Eltern von (angehenden) Kindergartenkindern auf Arbeitssuche hatten bislang ein unlösbares Problem: Verlängerte Öffnungszeiten konnte nur beantragen, wer eine Arbeit samt Arbeitszeiten nachweisen konnte. Eine Stelle annehmen kann andersherum aber nur, wer sein Kind im Bedarfsfall gut versorgt im verlängerten Kindergarten weiß. „Das ist jetzt passé“, sagt Landesrat Philipp Achammer, denn ab sofort werden auch familiäre, soziale, erzieherische oder persönliche Gründe anerkannt. „Und Arbeitssuche gehört definitiv dazu“, erklärt Achammer.<BR /><BR />Ab dem morgigen Donnerstag starten die Online-Einschreibungen für den Kindergarten, bei denen Eltern auch den Bedarf an verlängerter Besuchszeit (Montag-Donnerstag bis 17 Uhr; Freitag bis 15 Uhr) ihres Kindes angeben können. Die Kriterien dazu hat die Landesregierung in einer Sondersitzung am vergangenen Montag neu geregelt – und dabei laut Achammer „die Herangehensweise total geändert“. <h3>Neue Voraussetzungen für verlängerte Besuchszeiten</h3>Denn bislang konnte einen Antrag auf verlängerte Besuchszeiten nur stellen, wer nachweislich über die reguläre Besuchszeit des Kindergartens hinaus berufstätig war. Das galt bei Eheleuten für beide Partner. In der Vergangenheit hat gerade das zumeist Mütter, die wieder in den Beruf einsteigen wollten oder ihre Arbeitszeit aufstocken, an den Rand der Verzweiflung gebracht. Der gordische Knoten war nicht zu lösen. „Jetzt ändern wir das“, sagt Achammer. <BR /><BR /><embed id="dtext86-72950892_quote" /><BR /><BR />Zusätzlich zur Berufstätigkeit gelten nun neu auch familiäre, soziale, erzieherische oder persönliche Gründe, die durch eine Eigenerklärung oder vom Sozialsprengel bestätigt werden. „Diese Gründe können sehr unterschiedlich sein und von Pflege in der Familie über Ausbildung bis hin zur Arbeitssuche reichen“, erklärt Achammer. <BR /><BR />Zudem hat die Landesregierung die notwendige Anzahl an Anträgen reduziert: Künftig können bereits ab acht Kindern (bisher waren es zehn) die Öffnungszeiten im Kindergarten verlängert werden. Alles in allem soll das Angebot im Land für das Kindergartenjahr 2026/2027 verdoppelt werden: „Derzeit gibt es für den deutschen Kindergarten landesweit 29 Angebote – bei über 200 Kindergärten. Unsere Zielmarke für das kommende Kindergartenjahr ist eine Erweiterung um 32 Angebote“, erklärt Achammer. <BR /><BR />Bei aller Öffnung für mehr familiäre Situationen, ein flächendeckendes Angebot für alle soll nicht geschaffen werden. Und damit sich „nicht blindlings jeder einschreibt, weil es eh nichts kostet“, wird künftig für jeden in Anspruch genommenen Nachmittag ein Pauschalbeitrag von vier bis maximal fünf Euro berechnet.<BR /><BR />Die Anpassungen gelten für die Kindergärten aller drei Landessprachen.<h3> Dennoch Skepsis: „Ein Tropfen auf den heißen Stein“</h3>Diese neuen Kriterien für die verlängerten Kindergartenzeiten sind für die Vorsitzende des Landesbeirates der Eltern (LBE), Silvia Cadamuro, der viel zitierte Schritt in die richtige Richtung. Aber auch nicht mehr. Und keineswegs ein Grund für die Politik, sich jetzt auf den Lorbeeren auszuruhen. Dennoch: Alles in allem sei die Neuregelung aber „ein guter Start ins neue Jahr“. <BR /><BR />Cadamuro lässt keinen Zweifel offen: Die angepeilte Verdopplung der Angebote mit verlängerten Kindergartenzeiten und die Anerkennung weiterer, insbesondere sozialer Gründe für die Beantragung derselben sind für sie sehr erfreulich und begrüßenswert, doch ausreichend sind sie nicht. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1258182_image" /></div> <BR /><BR />„Unser Ziel ist der Mittagstisch für alle und eine Betreuung bis 16/17 Uhr für alle“, erklärt sie. Und auf dem Weg dorthin erwartet sie sich nun von der Politik „bitte regelmäßig, verlässlich und vor allen Dingen zügig weitere Schritte“. Und das nicht, weil Eltern einfach nie zufriedenzustellen seien, „sondern weil Familien enorm unter Druck sind und die jetzigen Maßnahmen nur ein Tropfen auf einen sehr, sehr heißen Stein“. Sie will ihre Forderung nach einem weiteren Ausbau der Betreuung daher als „Hilferuf“ verstanden wissen – und weniger als Kritik. <BR /><BR /><?Schrift Spationierung="0ru"> Es gebe so viele schöne Beispiele für gelungene Betreuungsmodelle etwa in Deutschland und Österreich – „wir wollen endlich da rankommen“, sagt sie. Und befürchtet fast, dass die Politik hierzulande das Thema immer noch nicht ernst genug nimmt. Dabei habe ein unzureichendes Betreuungsangebot zwei sehr bedenkliche Konsequenzen. Die eine seien rückläufige Geburtenraten, „und solange die Geburtenzahlen auch in Südtirol weiter sinken, heißt das, die Politik lässt Familien noch zu sehr im Stich.“<BR /><BR /><?_Schrift> Und die zweite Konsequenz seien – in der Regel – Mütter, die nicht oder nur mit reduzierter Arbeitszeit einer Beschäftigung nachgehen können. „Wir wissen, dass nach dem zweiten Kind nur die Hälfte der Mütter überhaupt wieder in den Arbeitsmarkt zurückgehen – mit fatalen Folgen für die späteren Rentenbezüge.“ Es gebe also gute Gründe für den Ausbau der Kinderbetreuung.