Die Hohe See umfasst etwa 40 Prozent der Erdoberfläche, hat also ein gewaltiges Ausmaß, wie Christian Wild von der Universität Bremen erklärt. Mit der Vereinbarung werde erstmals ein völkerrechtlicher Rahmen für den Meeresschutz der Hohen See geschaffen. „Bisher gab es nur einen rechtlichen Rahmen für die Küstengewässer.“<h3> Worum geht es?</h3>Es gehe darum, Meereslebewesen zu schützen und nachhaltig zu nutzen, Vorteile mariner genetischer Ressourcen zu teilen und Wissen und Wissenschaft über die Weltmeere zu stärken, erklärt Ina Tessnow-von Wysocki von der University of Wollongong in Australien. Es handle sich um ein äußerst fortschrittliches Abkommen, das Umweltschutz und -nutzung vereine und indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften eine große Rolle zuschreibe.<BR /><BR />Der Vorteil für die Menschheit werde in den Vordergrund gerückt – künftige Generationen eingeschlossen. „Das wird in Zukunft interessante Fragen aufwerfen, wenn es um Nutzung von Meeresressourcen geht – vielleicht ist es in manchen Fällen nachhaltiger und zum größeren planetaren Vorteil, wenn diese nicht genutzt werden, sondern im Ozean bleiben.“<h3> Was bedeutet das Abkommen konkret?</h3>„Die Wirkung des Vertrages wird sich sicherlich an der Ausweisung von Schutzgebieten bemerkbar machen“, erklärt Alice Vadrot von der Universität Wien. Dort werde es sicherlich zu vermindertem oder keinem Fischfang und „wahrscheinlich je nach Fall“ auch zu veränderten Schifffahrtsrouten kommen.<BR /><BR />Vorgesehen sind zudem Umweltverträglichkeitsprüfungen vor der Genehmigung von Eingriffen und Aktivitäten. Die Prüfungen richteten sich nach dem potenziellen Schaden in internationalen Gewässern, erklärt die Professorin für Internationale Beziehungen und Umwelt. Das bedeute, dass sie auch bei Aktivitäten in nationalen Gewässern eingefordert werden können, wenn es Grund zur Annahme gibt, dass internationale Gewässer negativ betroffen sind. Gelten könne das zum Beispiel bei Vorhaben zum Rohstoffabbau.<h3> Werden sich denn alle Länder daran halten?</h3>Aktuell haben 145 UN-Mitgliedstaaten das Abkommen unterzeichnet und 81 davon bereits ratifiziert. Dass es in so kurzer Zeit inklusive China und vieler Binnenländer so viele seien, sei „ein starkes Zeichen“, meint Vadrot. Auch Kimberley Peters vom Helmholtz-Institut für Funktionelle Marine Biodiversität in Oldenburg sieht in der Geschwindigkeit, mit der das 2023 verabschiedete Abkommen zustande kam, ein klares Signal: „Es wird vielleicht nicht von jedem Land ratifiziert werden, aber es gibt eindeutig die deutliche Bereitschaft vieler Nationen, etwas zu tun, und das spiegelt sich in diesem Abkommen und den Staaten wider, die es unterzeichnet haben.“