Ermittler teilten am Sonntag mit, dass die Wucht der Bombenexplosion viele Passagiere des Zugs „Newski Express“ in Stücke gerissen habe. Gesundheitsministerin Tatjana Golikowa sprach von 25 bestätigten Todesfällen und 26 Vermissten, die Zahl der Toten könnte demnach noch steigen. Unter den rund 100 Verletzten seien auch sechs Ausländer, darunter aus Belgien und Italien, sagte die Ministerin nach Angaben der Agentur Interfax.Zu dem Anschlag vom Freitag bekannte sich im Internet eine Gruppe extremistischer Nationalisten, allerdings bezeichneten manche Behördenvertreter dieses Bekenntnis als wenig glaubwürdig. Als Drahtzieher werden nach wie vor auch tschetschenische Untergrundkämpfer oder Kriminelle vermutet. „Tatsächlich ist die Rede von einem Terroranschlag“, sagte der Sprecher der russischen Ermittlungsbehörden, Wladimir Markin. Es sei aber zu früh, über Verdächtige zu sprechen.Der Zug mit mehr als 650 Passagieren in den 13 Waggons war mit einer Geschwindigkeit von etwa 200 Kilometern pro Stunde entgleist, nachdem eine Bombe mit einer Wucht von 7 Kilogramm TNT explodiert war.Die Ermittler fanden vor Ort einen Bombentrichter von mehr als einem Meter Tiefe vor. Zudem seien Spuren gefunden worden, die bei der Suche nach den Hintermännern helfen könnten, sagte Innenminister Raschid Nurgalijew. Die Behörden hätten ein Täterprofil entworfen und würden auf die Unterstützung der Bevölkerung setzen.Der russische Präsident Dmitri Medwedew forderte eine schnelle Bestrafung der Täter und versprach den Angehörigen der Opfer unbürokratische Hilfe.Der aktuelle Vorsitzende der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), der griechische Regierungschef und Außenminister Giorgos Papandreou, drückte den verletzten Opfern und den Angehörigen der Toten sein Mitgefühl und Beileid aus. „Ich bin zutiefst schockiert von diesem tragischen Ereignis und bezeuge meine Sympathie für das russische Volk und dessen Regierung. Das OSZE-Präsidium ist zutiefst betroffen und unterstützt jedes Bemühen zur Untersuchung dieses Zugsunglücks“, ist einer Aussendung zu entnehmen.Nach Angaben des Inlandgeheimdienstes FSB hatte der selbst gebaute Sprengkörper eine Wucht von sieben Kilogramm TNT. Während der Bergungsarbeiten detonierte am Samstag am Unglücksort ein weiterer Sprengsatz. Niemand sei verletzt worden, sagte Bahnchef Wladimir Jakunin. Die vermutlich im Gleisbett versteckte Bombe sei anfänglich nicht vollständig explodiert. Die Bergungsarbeiten konnten nach kurzer Zeit fortgesetzt werden.Der besonders auch von Geschäftsleuten genutzte „Newski Express“ war bereits im August 2007 Ziel eines Anschlags. Dabei wurden 60 Menschen verletzt. Ermittler nahmen damals zwei Tschetschenen fest. Vor allem tschetschenische Untergrundkämpfer und ihnen nahestehende Extremisten aus der Konfliktregion Nordkaukasus haben in der Vergangenheit häufig Anschläge auf zivile Ziele in Russland verübt. Der Bombenanschlag auf der Strecke zwischen Moskau und St. Petersburg dürfte das schwerste Attentat außerhalb der Konfliktregion Nordkaukasus seit Jahren sein. 2004 kamen bei einem Terroranschlag auf die Moskauer Metro elf Menschen ums Leben. Zwei Sprengsätze brachten 2004 auch zwei russische Verkehrsflugzeuge im Westen des Landes zum Absturz, die Bilanz: 90 Tote.In den Morgenstunden war Russlands meistbefahrene Bahnverbindung wieder hergestellt. Die Strecke sei am Sonntagmorgen für den Passagierverkehr freigegeben worden, teilte die russische Staatsbahn auf ihrer Internetseite mit.apa