Freitag, 12. Juni 2020

Meine Matura 2020 (2): „Das wird eine riesengroße Überraschungsparty“

Für Südtirols Maturanten geht es jetzt in die heiße Phase. Es sind die letzten Tage vor dem Start der Matura am 17. Juni. STOL hat bei Maturanten aus verschiedenen Schulen in Südtirol nachgefragt, wie sie ihr letztes Schuljahr im Schatten von Corona erlebt haben und wie sie sich unter ganz speziellen Voraussetzungen auf die Matura vorbereitet haben.

Die Matura 2020 findet unter besonderen Voraussetzungen statt.
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Die Matura 2020 findet unter besonderen Voraussetzungen statt. - Foto: © pixaby
Die Matura 2020 wird sehr anders ablaufen als in den Jahren davor. STOL hat berichtet. Im Interview erzählen Schüler von verschiedenen Schulen in Südtirol, wie sie sich im Lockdown auf die Matura vorbereitet haben und mit welchen Gefühlen sie nun zur Prüfung antreten. Hier geht es zu Teil 1.

Lucia Sterz, Humanistisches Gymnasium Walther von der Vogelweide Bozen

STOL: Wie hast du dieses ganz besondere Maturajahr erlebt?

Sterz: Eigentlich hätte ich mir mein letztes Schuljahr ganz anders vorgestellt. Ich finde es sehr schade, dass wir so plötzlich aus der Klassengemeinschaft gerissen wurden und dass wir das Schuljahr nicht mehr gemeinsam mit einer Reise und Maturafeiern abschließen konnten. Wir haben aber alle versucht, das Beste aus der Situation zu machen.

STOL: Wie war die Vorbereitung auf die Matura im Lockdown?

Sterz: Ich denke meine Schule hat den Online-Unterricht gut umgesetzt. Viele Lehrer haben sich schnell auf die neuen Verhältnisse eingestellt, obwohl einige nicht sehr bewandert am Computer waren. Am Anfang musste ich mehr Aufgaben erledigen, als in der „normalen“ Schulzeit. Oft war es sogar zu viel, aber die Lehrer waren offen für unsere Kritik und so haben wir alle gemeinsam Wege gefunden, um den Unterricht bestmöglich zu gestalten. Natürlich ist es nicht dasselbe, wie der Präsenzunterricht, weil uns die direkte Unterstützung durch die Lehrer oft gefehlt hat.

STOL: Wie war die Kommunikation bezüglich der Maturaprüfung?

Sterz: Wir waren sehr lange im Ungewissen: Bis vor wenigen Wochen, war völlig unklar, wie die Matura ablaufen wird. Die Lehrer hatten häufig unterschiedliche Informationen und es gab haufenweise Gerüchte, die in der Schule kursiert sind. Auch jetzt bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob ich 100-prozentig verstanden habe, wie die Matura ablaufen wird. Aber ich habe deshalb keine schlaflosen Nächte.

STOL: Die Matura steht jetzt kurz bevor und wird ganz anders ablaufen als in anderen Jahren. Schon nervös?

Sterz: Ich bin mir nicht sicher, ob es für uns ein Nachteil oder ein Vorteil ist, dass die Matura in diesem Jahr anders abläuft als sonst. Auf jeden Fall ist es jetzt so und ich werde versuchen, das Beste daraus zu machen. Die letzten Tage werde ich auf jeden Fall noch nutzen, um fleißig zu lernen. Wir hatten auch schon einige freiwillige Übungsmöglichkeiten für das Maturagespräch, das war sicher hilfreich, um sich vorzubereiten.

STOL: Habt ihr alternativ zur Maturareise etwas für den Sommer geplant, um eure „Schulkarriere“ abzuschließen?


Sterz: Mit der Klasse wäre es nach Lissabon gegangen. Als Alternative haben wir noch nicht wirklich etwas geplant. Wir haben mal darüber gesprochen, im Sommer ein Grillfest mit der Klasse zu veranstalten. Das wäre sicher eine schöne Möglichkeit, um sich nochmal von allen zu verabschieden.



