Durch eine detaillierte Analyse von Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien stießen die Beamten der Finanzpolizei auf eine Firmengruppe, die von Deutschland aus gesteuert wird. Die Unternehmen besitzen großflächige Photovoltaikanlagen, vorwiegend in Mittel- und Süditalien.<h3> Fiktiver Firmensitz und Zins-Tricks</h3>Die Ermittlungen ergaben, dass die sieben betroffenen Gesellschaften ihren rechtlichen Sitz nur zum Schein ins Trentino verlegt hatten. Ziel war es, von den dort niedrigeren IRAP-Steuersätzen zu profitieren.<BR /><BR /> Auf diese Weise wurden dem Fiskus rund 60 Millionen Euro an steuerpflichtigen Einnahmen entzogen, was einer hinterzogenen Steuerlast von über zwei Millionen Euro entspricht.<BR /><BR />Zudem nutzten die Firmen illegale Methoden beim sogenannten „Transfer Pricing“: Sie verbuchten Kosten für Kredite der deutschen Muttergesellschaft zu künstlich überhöhten Zinssätzen. Dadurch wurden Gewinne von fast drei Millionen Euro in Länder mit günstigeren Steuersätzen verschoben.<h3>33 Millionen Euro Förderung unrechtmäßig bezogen</h3>Noch schwerer wiegt der Vorwurf des Betrugs bei staatlichen Förderungen. Zwischen 2011 und 2024 beantragte die Gruppe beim staatlichen Energiedienstleister GSE (Gestore dei Servizi Energetici) insgesamt 152 Millionen Euro an Fördergeldern.<BR /><BR />Wie die Finanzwache feststellte, wurden davon über 33 Millionen Euro unrechtmäßig bezogen. Die Strategie dahinter: Große Solarparks wurden fiktiv in viele kleine Unteranlagen aufgeteilt. So konnten die Betreiber höhere Fördertarife kassieren, die eigentlich nur für kleinere Anlagen vorgesehen sind. Gleichzeitig umgingen sie so strengere Genehmigungsverfahren, was den Bau der Anlagen faktisch illegal machte.<h3>Staatsanwaltschaften Bozen und Ancona ermitteln</h3>Aufgrund der Schwere der Vorwürfe wurden die Staatsanwaltschaften von Ancona und Bozen eingeschaltet. Die Finanzwache hat bereits die Beschlagnahmung der unrechtmäßig kassierten Summen beantragt. Auch der Rechnungshof wurde wegen des Schadens für die Staatskasse in Kenntnis gesetzt.<BR /><BR />Der Energiedienstleister GSE hat bereits erste Konsequenzen gezogen und mit der Rückforderung der Gelder begonnen; knapp 500.000 Euro wurden bereits sichergestellt.<BR /><BR />Die Finanzwache betont abschließend, dass für alle Beteiligten bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt.