Sonntag, 03. Januar 2016

Mehr Gipshaxen aufgrund der Kunstschneepisten?

Bislang kaum Naturschnee einerseits, geöffnete Pisten und Wintersporthungrige andererseits: An den Verletzungen der Ski- und Snowboardfahrer ist der Kunstschnee aber nicht schuld, wie STOL auf Nachfrage erfahren hat.

Wenn das Skivergnügen mit einem Gipshax endet. - Foto: W.M.
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Wenn das Skivergnügen mit einem Gipshax endet. - Foto: W.M.

Endlich hatte Frau Holle ein Einsehen und hat auch die kargen Wiesen links und rechts der weißen Pistenstreifen etwas eingezuckert (STOL hat berichtet). Dennoch: Die Unterlage ist und bleibt eine Kunstschneepiste. Ob das das Wintersportverhalten bzw. die Verletzungsgefahr beeinflusst? 

Alter Schnee wird hart

"Wir haben bislang eine ganz normale Wintersaison", sagt Raffael Kostner, Leiter beim Rettungshubschrauber Aiut Alpin. Kunstschnee sei im Grunde nicht anders als Naturschnee und die Pisten in einem super Zustand. 

Allerdings: "Wenn der Schnee lange derselbe bleibt, sprich kein neuer nachkommt, werden die Pisten zunehmend härter", weiß Kostner. Da können Stürze dann schon mal schmerzhaft werden. Eine Zunahme an Verletzungen lässt sich dadurch aber nicht verzeichnen. 

Über den Pistenrand hinaus

"Wohl gibt es aber Verunfallte, die sich verletzen, weil sie über die Piste hinausfahren und auf dem harten Untergrund aufschlagen", sagt Notarzt Leonardo Bianciardi vom Aiut Alpin. Doch auch Kollissionen mit Matten und Abgrenzungen kommen immer wieder vor. Ebenso Zusammenstöße von Wintersportlern. 

Viele kleine, einige große Verletzungen

"Leichtere Verletzungen an den äußeren Extremitäten machen rund 70 bis 80 Prozent bei den Wintersportunfällen im Skigebiet aus", so Bianciardi. Bei 10 bis 15 Prozent handle es sich um schwere und schwerste Traumen mit direkten Zielkrankenhaus Bozen. 

"Keine Frage, der Helm hat gar einiges verbessert", sagt Notarzt Leonardo Bianciardi.

Gravierende Unfälle mit Helm

Aber: Er hat auch eine Verschlechterung des Verhaltens mit sich gebracht. "Die Leute führen sich sicherere und fahren schneller", so Bianciardi. Dadurch fielen manche Unfälle bzw. deren Ausgang noch gravierender aus, als vor der Helmpflicht. 
Generell rät der Notarzt aber zu Protektoren - vor allem einem Rückenschutz, der gute Deinste leisten würde. 

Mit dem Neuschnee von letzter Nacht rechnet Bianciardi mit einer Zunahme der Wintersportler - und somit auch mit einem Anstieg der Unfälle und Verletzungen. Mit einem vorausschauenden Fahrstil auf der nun weicheren Neuschneeunterlage sollte der Wintersportgenuss aber möglichst nicht mit einem Einsatz des Aiut Alpin enden. 

stol/ker

stol