Was beim Waschen von Fleecekleidung, durch Reifenabrieb oder achtlos weggeworfene Zigarettenstummel in die Umwelt gelangt, ist mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Dennoch findet Mikroplastik auch in Südtirol seinen Weg in Bäche und Flüsse. „Ein Umstand, über den wir uns auf jeden Fall Gedanken machen sollten“, befindet Elisabeth Locher vom Ökoinstitut Südtirol. Untersuchungen des Projekts „EFRE1018 PlasticFree“ zeigen zugleich, dass auch alpine Gewässer Belastungen aufweisen.<BR /><BR />Wie groß die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit sind, ist nicht gänzlich geklärt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO seien Menschen jedoch über Nahrung, Trinkwasser und die Luft Mikroplastik ausgesetzt, sodass sich Partikel im menschlichen Körper nachweisen lassen. „Zwar häufen sich die Hinweise auf potenzielle gesundheitliche Auswirkungen, doch bestehen weiterhin Wissenslücken“, räumt Locher ein. Für belastbare Aussagen brauche es vor allem Langzeitstudien, verbesserte Analysemethoden und weitere Forschung zu Mikro- und Nanoplastik.<h3> Jeder kann Beitrag leisten</h3>Um der unsichtbaren Plastikspur entgegenzuwirken, müsse an verschiedenen Stellschrauben gedreht werden. Neben politischen Maßnahmen wie der Förderung der Kreislaufwirtschaft, einer erweiterten Herstellerverantwortung und strengeren produktbezogenen Vorgaben spielen auch wirtschaftliche Anreize zur Abfallvermeidung sowie Investitionen eine wichtige Rolle. „Auch Kläranlagen können einen Beitrag zur Rückhaltung von Mikroplastik leisten, ihre Abscheideleistung fällt jedoch unterschiedlich aus“, erklärt Francesca Vallefuoco, Forscherin am Institut für Alpine Umwelt von Eurac Research. Eine vierte Reinigungsstufe soll künftig dazu beitragen, Mikroplastik gezielter aus dem Abwasser zu entfernen. <BR /><BR />Darüber hinaus liegt ein Teil der Verantwortung auch in den Händen des Einzelnen, die schon beim Einkaufen beginnt: Wer auf unnötige Verpackungen verzichtet und Mehrweg statt Einweg wählt, hält die Kunststoffflut zumindest ein Stück weit in Schach. Ganz verhindern lässt sich der Eintrag allerdings nicht. „Selbst beim Waschen von Fleece- oder Polyesterkleidung lösen sich winzige Kunststofffasern, die über das Abwasser in die Umwelt gelangen“, erklärt Locher. Abhilfe können spezielle Waschmaschinenfilter schaffen, die einen Teil davon zurückhalten. Auch politisches Engagement ist gefragt: Wer sich informiert und Anliegen bei Entscheidungsträgern vorbringt, könne dazu beitragen, dass weniger Kunststoff in die Umwelt und somit auch in den menschlichen Körper gelangt.<h3> 3 Fragen an Werner Tirler, Direktor Eco Research</h3><b><div class="img-embed"><embed id="1373112_image" /></div> <BR />Was wissen wir über das Ausmaß von Mikroplastik in Südtirols Gewässern?</b><BR />Werner Tirler: In allen untersuchten Wasser- und Sedimentproben des Projekts „EFRE1018 PlasticFree“ aus den wichtigsten Gewässern des Landes konnte Mikroplastik nachgewiesen werden, sowohl entlang der Etsch als auch in Gewässern nahe von Siedlungen. Besonders überraschend: Selbst vor scheinbar unberührten alpinen Lebensräumen macht Mikroplastik nicht halt. <BR /><BR /><BR /><BR /><b>Sie untersuchen auch Wasserorganismen. Sammelt sich Mikroplastik in ihnen?</b><BR />Tirler: In unseren Untersuchungen von wirbellose Kleinlebewesen, die im Boden von Gewässern leben, konnten wir Mikroplastik in rund 30 Prozent der analysierten Proben feststellen. Um besser zu verstehen, wie sich Mikroplastik in Organismen anreichert und innerhalb von Nahrungsketten weitergegeben wird, sind jedoch weitere Studien erforderlich.<h3> Forschungsprojekt auf den Gletschern</h3>Vor allem Gletscher-Skigebiete, aber nicht nur diese, schützen über die Sommermonate sensible Stellen mit weißen Geotextilien. Die Vliese bestehen aus Kunststoff und hinterlassen Rückstände aus Mikroplastik. Deshalb haben fünf österreichische Gletscher und Südtirols einziges Gletscher-Skigebiet in Schnals bereits vor fünf Jahren ein Forschungsprojekt mit der Universität Innsbruck in die Wege geleitet. Ziel ist es, die Schutzfolien aus Plastik – am Schnalser Gletscher sind es rund fünf Hektar – mit umweltfreundlichen Vliesen zu ersetzen. Die Uni Innsbruck hat mehrere Feldversuche durchgeführt und dabei auch Herstellerfirmen von pflanzlichen Fasern mit einbezogen. Noch gab es keinen echten Durchbruch, aber die Versuche laufen weiter, finanziert auch von den Gletscher-Skigebieten.