffentlichen Interesse. Wer sich um einen davon bewirbt, muss beim Test eine geringere Punktezahl erreichen, aber im Gegenzug nach dem Abschluss eine gewisse Zeit bei einer öffentlichen Institution (Österreichische Gesundheitskasse, Verteidigungsministerium etc.) etwa als Kassen-, Spitals-, Militär- oder Amtsarzt arbeiten.<BR /><BR />Österreich und EU: Von den insgesamt 3124 Anmeldungen (davon sind wie üblich nicht alle erschienen) für das Aufnahmeverfahren zum Studium der Humanmedizin entfallen an der Medizinischen Universität Innsbruck 1776 (2025: 1513) der Anmeldungen auf BewerberInnen aus dem ÖsterreicherInnen-Kontingent. Auf das EU-Kontingent entfallen 1315 Bewerbungen (2025: 1361). Der Großteil der Studienplatz-Bewerbungen aus EU-Ländern kommt aus Deutschland, in Zahlen sind das 1196 (2025: 1230).<BR /><BR />Kontingentierung: Mindestens 75 Prozent der Studienplätze für Humanmedizin stehen StudienbewerberInnen mit einem Reifezeugnis aus Österreich zu. Diese Kontingentregelung gilt seit dem Studienjahr 2019/20 nur noch für die Humanmedizin, nicht mehr für die Zahnmedizin.<BR /><BR />Molekulare Medizin: Für das österreichweit nur in Innsbruck angebotene Bachelorstudium der Molekularen Medizin (30 Studienplätze) haben sich heuer 70 Personen (2025: 75) angemeldet, 14 davon sind Männer, der Rest Frauen. Eine Kontingentregelung gibt es hier nicht. Das Aufnahmeverfahren besteht aus einem naturwissenschaftlichen Wissenstest und nachfolgenden Auswahlgesprächen.