Weil die Straße nach Kohlern derzeit tagsüber wegen Bauarbeiten gesperrt ist, führt der einzige Weg in die 70-Einwohner-Fraktion über die Seilbahn. Einmal angekommen, ist das Zuhause von Heinrich Zelger, einem von zwei Milchbauern in Kohlern, in nur wenigen Minuten erreicht.<BR /><BR /> „Meine Frau und ich haben den Hof, zu dem auch eine Kapelle gehört, gepachtet. Den Betrieb übernahm ich 1990 von meiner Mutter“, erzählt Zelger. Beim Eintreten ins Haus, das auf etwa 1.150 Meter liegt, wird sofort klar: Hier verbirgt sich eine lange Geschichte. „Wie alt genau das Gebäude ist, weiß ich nicht. Es wurde auf jeden Fall vor mehr als 200 Jahren errichtet“, schätzt der Milchbauer.<h3> Milchtank gelangt mit der Seilbahn in den Talkessel</h3>Mit einem selbst gemachten Himbeersaft in der Hand und unter den wachsamen Augen von drei Katzen, die beim Fenster hereinblicken, spricht Zelger über seinen Alltag als Milchbauer in der Landeshauptstadt. Dieser beginnt jeden Tag um 5.30 Uhr morgens. „Zuallererst geht es in den Stall, um die Kühe zu versorgen. Ich besitze zehn Kühe und drei Kälber, zwei Simmentaler, die übrigen Braunvieh“, erklärt der Landwirt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1276719_image" /></div> Neben dem Melken, das eine Maschine übernimmt, fallen auch das Ausmisten des Stalls, das Einstreuen sowie das Füttern der Tiere an. „Anschließend bringe ich den Milchtank einmal täglich zur Bergstation der Kohlerer Seilbahn. Gegen 7.15 Uhr wird der Tank mit der Bahn nach unten in den Talkessel gebracht, um 8.30 Uhr holt ein Lkw des Milchhofs die Milch ab. Das ist schon ein feiner Service“, gibt Zelger zu. Früher wurde auf dem Hof selbst Butter hergestellt, mittlerweile liefert der 66-Jährige seine ganze Milch an die Mila.<h3> „Auf dem Hof gibt es genügend zu tun“</h3>Nach der Stallarbeit und dem Frühstück ruft der Nebenjob: Viermal die Woche – bei Bedarf auch öfter – ist Zelger als Versicherungsvertreter für die Landwirtschaftliche Hauptgenossenschaft tätig. „Ich bin für das Burggrafenamt und das untere Vinschgau bis Naturns zuständig“, erklärt Zelger.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1276722_image" /></div> <BR />Ebenfalls nebenbei bewirtschaftet der 66-Jährige rund 100 Hektar Wald- und Wiesenfläche. „Einen kleinen Teil der Bäume verarbeite ich zu Brennholz, das teilweise verkauft wird“, unterstreicht Nebenerwerbsbauer Zelger, der vom Verkauf der Milch allein nicht leben könnte.<BR /><BR />Da er tagsüber beruflich unterwegs ist, übernimmt seine Frau die nächste Fütterung zur Mittagszeit. „Die Kühe werden zur Tageshälfte wieder gefüttert. Am Nachmittag packe ich dann wieder am Hof mit an, wo es genügend Arbeit zu erledigen gibt“, betont Zelger. Besonders intensiv seien das Frühjahr und der Sommer – in der wärmsten Jahreszeit drehe sich beinahe alles um die Futterernte. „Dabei helfen auch meine zwei Kinder, die beide berufstätig sind, fleißig mit“, unterstreicht der stolze Papa.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1276725_image" /></div> „Nach dem zweiten Schnitt im September weiden die Kühe für zwei Monate tagsüber auf der Wiese, die Nacht verbringen sie im Stall. Die Kälber dagegen werden auf die Alm gebracht. Dort bleiben sie von Ende Mai bis Anfang oder Mitte Oktober“, erzählt der erfahrene Landwirt. Am Ende des Tages geht es um 18.30 Uhr erneut in den Stall, zusammen mit seiner Frau, um die Tiere zu versorgen. „Zusätzlich haben wir noch Hühner. Die Eier nutzen wir für den Eigenbedarf“, erklärt der Bozner.<h3> „Es ist ein Beruf für 365 Tage im Jahr“</h3>Einen großen Teil von seinem Leben nahm und nimmt auch weiterhin das Engagement bei der Löschgruppe Kohlern der Freiwilligen Feuerwehr Bozen ein. Bis zum Vorjahr war Zelger jahrzehntelang Gruppen- bzw. Zugskommandant der Löschgruppe Kohlern, die er 1977 selbst mitgegründet hat und die über vier Fahrzeuge verfügt. „Im nächsten Jahr feiert der Löschzug sein 50-jähriges Bestehen. Mittlerweile bin ich kein aktives Mitglied mehr, dennoch gibt es genug zu tun“, betont Zelger.<BR /><BR />Milchbauer ist der 66-Jährige aus Überzeugung. „Es ist ein Beruf für 365 Tage im Jahr“, sagt Zelger. Für ihn sei der Job als Milchbauer die einzige Möglichkeit, den Hof zu bewirtschaften. Das große Geld sei damit nicht zu machen, da ständig Investitionen in Maschinen zur Erleichterung der Arbeit zu machen seien „Die Wertschätzung und das Lob vieler Wanderer für die gepflegte Landschaft bedeuten mir aber sehr viel“, gibt Zelger zu.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1276728_image" /></div> Wie die Zukunft des Hofes aussieht, könne niemand sagen. „Ich habe Spaß an der Arbeit auf dem Hof und mache sie extrem gern. Das ist derzeit das Wichtigste für mich“, schließt Zelger. Und während unten im Talkessel der Alltag pulsiert, beginnt in Kohlern schon bald wieder ein neuer Arbeitstag – um 5.30 Uhr im Stall.