Dienstag, 19. Dezember 2017

Migranten in Südtirol: Zahlen und Fakten

Zum Welttag der Migranten informiert das Landesinstitut für Statistik ASTAT über die grenzüberschreitenden Wanderungsdynamiken in einem globalen und lokalen Kontext. Weltweit leben rund 244 Millionen Menschen außerhalb ihres Herkunftslandes. In Südtirol sind es 47.000 Personen.

Die anhaltenden Migrationsflüsse sowie die rege Geburtenentwicklung bei den Einwanderern ließen die Zahl der ansässigen Ausländer im letzten Vierteljahrhundert kontinuierlich steigen.
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Die anhaltenden Migrationsflüsse sowie die rege Geburtenentwicklung bei den Einwanderern ließen die Zahl der ansässigen Ausländer im letzten Vierteljahrhundert kontinuierlich steigen. - Foto: © shutterstock

Auf 65,6 Millionen beläuft sich die Zahl der Vertriebenen und Geflohenen, wovon die Europäische Union seit Beginn der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 rund 2,6 Millionen aufnahm. Südtirols Wanderungssalden sind rückläufig.

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Laut Angaben des Innenministeriums schienen am 31. Dezember 2015 rund 40.000 ehemals in Südtirol ansässige italienische Staatsbürger und deren Nachkommen als im Ausland wohnhaft auf. Umgekehrt umfasste die Anzahl der hierzulande lebenden Ausländer etwa 47.000 Personen.

Im Detail

Auch in Südtirol haben sich in den letzten 25 Jahren immer mehr Migranten niedergelassen. Hielten sich in den 70er und 80er Jahren Zu- und Abwanderungen über die Staatsgrenzen hinaus noch einigermaßen die Waage, stieg der Wanderungssaldo mit dem Ausland, der hauptsächlich vom Zuzug ausländischer Staatsbürger bestimmt wurde, ab den frühen 1990ern vorerst zögerlich, dann sprunghaft an.

Die meisten Einwanderer wurden mit mehr als 5.000 Personen im Jahr 2007 verzeichnet. Das ist das Jahr der letzten EU-Erweiterung, in dem auch die Neuregelung des freien Niederlassungsrechts der EU-Bürger in Kraft getreten ist. Auch konnten zahlreiche illegale Einwanderer in dieser Zeit ihren Rechtsstatus sanieren

In den Folgejahren ging der Überhang aus den grenzüberschreitenden Wanderungsbewegungen tendenziell zurück. Da der Großteil der Migranten aus wirtschaftlichen Gründen einwandert, kann die abgebremste Wanderungsdynamik in erster Linie durch die Auswirkungen der Konjunkturkrise erklärt werden.

47.000 Migranten in Südtirol

Die anhaltenden Migrationsflüsse sowie die rege Geburtenentwicklung bei den Einwanderern ließen die Zahl der ansässigen Ausländer im letzten Vierteljahrhundert kontinuierlich steigen: Lebten im Jahr 1991 in etwa 5.700 Personen ohne italienische Staatsbürgerschaft im Land, hat sich der Bestand daraufhin mehr als verachtfacht und liegt derzeit bei rund 47.000 Personen.

Bezirksebene

Südtirolweit blieb der Ausländeranteil in den letzten Jahren konstant bei 8,9 je 100 Einwohner. Auf Bezirksebene ist die Konzentration der ausländischen Wohnbevölkerung in der Landeshauptstadt und im Burggrafenamt am höchsten.

Da sich Ausländer vorzugsweise im städtischen Raum niederlassen, weisen Bozen und Meran (14,3% bzw. 15,9%) wie auch Brixen, Bruneck und Leifers (zwischen 9%-10%) überdurchschnittlich hohe Quoten auf. Im Großteil der Südtiroler Gemeinden (102) liegt der Anteil der ausländische Staatsbürger im Verhältnis zur Wohnbevölkerung jedoch immer noch unter dem Landesdurchschnitt.

Herkunftsländer

In Bezug auf die Herkunft der Einwanderer lassen sich zwei verschiedene Strömungen erkennen: Während bis Mitte der 90er Jahre vor allem Zuwanderer aus dem deutschsprachigen Raum hierzulande eine neue Heimat fanden, nimmt in jüngster Zeit der Anteil der Migranten aus anderen Kulturkreisen immer stärker zu.

Zunächst zogen nach Ende des Kalten Krieges und wegen der politischen Unruhen auf dem Balkan zahlreiche Menschen aus der ehemaligen UDSSR und aus Jugoslawien nach Südtirol, später auch immer mehr Asiaten und Afrikaner.

Derzeit sind Menschen aus 135 verschiedenen Ländern in einer der Südtiroler Gemeinden ansässig. Ein Drittel davon (15.697), stammt aus einem der 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union und mehr als 30 Prozent entfallen auf die europäischen Staaten, die nicht zur EU zählen. 18,6 Prozent der Ausländer gehören hingegen einem asiatischen und 13,1 Prozent einem afrikanischen Staat an. 

Neue Südtiroler

Da Südtirol erst seit relativ kurzer Zeit vom Phänomen der Immigration betroffen ist, sind die ansässigen ausländischen Staatsbürger größtenteils Einwanderer (86,0%), also Ausländer der ersten Generation. Das bedeutet, dass sie im Ausland geboren sind und sich erst später im Leben in einer Südtiroler Gemeinde angesiedelt haben. Aufgrund der relativ jungen Altersstruktur der ausländischen Wohnbevölkerung und der deutlich höheren Fruchtbarkeitsraten der Migrantinnen, wachsen nun Generationen von neuen Südtirolern heran.

Die Zahl der minderjährigen Ausländer ist bis 2014 progressiv angestiegen und beläuft sich derzeit auf rund 9.500. Von diesen sind fast zwei Drittel in Italien zur Welt gekommen, die meisten davon in Südtirol (88 Prozent). Zusammen mit den bereits volljährigen, in Italien geborenen Ausländern umfasst diese sogenannte zweite Ausländergeneration etwa 6.650 Personen, 14 Prozent aller ausländischen Mitbürger.

Betrachtet man die zurzeit in Südtirol ansässigen minderjährigen Ausländer nach Alter und Geburtsort, sieht man, dass die älteren Jahrgänge (ab 10 Jahre) noch größtenteils im Ausland geboren sind, während unter den Jüngeren (unter 10 Jahre) der Anteil der hierzulande Geborenen progressiv ansteigt.

stol

stol