Montag, 15. Juni 2020

Meine Matura 2020 (3): „Die Situation war sehr konfus“

Für Südtirols Maturanten geht es jetzt in die heiße Phase. Es sind die letzten Tage vor dem Start der Matura am 17. Juni. STOL hat bei Maturanten aus verschiedenen Schulen in Südtirol nachgefragt, wie sie ihr letztes Schuljahr im Schatten von Corona erlebt haben und wie sie sich unter ganz speziellen Voraussetzungen auf die Matura vorbereitet haben.

Die Matura 2020 findet unter besonderen Voraussetzungen statt.
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Die Matura 2020 findet unter besonderen Voraussetzungen statt. - Foto: © pixaby
Die Matura 2020 wird sehr anders ablaufen als in den Jahren davor. STOL hat berichtet. Im Interview erzählen Schüler von verschiedenen Schulen in Südtirol, wie sie sich im Lockdown auf die Matura vorbereitet haben und mit welchen Gefühlen sie nun zur Prüfung antreten. Hier geht es zu Teil 2.

Leonie Alber, Hotelfachschule Kaiserhof Meran


STOL: Wie hast du dieses ganz besondere Maturajahr erlebt?

Alber: Am Anfang haben wir uns alle kurz gefreut: Juhu, eine Woche schulfrei! Aber als wir dann realisiert haben, dass wir nicht mehr in die Klasse zurückkehren würden, wurde es kein schönes Maturjahr mehr: keine Reise, keine Maturafeiern und kein Kontakt mehr zu den Schulfreunden. Das hatte ich mir anders vorgestellt.

STOL: Wie war die Vorbereitung auf die Matura im Lockdown?


Alber: Wir hatten im Vergleich zu anderen Schulen sehr viel Videounterricht auf Zoom. Dort haben uns die Lehrer den Stoff erklärt und wir konnten jederzeit Fragen stellen. Wir hatten auch weiterhin Prüfungen über den Stoff des ganzen Schuljahrs. Das hat uns zum ständigen Mitlernen gezwungen und das war gut so! So sind wir jetzt gut auf die Matura vorbereitet.

STOL: Wie war die Kommunikation bezüglich der Maturaprüfung?

Alber: Die Situation war sehr konfus. An einem Tag hieß es, es gibt eine schriftliche Ersatzarbeit, am Tag danach hieß es dann doch wieder, bei der Matura wird nur mündlich geprüft. Die Lehrer haben uns immer aktuelle Informationen weitergegeben. Wie es dann effektiv ablaufen wird, haben wir leider erst recht spät erfahren. Mich hätte es gefreut, schon früher Bescheid zu wissen, da hätte man sich sicher noch besser vorbereiten können.

STOL: Die Matura steht jetzt kurz bevor und wird ganz anders ablaufen als in anderen Jahren. Schon nervös?

Alber: Ich denke bei dieser Matura ist es ein großer Vorteil, wenn man über gute rhetorische Fähigkeiten verfügt. Ich habe keine Probleme damit, mich auszudrücken und vor einem Publikum zu sprechen, deshalb denke ich, dass ich die Prüfung schon gut meistern werde.

STOL: Habt ihr alternativ zur Maturareise etwas für den Sommer geplant, um eure „Schulkarriere“ abzuschließen?

Alber: Wir wollten mit unserer Klasse nach Valencia in Spanien. Dann kam Corona und daraus wurde nichts. Als Alternative haben wir noch nichts Konkretes abgemacht. Jetzt bringen wir mal die Matura hinter uns und dann werden wir uns sicher noch bei einem Grillabend oder einem gemeinsamen Urlaub von den Klassenkameraden verabschieden.


Ellen Mair, Kunstgymnasium Cademia Gröden


STOL: Wie hast du dieses ganz besondere Maturajahr erlebt?

Mair: Corona kam natürlich total unerwartet. Im März wollten wir eigentlich eine große Maturaparty schmeißen und dann unserer Maturareise antreten. Dass daraus nichts wurde, ist natürlich sehr schade. Das wären tolle Erfahrungen gewesen, von denen man sich sicher noch lange erzählt hätte.

STOL: Wie war die Vorbereitung auf die Matura im Lockdown?

Mair: Der Unterricht im Lockdown war dann eigentlich eine gute Erfahrung für mich, auch wenn er anders war als gewohnt: Der direkte Kontakt zu Lehrern und Mitschülern hat schon sehr gefehlt. In unserer Schule haben wir auch viele praktische Fächer, da war der Fernunterricht schwierig umzusetzen. Vor allem weil das direkte Feedback der Lehrer gefehlt hat. Auch Materialien für Zeichnungen waren nicht immer leicht zu beschaffen. Man hat aber gemerkt, dass alle Lehrpersonen bemüht waren, die Situation für uns zu erleichtern. Vor allem am Anfang hatten wir sehr viele Aufgaben zu erledigen, das Pensum hat sich aber mit der Zeit dann gut eingependelt. Im Lockdown war vor allem viel Eigenverantwortung gefragt, das war eine gute Lehre für mein restliches Leben.

STOL: Wie war die Kommunikation bezüglich der Maturaprüfung?


Mair: Wir mussten sehr lange auf konkrete Antworten warten. Anfangs gab es jede Woche andere Informationen über den Ablauf der Matura. Irgendwann haben wir uns aber an das Informationschaos gewöhnt und uns nicht zu sehr nervös machen lassen. Unsere Lehrer haben uns immer so schnell wie möglich die Informationen aus dem Schulministerium weitergeben und kommen uns auch weiterhin stets entgegen, wenn wir Hilfe brauchen.

STOL: Die Matura steht jetzt kurz bevor und wird ganz anders ablaufen als in anderen Jahren. Schon nervös?

Mair: Eigentlich bin ich recht froh darüber, dass die Matura in diesem Jahr anders ablaufen wird. Ich denke, dass ich in der mündlichen Prüfung meine Stärken besonders gut einbringen kann. Ich lerne noch fleißig, aber sorge immer für einen Ausgleich mit Sport oder Spaziergängen in der Natur. Ich habe während des Schuljahrs immer gut mitgelernt, deshalb fühle ich mich jetzt gut vorbereitet und habe keine Angst vor der Prüfung.

STOL: Habt ihr alternativ zur Maturareise etwas für den Sommer geplant, um eure „Schulkarriere“ abzuschließen?

Mair: Die Maturareise hätte uns nach Barcelona führen sollen. Corona hat diesen Plan verhindert. Trotzdem möchten wir uns unbedingt noch von der ganzen Klasse verabschieden. Das werden wir im Sommer organisieren. Wahrscheinlich wird es ein gemütlicher Abend bei einem Pizzaessen.

Interview: Philipp Trojer

pho

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