Dienstag, 02. August 2016

Meningitisalarm: "Zu keinem Zeitpunkt Infektionsgefahr"

In der Nacht auf Dienstag herrschte im Krankenhaus Bozen medizinischer Großalarm. Nach dem Meningitistod einer Römerin in Wien - sie hatte am katholischen Weltjugendtag in Krakau teilgenommen - mussten die Südtiroler Teilnehmer zur Meningitisprophylaxe nach Bozen. Sie hatten sich in Krakau im gleichen Haus wie die Verstorbenen aufgehalten.

Der Großteil der Patienten wurde zum Bozner Krankenhaus gebracht.
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Der Großteil der Patienten wurde zum Bozner Krankenhaus gebracht. - Foto: © APA/EPA

In der Landesnotrufzentrale in Bozen wurde am Montag medizinischer Großalarm ausgelöst. Eine aus Italien stammende Teilnehmerin am katholischen Weltjugendtag im polnischen Krakau war in Wien an Meningitis gestorben.

Die Römerin war in Krakau in der Casa Italia untergebracht gewesen. Auch die Südtiroler Teilnehmer hatten sich zeitweilig in der Casa Italia aufgehalten.

Südtiroler befanden sich gerade auf Rückreise

Die zwischen 14 und 40 Jahre alten Südtiroler befanden sich gerade in zwei Bussen auf der Rückreise in die Heimat, als sie von der traurigen Nachricht aus Wien hörten - und sich auch für sie der Verdacht auf Meningitis stellte. 

Teilnehmer: "Bedrückte, aber ruhige Stimmung"

Unter den Teilnehmern befand sich auch der Bozner Kassian Andergassen. Er schildert die Stimmung im Bus als "bedrückt, aber ruhig", man habe für die Verstorbene gebetet.

Gegen 23 Uhr bei der Bozner Eiswelle angekommen, wurden die zwei Busse und ein Kleinbus zum Landeskrankenhaus beordert, wo das ärztliche Personal, das Weiße Kreuz, das Rote Kreuz und die Berufsfeuerwehr Bozen Vorbereitungen trafen. 

Meningitisprophylaxe durchgeführt

Beim W-Trakt des Krankenhausgebäudes (Kardiologie und Dermatologie), das etwas abseits vom Hauptgebäude des Krankenhaus situiert ist, errichtete die Berufsfeuerwehr Bozen zwei MANV-Zelte - MANV steht für "Massenanfall an Verletzten"-Zelte, wie sie auch bei Flugzeugabstürzen zum Einsatz kommen. 

Manfred Brandstätter, Primar der Notfallmedizin, erklärte am Dienstagmittag, dass diese zum Zwecke der raschen Abklärung und Versorgung aufgestellt worden waren. 

Bei den Teilnehmern, darunter auch Bischof Ivo Muser, wurde umgehend eine ärztliche Visite durchgeführt, Fieber gemessen und eine Meningitisprophylaxe durch Antibiotika vorgenommen.

Eltern in Sorge

Auch zu diesem Zeitpunkt, so der 26-jährige Kassian Andergassen, sei keine Unruhe aufgekommen, alles sei ziemlich schnell gegangen und man habe sich gut betreut gefühlt - einzig die Eltern seien in Sorge gewesen.

Kein Meningitis-Verdacht

Glücklicherweise erhärtete sich bei keinem der Teilnehmer der Verdacht, alle konnten gegen 2.30 Uhr nach Hause geschickt werden. Beim Prozedere hatte es sich, wie der Primar des Dienstes für Infektologie, Peter Mian, am Dienstag erklärte, um eine reine Vorsichtsmaßnahme gehandelt. 

Großes Lob an Einsatzkräfte

Eine Vorsichtsmaßnahme an der verschiedene Einsatzkräfte beteiligt waren, der 118er-Dienst, der Dienst für Basismedizin, die Infektologie am Krankenhaus Bozen, der Pharmazeutische Dienst, das Weiße und das Rote Kreuz sowie die Feuerwehr und die Ordnungskräfte.

"Das gesamte Zusammenspiel der verschiedenen Einsatzkräfte und Berufsbilder hat hervorragend funktioniert. Es wurde rasch und professionell reagiert", hielt Primar Manfred Brandstätter am nächsten Tag fest.

Auch Kassian Andergassens Mutter bestätigt dies und spricht den Rettungskräften, unter denen sich auch die Notfallseelsorge befand, ein großes Lob aus.

Patienten auch ins Krankenhaus Bruneck gebracht

Die Pustertaler Teilnehmer wurden vom Bus, der Richtung Bruneck unterwegs war, in das Brunecker Krankenhaus gebracht.

Mittlerweile erfolgte bzw. erfolgt ein ähnliches Prozedere in anderen italienischen Provinzen.

Meningitis: Todesrate bei Nichtbehandlung rund 50 Prozent

Meningitis, eine anzeigepflichtige Erkrankung, ist laut Medizinern die Entzündung der Haut des Gehirns und des Rückenmarks. Intensive Formen dieser Entzündung greifen fast immer das Herz sowie die Nerven des Gehirns und des Rückenmarks an.

Die übertragbare Erkrankung äußert sich durch Kopfschmerzen, Nackensteifheit, Berührungsüberempfindlichkeit, Fieber, Erbrechen und Schwindel.

Gefahr durch Tröpfcheninfektion

Man unterscheidet je nach Erreger mehrere Typen der Erkrankung, die sowohl akut wie chronisch verlaufen kann. Gewöhnlich werden Meningokokken durch Tröpfcheninfektion übertragen, wobei ein sehr enger Kontakt notwendig ist.

Unbehandelt fällt etwa die Hälfte der infizierten Personen der Meningitis zum Opfer. Zur Vorbeugung werden gefährdete Personen isoliert. Desinfektion und besondere Hygiene gelten als wesentliche prophylaktische Maßnahmen.

stol/apa

stol