Freitag, 13. November 2020

Migration: Lampedusa trauert um 6 Monate altes Baby

Die süditalienische Insel Lampedusa trauert um den 6 Monate alten Youssuf, der bei einem neuen Schiffsunglück vor der libyschen Küste ums Leben gekommen ist.

Youssuf soll auf Lampedusa beerdigt werden.
Youssuf soll auf Lampedusa beerdigt werden. - Foto: © ANSA / FRANCESCO TERRACINA
Youssuf befand sich mit seiner 20-jährigen Mutter an Bord eines Schlauchbootes, das am Mittwoch umkippte. Der Säugling und weitere 5 Personen ertranken, die anderen rund 100 Migranten an Bord wurden vom spanischen Rettungsschiff „Open Arms“ in Sicherheit gebracht.

Die Mutter und die Leiche Youssufs wurden per Hubschrauber auf Lampedusa geflogen. Die spanische Hilfsorganisation „Proactiva Open Arms“ veröffentlichte auf ihrer Webseite dramatische Bilder der verzweifelten Mutter, die an Bord des Rettungsschiffes nach ihrem Kind schreit. Die Frau wurde im Krankenhaus von Lampedusa versorgt. Youssuf soll auf der Insel beerdigt werden. Die geretteten Migranten an Bord der „Open Arms“ werden im Hafen der sizilianischen Stadt Trapani erwartet.

„Opfer von Unmenschlichkeit“

„Diese Tragödie bewegt und erschüttert, doch es müsste zu einer Reaktion der EU-Kommission kommen, die humanitäre Korridore für die Einwanderung nach Europa garantieren muss. Man darf nicht mehr im Mittelmeer sterben. Grenzgebiete können nicht mehr die Last der Aufnahme so vieler Menschen tragen“, so der Bürgermeister von Lampedusa, Salvoatore Martello.

Der Pfarrer Lampedusas, Carmelo La Magra, bezeichnete Youssuf als Opfer von „Unmenschlichkeit“. „Youssufs Tod ist ein absurder Tod, der eine Antwort verlangt. Wir verurteilen die Unmenschlichkeit von Gesetzen und einer Politik, die Menschen zum Tode im Mittelmeer verurteilen“, so der Pfarrer.

Inzwischen rettete die Küstenwache 169 Migranten. Sie befanden sich an Bord von 2 Booten, die südlich von Lampedusa in Seenot geraten waren. Wegen den guten Wetterbedingungen haben zuletzt wiederholt mehrere Migrantenboote Lampedusa erreicht.

apa

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