Donnerstag, 11. Juni 2020

Meine Matura 2020 (1): „Lernen im Lockdown war ganz schön einsam“

Für Südtirols Maturanten geht es jetzt in die heiße Phase. Es sind die letzten Tage vor dem Start der Matura am 17. Juni. STOL hat bei Maturanten aus verschiedenen Schulen in Südtirol nachgefragt, wie sie ihr letztes Schuljahr im Schatten von Corona erlebt haben und wie sie sich unter ganz speziellen Voraussetzungen auf die Matura vorbereitet haben.

Die Matura 2020 findet unter besonderen Voraussetzungen statt.
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Die Matura 2020 findet unter besonderen Voraussetzungen statt. - Foto: © pixaby
Die Matura 2020 wird sehr anders ablaufen als in den Jahren davor. STOL hat berichtet. Im Interview erzählen Schüler von verschiedenen Schulen in Südtirol, wie sie sich im Lockdown auf die Matura vorbereitet haben und mit welchen Gefühlen sie nun zur Prüfung antreten.

Alexandra Pizzecco und Sarah Rabanser, Realgymnasium Bozen



STOL: Wie habt ihr dieses ganz besondere Maturajahr erlebt?


Pizzecco: Das Jahr hat ja ganz normal angefangen. Rückblickend ist es dann eigentlich schon ziemlich traurig verlaufen. Plötzlich war die Schule vorbei, ganz ohne Vorwarnung. Keiner hätte gedacht, dass der 12. März unser letzter „echter“ Schultag sein würde und dass wir unsere Schullaufbahn so abschließen. Am Anfang haben wir uns über eine Woche Ferien gefreut - aber spätestens nach 2 Wochen im Lockdown wollte eigentlich jeder wieder zurück in die Klasse, weil wir die Klassenkameraden vermisst haben.

STOL: Wie war die Vorbereitung auf die Matura im Lockdown?


Rabanser: Fernunterricht ist einfach nicht das gleiche: Meistens mussten wir den Stoff selbst anhand von Unterlagen der Lehrpersonen erarbeiten. Die Wiederholungen in der Klasse und die ausführlichen Erklärungen der Lehrer haben da schon gefehlt. Jeder war am Ende selbst dafür verantwortlich, dass er die Sachen lernt – und ein bisschen Druck von den Lehrern schadet da oft nicht. Außerdem war es oft ganz schön einsam allein zuhause vor dem Computer.

STOL: Wie war die Kommunikation bezüglich der Maturaprüfung?

Pizzecco: Es war ein ziemliches Chaos: Bis vor ungefähr 2 Wochen wussten wir noch nicht genau, wie die Matura ablaufen wird. Und die Lehrer selbst auch nicht, sie haben aber immer versucht uns über neue Entwicklungen zu informieren und uns zu unterstützen. Vor einigen Tagen kam dann die Meldung, dass wir als Prüfungsbasis ein so genanntes „elaborato“ zu einem bestimmten Thema vorbereiten müssen, da mussten wir dann ganz schnell mit der Arbeit loslegen, um sie pünktlich abzugeben.

STOL: Die Matura steht jetzt kurz bevor und wird ganz anders ablaufen als in anderen Jahren. Schon nervös?


Rabanser: Es wird in diesem Jahr keine schriftlichen Prüfungen geben, sondern wir werden uns mündlich den Fragen der Kommission stellen. Ein bisschen nervös sind wir schon, weil wir gerade sehr viel lernen müssen. Wir haben im Lockdown keine Tests und Prüfungen mehr gehabt, deswegen fehlt die ständige Wiederholung und jetzt müssen wir alles nochmal nachlernen. Aber es wird schon alles gut gehen.

STOL: Habt ihr alternativ zur Maturareise etwas für den Sommer geplant, um eure „Schulkarriere“ abzuschließen?


Pizzecco: Wir wollen die Maturareise im Sommer irgendwann nachholen, um uns von einander zu verabschieden. Eigentlich sollte es nach Prag gehen, jetzt bleiben wir aber in Italien und machen nochmal gemeinsam mit einer Gruppe aus der Klasse Urlaub und lassen so unsere Schulkarriere ausklingen.


Florian Schmidt, WFO Bozen


STOL: Wie hast du dieses ganz besondere Maturajahr erlebt?

Schmidt: Unsere Klasse war eine eingeschworene Truppe und wir haben uns sehr auf die Maturareise gefreut. Leider wurde unsere Gemeinschaft von einen Tag auf den anderen auseinandergerissen. Am Anfang war ich noch optimistisch und dachte, dass wir schon bald wieder gemeinsam in der Klasse sitzen und das Schuljahr mit einer tollen Reise abschließen würden. Dass die letzten Monate einfach so verflogen sind, ohne den Kontakt zu den Schulkameraden, schmerzt natürlich. Und dass jetzt irgendwie jeder alleine für sich das Schuljahr abschließt, ist schon etwas enttäuschend.

STOL: Wie war die Vorbereitung auf die Matura im Lockdown?

Schmidt: Unsere Schule hat vorbildlich reagiert: Von einem Tag auf den anderen konnte ohne Probleme auf den Online-Unterricht umgeschaltet werden, auch weil die technischen Voraussetzungen gegeben waren. Man hat gemerkt, dass sich die Professoren sehr bemüht haben, den Unterricht so spannend und lehrreich wie möglich zu gestalten. Natürlich war jeder Schüler auch selbst mehr gefordert als sonst, aber in der Kombination aus Fernunterricht, Lernvideos der Professoren und dem Eigenstudium fühle ich mich jetzt gut vorbereitet.

STOL: Wie war die Kommunikation bezüglich der Maturaprüfung?

Schmidt: Der Direktor unserer Schule hat uns immer wieder über neue Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten. Aufgrund der chaotischen Kommunikation aus dem Schulministerium war auch für uns die Situation lange unklar, aber man hat gemerkt, dass die Schule bemüht ist, uns so gut wie möglich zu informieren.

STOL: Die Matura steht jetzt kurz bevor und wird ganz anders ablaufen als in anderen Jahren. Schon nervös?

Schmidt: Ich denke, dass die Matura in diesem Jahr, auch wenn sie ganz anders verlaufen wird als in anderen Jahren, auch ihre positiven Seiten hat: Ich freue mich darüber, dass besonders Wert darauf gelegt wird, die verschiedenen Fächer miteinander zu verknüpfen. Außerdem finde ich es super, dass die letzten 3 Schuljahre einen starken Einfluss auf die Abschlussnote haben werden und der Fleiß dieser Jahre belohnt wird. Das mündliche Maturagespräch konnten wir auch schon bei den Videokonferenzen mit der Klasse trainieren. Ich fühle mich jetzt eigentlich gut vorbereitet und freue mich, wenn es jetzt bald los geht.

STOL: Habt ihr alternativ zur Maturareise etwas für den Sommer geplant, um eure „Schulkarriere“ abzuschließen?


Schmidt: Eigentlich wollten wir mit unserer Klasse nach Berlin fahren. Dann kam Corona und hat diesen Plan zun Nichte gemacht. Unser Maturaessen wollen wir aber auf jeden Fall nachholen, um uns von den Klassenkameraden und den Lehrkräften zu verabschieden.

Interview: Philipp Trojer


pho

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