Donnerstag, 20. Februar 2020

Mehr Schutz für bedrohte Tierarten

Angesichts des raschen Rückgangs vieler Tiere weltweit haben sich in Indien Vertreter von über 100 Staaten dafür ausgesprochen, Asiatische Elefanten, Jaguare, eine Hai- und mehrere Vogelarten in die höchste Schutzkategorie der Konvention zur Erhaltung wandernder wildlebender Tierarten (CMS) aufzunehmen. Das Plenum muss zum Abschluss der 13. UN-Artenschutzkonferenz am Samstag nun noch offiziell zustimmen.

Einige Tierarten, so auch asiatische Elefanten, sollen in die höchste Schutzkategorie aufgenommen werden. (Symbolbild)
Einige Tierarten, so auch asiatische Elefanten, sollen in die höchste Schutzkategorie aufgenommen werden. (Symbolbild) - Foto: © APA/afp / JOHAN ORDONEZ
Beobachter des Gipfels in der indischen Stadt Gandhinagar erwarteten am Donnerstag aber nicht, dass sich das Resultat ändern wird. Künftig müssten Mitgliedsländer dann das Töten dieser Tiere verbieten. Mehrere weitere Arten sollen in die zweithöchste Liste aufgenommen werden. Die entsprechenden Länder müssten dann für ihren Schutz stärker zusammenarbeiten. Für den Internationaler Tierschutzfonds (IFAW) ist dies ein gutes Resultat, wie ihr Delegationsleiter bei der Konferenz, Matt Collis, sagte: „Staatsgrenzen existieren nicht für Tiere, deshalb ist es umso wichtiger, dass auch ihr Schutz nicht an der Grenze aufhört.“

Die größten Bedrohungen für den Asiatischen Elefanten sind laut IFAW Lebensraumzerstörung und -fragmentierung, Wilderei und Mensch-Tier-Konflikte. Jaguare hätten in den vergangenen 100 Jahren rund 40 Prozent ihres Lebensraums verloren, sagte Artenschutzexperte Ralf Sonntag vom IFAW. Und Weißspitzen-Hochseehaie seien zu einer der am stärksten bedrohten Haiarten geworden, weil sie jahrzehntelang stark gefischt wurden. Denn ihre Flossen sind besonders in Teilen Asiens eine beliebte Suppenzutat.

Größtes Defizit im internationalen Artenschutz

Die internationale Meeresschutzorganisation OceanCare zieht eine erste, gemischte Bilanz. „In vielen Bereichen haben die Staaten an der UN-Artenschutzkonferenz in Indien ambitionierte Beschlüsse gefasst. Ob diese das Artensterben verlangsamen oder gar aufhalten, muss allerdings bezweifelt werden. Zu offensichtlich ist das Versagen der Staaten, bereits bestehende Schutzmaßnahmen, selbst für Anhang-I-Arten, umzusetzen. Überdies wurde die Chance verpasst, den Handel mit streng geschützten Arten der Bonner Konvention klar zu untersagen“, sagte Nicolas Entrup, Delegationsleiter von OceanCare.

In der Umsetzung sieht OceanCare weiterhin das größte Defizit im internationalen Artenschutz. „Wenn es ums Eingemachte geht, dann verstecken sich die Staaten weiterhin hinter den üblichen Lippenbekenntnissen und verhindern einen Richtungswechsel. Die finanziellen Mittel für die großen Artenschutzherausforderungen auf internationaler Ebene fehlen, es gibt keine Sanktionen für jene Staaten, die dem Schutzanspruch streng geschützter und vom Aussterben bedrohter Arten in den nationalen Gesetzen nicht nachzukommen“, kritisierte Entrup. Dass man selbst ein klares Verbot des Handels mit von der Bonner Konvention streng geschützten Arten ablehnte, sei ein Armutszeugnis.

Bei der Konvention vertreten sind rund 130 Staaten, dabei sind fast alle Staaten Europas und Südamerikas sowie die meisten Staaten Afrikas – nicht dabei sind etwa die USA, China und Russland.

apa/dpa

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