Mittwoch, 04. Oktober 2017

Menschenhandel: Prozess in Palermo

Vor einem Schwurgericht in Palermo läuft seit Dienstag ein Prozess gegen einen vom Sudan nach Italien ausgelieferten Eritreer, der des Menschenhandels verdächtigt wird. Der Angeklagte bestreitet jedoch, der gesuchte Menschenschmuggler Medhanie Yehdego Mered alias „Der General“ zu sein, berichteten italienische Medien.

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Obwohl Zweifel an der Identität des Mannes aufgekommen seien, gebe es doch konkrete Beweise, dass es sich bei ihm um Medhanie Yehdego Mered handle, betonten die Justizbehörden in Palermo, die den Prozess führen. Der Mann brach vor Gericht in Tränen aus. „Das ist nicht mein Name, das ist nicht meine Identität“, sagte er.

Der Angeklagte wird verdächtigt, für bis zu 8.000 Menschen pro Jahr die Fahrt in Booten über das Mittelmeer nach Europa organisiert zu haben. Seine Festnahme im vergangenen Jahr war als „wichtiger Wendepunkt im Kampf gegen Menschenschmuggel“ verkündet worden.

Der Anwalt des Eritreers erklärte, sein Mandant habe gegenüber der Polizei die Anschuldigung zurückgewiesen, in irgendeiner Verbindung zum Menschenschmuggel zu stehen. Die BBC hatte mit Angehörigen und Freunden des Beschuldigten gesprochen. Demnach soll es sich bei dem ausgelieferten Mann um einen 27-jährigen eritreischen Flüchtling handeln, der in Khartum lebte.

Der Menschenschmuggler Mered war wegen Schlepperei international gesucht worden. Er soll ab 2013 mehrere tödliche Seefahrten von Migranten über das Mittelmeer organisiert haben, unter anderem die Reise des Flüchtlingsschiffes, das am 3. Oktober 2013 vor Lampedusa in Brand geraten und dann gekentert war. Dabei waren 368 Menschen ums Leben gekommen. Am Dienstag hatte auf Lampedusa eine bewegende Zeremonie zu Ehren der Todesopfer dieses Flüchtlingsdramas stattgefunden.

apa

stol