Dienstag, 26. Januar 2021

Mehr Online-Glücksspiel in Coronazeiten – Hier gibt's Hilfe für Spielsüchtige

Das Glücksspiel ist im Coronajahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent gestiegen. 1350 Euro gibt der Südtiroler im Schnitt dafür im Jahr aus. Vertreter des Netzwerk Spielsucht berichteten in einer Pressekonferenz am Dienstag über die Auswirkungen des Glücksspiels in Zeiten von Corona und stellten die neue Website, die neue Broschüre und neue Erklärvideos für Betroffene und Angehörige vor.

Das Glücksspiel hat besonders in Krisenzeiten Konjunktur.
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Das Glücksspiel hat besonders in Krisenzeiten Konjunktur. - Foto: © shutterstock
„Corona hat das analoge Spielen gebremst, aber den digitalen Trend verstärkt“ - Paolo Belletati, Psychologe beim Verein HANDS
Paolo Belletati, Psychologe beim Verein Hands erklärt, dass Glücksspiel besonders in Krisenzeiten Konjunktur hat; der Traum vom schnellen Gewinn ist mit der Hoffnung verbunden, die eigene Situation finanziell zu verbessern und etwas Glück und Ablenkung in diesen schwierigen Zeiten zu finden.

Glücksspiel um 40 Prozent gestiegen

Der Lockdown hat aber die Spielmöglichkeiten stärkt eingeschränkt. 90 Prozent der klassischen Glücksspieler haben während des Lockdowns weniger gespielt oder aufgehört zu spielen und sind nicht auf Onlineangebote umgestiegen. Trotzdem ist das Glücksspiel im Coronajahr 2020 um 40 Prozent gestiegen im Vergleich zum Vorjahr. Vor allem Spielende die bereits digitale Plattformen genutzt haben, haben mehr gespielt und mehr Geld ausgegeben. Die Ausgaben sind in Südtirol nach wie vor hoch. Im Jahr gibt der Südtiroler im Schnitt 1350 Euro für Glücksspiele aus. „Die neue Website, die Broschüre, die Erklärvideos und die Live-Talks sollen Betroffenen Mut machen sich Hilfe zu holen“ – Manuel Oberkalmsteiner, Mitarbeiter im Forum Prävention.

Maßnahmen und Aktionen

Das Forum Prävention begleitet die präventiven Maßnahmen des Netzwerkes und stellt die neue Broschüre, die neugestaltete Website mit samt Erklärvideos vor und die Live Talks. Sie richten Sich, sowie die Live Talks, an betroffene Spieler/innen und Angehörige und sollen Mut machen sich professionelle Hilfe zu holen. Aufgrund des digitalen Trends wurde die Website www.aktion-spielsucht.it neu gestaltet und die Informationen den Bedürfnissen der Betroffenen angepasst. Mehrere Videos erklären welche Beratungs- und Therapieangebote es in Südtirol und wie Spielsucht begleitet und unterstützt werden kann. Ziel der neuen Maßnahmen und Aktionen des Netzwerk Spielsucht ist es die Hemmschwelle sich Hilfe zu holen zu senken.

Live-Talks

Es finden zwei Live-Talks auf dem Facebook-Profil des Forum Prävention statt:

„Auf der Suche nach dem Glück - Über Glücksspiel, Sucht und Wege in die Unabhängigkeit“ am 28.Jänner um 20 Uhr (Manuel Oberkalmsteiner im Gespräch mit Peter Plank – abstinenter Spielsüchtiger – und Martin Fronthaler, Psychologe und Direktor des Therapiezentrums Bad Bachgart)

„Azzardo? Parliamo di rischi, debiti e possibile aiuto per giocatori e famigliari“ am 04.Februar um 20 Uhr (Giuditta Sereni im Gespräch mit Paolo Belletati – Psychologe Verein Hands – und Petra Priller, Schuldnerberatung Caritas)

Hier erhalten Sie Hilfe– Austausch wichtig

Es gibt in Südtirol viele Beratungs- und Therapieangebote. Der Verein Hands, der Dienst für Abhängigkeitserkrankungen, die psychosoziale Beratung der Caritas Schlanders und die Schuldnerberatung der Caritas bieten Beratung für gefährdete Spielende und für Angehörige an. Es gibt Gesprächstherapie und Gruppenprogramme. Eine stationäre Therapie wie im Therapiezentrum Bad Bachgart - erklärt der Direktor Martin Fronthaler, empfiehlt sich, wenn die Spielsucht bereits sehr stark ausgeprägt ist, wenn Betroffene die Kontrolle über das Spielen verloren haben und aus eigener Kraft nicht nehr unterbrechen können. Vielen Betroffenen fällt es im stationären Ambiente leichter, auf das Glücksspiel zu verzichten.

Das pathologische Glücksspiel geht oft mit anderen Erkrankungen, wie affektiven Störungen, Persönlichkeitsstörungen oder anderen Abhängigkeiten einher. Die Therapieangebote werden deshalb an den Patienten angepasst. Als besonders wertvoll in der Therapie erachten diese, den Austausch mit anderen Glücksspielern. Dies hilft beim Verstehen der eigenen Schwierigkeiten und beim Einleiten von Verhaltensänderungen.

Grüne Nummer

Auf der Website www.aktion-spielsucht.it sind alle Netzwerkpartner und Kontaktmöglichkeiten aufgelistet. Über die kostenlose grüne Nummer 800 720 762 wird ein informeller Erstkontakt für Spieler und Angehörige angeboten.

Das Netzwerk besteht aus: Forum Prävention, Verein Hands, Therapiezentrum Bad Bachgart, den Diensten für Abhängigkeitserkrankungen, Psyochosoziale Beratung Schlanders und Schuldnerberatung der Caritas.

stol

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