Frayo von Gelmini, Franziskaner Gymnasium Bozen


STOL: Wie hast du dieses ganz besondere Maturajahr erlebt?

Von Gelmini: Alles hat ganz gewohnt
begonnen, im Januar konnten wir auch noch unseren „Fränziball“ veranstalten. Im März kam dann plötzlich die Nachricht, dass die Schule geschlossen werden muss. Im ersten Moment haben wir Schüler uns über die unerwarteten Ferien gefreut. Dann wurde mir aber schnell der Ernst der Lage klar und es war sehr beschwerlich daheim eingesperrt zu sein und auf den Kontakt zu Freunden und Klassenkameraden zu verzichten. Zum ersten Mal konnte man nicht mehr machen, was man will - dieser Freiheitsentzug war eine sehr prägende Erfahrung für mich. Aus dieser Zeit nehme ich eine Erkenntnis besonders mit: Man plant sein Leben (zum Beispiel auf die Matura hin) und dann kommt plötzlich doch alles ganz anders. Das war eine schockierende und gleichzeitig lehrreiche Erfahrung für mich.

STOL: Wie war die Vorbereitung auf die Matura im Lockdown?

Von Gelmini: Am Anfang war es eine große Umstellung, weil in unserer Schule bisher nur sehr wenig online gelaufen ist. Nach ersten Anlaufschwierigkeiten haben wir dann als Klasse mit unseren Lehrern Meetings vereinbart, um uns in Videokonferenzen zu treffen und den Stoff mit ihnen zu besprechen. Sehr angenehm war, dass wir so unseren Tagesablauf relativ flexibel einteilen konnten. An der Art des Unterrichts hat sich nicht einmal so viel geändert. Die Professoren haben den Stoff vorgetragen und wir konnten zu jeder Zeit Fragen stellen und uns im Videochat in den Unterricht einbringen. Zwischen den Stunden gab es öfter Pausen, in denen man den Stoff noch einmal überarbeiten konnte. Diese geringere Unterrichtsintensität hat dabei geholfen, das Gelernte besser zu verinnerlichen.

STOL: Wie war die Kommunikation bezüglich der Maturaprüfung?

Von Gelmini: Die Lehrer waren alle sehr bemüht, uns so gut wie möglich vorzubereiten, das hat man deutlich gemerkt. Das Chaos, das von den ungenauen Informationen des Schulministeriums ausgelöst wurde, hat das natürlich sehr erschwert. Auch heute sind noch nicht alle Aspekte der mündlichen Prüfung klar. Das stellt uns vor die Herausforderung, dass wir uns einer Situation stellen müssen, auf die wir uns nicht zu 100 Prozent vorbereiten können. Das ist natürlich schon ärgerlich, aber mit genügend Wissen und rhetorischem Geschick lässt sich diese Situation sicher meistern.

STOL: Die Matura steht jetzt kurz bevor und wird ganz anders ablaufen als in anderen Jahren. Schon nervös?

Von Gelmini: Die Matura wird eine riesengroße Überraschungsparty für uns alle. Wie gesagt, wir stürzen uns in eine Situation, in der wir nicht genau wissen, was uns da letztendlich genau erwartet. Darauf bereite ich mich natürlich vor, so gut ich kann. Ich bin zwar etwas nervös, aber noch nicht verrückt.

STOL: Habt ihr alternativ zur Maturareise etwas für den Sommer geplant, um eure „Schulkarriere“ abzuschließen?

Von Gelmini: Die Maturareise hätte uns nach Paris geführt. Wir möchten zwar versuchen, sie im nächsten Jahr nachzuholen, aber ich befürchte, dass das organisatorisch schwierig werden wird. Auf alle Fälle werden wir in alter „Fränzitradition“ das Schuljahr mit einem Gottesdienst mit Schülern und Lehrern abschließen. Außerdem wollen wir auch das Maturaessen im Laufe des Sommers nachholen, um den Schulabschluss noch einmal gemeinsam zu feiern.

Interview: Philipp Trojer






pho

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