Freitag, 02. Oktober 2015

Millionen-Coups in Nordtirol: Fünf Männer vor Gericht

Nach zwei spektakulären Coups bei einer Nordtiroler Geldtransporterfirma im Jahr 2014 haben sich am Freitag am Landesgericht Innsbruck fünf Beschuldigte u.a. wegen schweren Diebstahls und Betrugs verantworten müssen.

Die Verdächtigen im Fall der Millionen-Coups in Nordtirol werden ins Gericht gebracht.
Die Verdächtigen im Fall der Millionen-Coups in Nordtirol werden ins Gericht gebracht. - Foto: © APA/EPA

Die Männer sollen für einen vorgetäuschten Überfall auf einen Geldtransporter im Februar und einen Millionendiebstahl im Dezember 2014 verantwortlich sein.

Das Quintett soll insgesamt rund drei Millionen Euro gestohlen haben. Die drei Verteidiger der fünf Beschuldigten erklärten bereits zu Prozessbeginn, dass sich alle Angeklagten schuldig bekennen werden.

Auch das Nachtatverhalten und die sofortige Bereitschaft alles zuzugeben, nachdem die Ermittler auf die Spur der fünf Männer gekommen waren, würde zeigen, dass es sich bei den Angeklagten eigentlich um keine Verbrecher handle, meinte einer der Verteidiger.

Waren im Juni festgenommen worden

Das Quintett war Ende Juni festgenommen worden. Unter den fünf Beschuldigten befinden sich zwei ehemalige Angestellte (40, 27) der Geldtransporterfirma. Am 14. Februar 2014 war es zunächst zu einem angeblichen Überfall auf einen Geldtransporter in Hall in Tirol gekommen. Dieser stellte sich letztlich als vorgetäuscht heraus. Vor der Polizei hatte der Geldbote behauptet, damals während der Fahrt auf der Inntalautobahn (A12) von drei Tätern, die sich als Zivilstreife ausgegeben hatten, auf einen Parkplatz gelotst und dort überfallen worden zu sein. Tatsächlich hatten jedoch die beiden Haupttäter die Sache geplant, wie der Zweitangeklagte vor Richter Bruno Angerer einräumte.

Rund zehn Monate später, vier Tage vor dem Heiligen Abend, erbeuteten zwei maskierte Täter bei einem Einbruchsdiebstahl bei der Innsbrucker Geldtransporterfirma einen Bargeldbetrag in Millionenhöhe. Der Coup, der insgesamt 20 Minuten dauerte, lief äußerst professionell ab. Die Ermittler gingen bereits unmittelbar danach von Insidern aus, da die Täter über einen Schlüssel für das Zufahrtstor verfügt und die Zahlencodes der Tresore gekannt hatten.

Die restlichen Beschuldigten sollen sich zum Teil als Beitragstäter unter anderem der Hehlerei und der Geldwäsche schuldig gemacht haben. Ein Urteil wurde für den Nachmittag erwartet.

Angaben von Firma und Angeklagten zur Beutehöhe unterscheiden sich um 500.000 Euro

Nachdem sich alle Angeklagte schuldig bekannt hatten, drehte sich die Verhandlung hauptsächlich um die Höhe der Beute. Die Angaben der Geldtransporterfirma und die der fünf Männer unterschieden sich um 500.000 Euro.

Insgesamt seien laut Angaben der Firma aus den Tresors rund 2,7 Millionen Euro entwendet worden. Alle fünf Beschuldigten behaupteten jedoch unisono „nur“ rund 2,2 Millionen Euro erbeutet zu haben. Die Polizei konnte nach der Festnahme lediglich 1,9 Millionen Euro sicher stellen. Alle Angeklagten meinten, dass sie in der Zeit zwischen dem Überfall und ihrer Festnahme nur wenig Geld ausgegeben hätten.

Der Zweitangeklagte habe nach dem Überfall in seiner Wohnung das Geld gezählt. Er beharrte auch nach mehrmaligem Nachfragen durch Richter und Staatsanwalt stets darauf, dass die Beute rund 2,2 Millionen Euro ausgemacht habe. „2,7 Millionen Euro können nicht stimmen. Es war nicht so viel Geld“, zeigte sich der 27-Jährige überzeugt.

Ein als Zeuge geladener Mitarbeiter der Geldtransporterfirma meinte, dass bei beiden Coups das Geld zwar in Gewahrsam der Firma war, jedoch ungezählt. „Die Fahrer sollen nicht wissen, wie viel Geld sie transportieren, deshalb übernehmen wir das Geld immer ungezählt. Wir sind also auf die Angaben unserer Kunden angewiesen“, erklärte der Zeuge. Durch die Umsätze der einzelnen Geschäfte könne man jedoch auf das übergebene Geld rückschließen.

apa

stol