Farina, die aus den Abruzzen stammt und aus Liebe zu den Bergen ins Trentino gezogen war, berichtet, sie habe die ersten Wochen nach dem Unfall kaum bewusste Erinnerungen gehabt. <BR /><BR />Den Schmerz habe sie zunächst körperlich gespürt und sei von der Wucht der Emotionen überwältigt gewesen. Unterstützung hätten ihr vor allem jene Menschen gegeben, die erklärten, wie das Gehirn auf ein Trauma reagiere und welche Strategien helfen könnten, wieder einen Alltag aufzubauen und Vorstellungen für die Zukunft zu entwickeln.<BR /><BR />Aus dieser Erfahrung ist die Idee für das Projekt „Oltre la vetta“ entstanden, das Farina dem Club Alpino Italiano (CAI) vorgeschlagen hat. Ziel der Initiative ist es, Menschen zu unterstützen, die in den Bergen eine nahestehende Person verloren haben. Auf einer Plattform stellt das Projekt Informationsmaterial bereit und vermittelt den Kontakt zu Psychologen und Psychotherapeuten, die auf solche Verlusterfahrungen spezialisiert sind. Therapie sei nicht immer notwendig, könne aber in schweren Fällen entscheidend helfen, betont Farina gegenüber der Tageszeitung Corriere della Sera. Wichtig sei vor allem, dass Betroffene mit Menschen sprechen könnten, die das Umfeld des Alpinismus verstehen - ohne erklären zu müssen, warum Bergsport für sie eine so große Rolle spiele.<BR /><BR />„In den Monaten nach dem <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/ortler-25-jaehriger-stuerzt-mit-skiern-in-den-tod" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Unglück</a> habe ich mehrfach daran gedacht, alles hinzuwerfen. Ich war mit Tom in den Trentino gezogen, weil wir die Berge liebten. Nach seinem Tod hatte alles kaum mehr Sinn“, berichtet Farina . Da ihr Beruf und ihre Freizeit stark mit den Bergen verbunden seien, hätte eine Trennung vom Trentino einen kompletten Neuanfang bedeutet. Schließlich habe sie einen Weg gefunden, im Bergsport zu bleiben und sich gleichzeitig für dessen Schutz einzusetzen.<BR /><BR />„Mein Umgang mit der Bergwelt hat sich seit dem Unfall verändert. Ich war schon immer vorsichtig, inzwischen bin ich es noch mehr. Die Entscheidung, wie viel Risiko jemand für eine Leidenschaft in Kauf nehmen will, ist sehr persönlich“, betont Sofia Farina.<BR /><BR />Als Atmosphärenphysikerin beobachtet sie zudem, wie stark der Klimawandel das Gebirge verändert. Startzeiten für Touren müssten heute anders gewählt, die Saisonplanung überdacht und die Ausrüstung angepasst werden. Die Veränderungen seien innerhalb der letzten Jahrzehnte deutlich spürbar. „Das Gebirge verändert sich sehr schnell. Im Vergleich zu vor 30 Jahren müssen auch die Startzeiten für Bergtouren anders gewählt, die Saisonalität bestimmter Aktivitäten neu überdacht werden. Das ist eine Überlegung, die alle anstellen sollten“, sagt Farina.