Nach der tödlichen Messerattacke auf einen 19-jährigen Schüler an einer Berufsschule in La Spezia vor rund zwei Wochen, haben das Unterrichts- und Innenministerium in Rom gestern ein gemeinsames Rundschreiben verschickt. Schulen mit „kritischem Profil“ – etwa bei gehäuften Gewaltvorfällen, Drogenhandel oder massivem Mobbing – sollen demnach die Möglichkeit bekommen, auf Antrag der Schulleitung mobile Metalldetektoren an den Eingängen einzusetzen, um das Einschleusen von Waffen zu verhindern. <BR /><BR />Kontrollen sollen ausschließlich von Sicherheitskräften ausgeführt werden. Lehrpersonen oder Schulwarte sind ausdrücklich nicht für Sicherheitsüberprüfungen zuständig. <h3> Achammer: „Kein pauschaler Alarmismus“</h3>In der Südtiroler Landespolitik reagiert man auf den Vorstoß aus Rom mit Gelassenheit. Bildungslandesrat Philipp Achammer warnt vor „pauschalem Alarmismus“. Südtirol verzeichne glücklicherweise keine mit La Spezia vergleichbaren Vorfälle. „Es wäre ein falsches Signal, systematische Zugangskontrollen einzuführen. Das würde lediglich ein Klima der Angst verbreiten“, so Achammer. Sein Credo: Investitionen in die Prävention seien ebenso entscheidend wie gezielte Interventionen. Mit über 80 Schulsozialpädagogen sieht er Südtirol hier bereits gut aufgestellt. <BR /><BR /><embed id="dtext86-73263532_quote" /><BR /><BR />Auch Landesschuldirektorin Sigrun Falkensteiner schlägt in dieselbe Kerbe. Da Südtiroler Schulen keine Brennpunkte mit exzessiver Gewalt oder massiven Drogenproblemen seien, werde das Rundschreiben hier wohl nur eine Randnotiz bleiben. „Ich gehe nicht davon aus, dass uns das betrifft“, stellt Falkensteiner klar. <h3> Zwischen „Symptombekämpfung“ und „Weckruf“</h3>Abseits der Sicherheitsfragen stößt die Nachricht aus Rom an der Basis eine pädagogische Grundsatzdebatte an. Andrea Perger, Sprecherin der Initiative „Qualitätsmarke Bildung Südtirol“ und Lehrerin am OSZ Schlanders, sieht das Rundschreiben als „Weckruf“. „Wichtig ist, dass wir eine Kultur des Hinschauens entwickeln, um psychische Krisen von Schülern frühzeitig zu erkennen, bevor es zur Eskalation kommt“, betont sie. Die Zunahme von sozialen Phobien und Panikattacken – oft verstärkt durch den Rückzug in digitale Welten – erfordere eine hohe Sensibilität der gesamten Schulgemeinschaft. <BR /><BR />Für Fachleute an der Basis geht die Diskussion ohnehin am eigentlichen Problem vorbei. Thomas Kobler, Schulsozialpädagoge an der FOS Meran, bezeichnet Metalldetektoren als reine „Symptombekämpfung“, die Gewalt lediglich aus dem Schulbereich in die Freizeit verlagere. Die tieferen Ursachen für Aggression sieht er im sozialen Ausschluss, finanzieller Not der Familien und einem veralteten Schulsystem. Wahre Sicherheit entstehe für ihn nicht durch Kontrolle, sondern durch die Stärkung des gesellschaftlichen Umfelds und den Ausbau pädagogischer Fachkräfte.