Montag, 21. März 2016

Millionenbetrug durch fingierte Kurse: 59 Anzeigen in Trient

Nun hat auch Trient seinen ESF-Skandal: Die Operation "Ghost" - sprich Geist, brachte die Finanzbeamten auf die Spur von zahllosen Kursen, für die Mittel des Europäischen Sozialfonds abgeschöpft wurden. Fakt dabei ist: Die Fortbildungskurse fanden gar nicht oder nur teilweise statt, Teilnehmerlisten und Unterschriften wurden gefälscht. Es geht um einen Millionenbetrag.

Aktenberge belegen den Betrug. - Foto: Finanzpolizei Trient
Aktenberge belegen den Betrug. - Foto: Finanzpolizei Trient

Der Vorgang war simpel, der Betrug gut geplant, abgestimmt und durchgeführt. Bis die Finanzpolizei dem Schwindel nun auf die Schliche kam. Dabei geht es um angebliche EFS-Kurse, die zum Krisenmanagement, der Fort- und Weiterbildung von Mitarbeitern privater Unternehmen veranstaltet wurden. 

Zur Finanzierung wurde der Europäische Sozialfonds bemüht. 

Fingierte Teilnahmeregister und Unterschriften 

Hinter den Projekten und Ansuchen stand in Wahrheit aber ein ausgeklügeltes System zum Zweck des Betrugs. Die angeblichen Kurse für die Personalschulung wurden nicht oder nur teilweise abgehalten.
Um dies zu verschleiern wurden systematisch falsche Daten an- und abgegeben, Teilnahmeregister wurden ebenso gefälscht, wie Unterschriften der angeblich Eingeschriebenen, um die minimale Teilnehmerzahl und die benötigten Stunden aufweisen zu können. 

Berge an gefälschten Unterlagen für den Betrug. - Foto: Finanzpolizei Trient

Die Mitarbeiter, die eigentlich in den Schulungen sitzen sollten, gingen jedoch ganz gewöhnlich ihrer Arbeit nach. 

Die "falschen" Dozenten arbeiteten in Wirklichkeit für die Firmen

Was die angeblichen Dozenten der Kurse betrifft, so ergaben die Nachforschungen, dass die und Beauftragten sehr wohl aktiv waren - nicht aber im eigentlichen Sinne für die Abhaltung der Kurse, sondern für Beratungsgespräche und Arbeiten zugunsten der Unternehmen. Dazu gehört die Gestaltung von Internetseiten und -auftritten, die Teilnahme an Messen und Tagungen, die Vermittlung von Treffen und Erneuerung von Verträgen sowie die Erarbeitung und Gestaltung von Werbematerial und der Ankauf bzw. die Aktualisierung von Betriebssoftware. 

Anzeigen für 59 verwickelte Personen

Die Ermittlungen waren von der Arbeitsagentur Trient ausgegangen. Sie haben im Zuge der Operation "Ghost" zur Anzeige von 59 Personen geführt - darunter 16 Firmenvertreter und 12 Angestellte privater Unternehmen, 29 Dozenten und Freiberuflern sowie 2 Gutachter.

Durchsicht der zahllosen gefläschten Unterlagen. - Foto: Finanzpolizei Trient

Ihnen wird unter anderem schwerer Betrug gegenüber dem Staat zum Abschöpfen von öffentlichen Geldern, Falschbeurkundung und illegale Bieterabsprache vorgeworfen. 

Ein Kursanbieter für die ganze Betrugsmasche

Letzteres scheint nur die Spitze des Eisberges, denn um die vermeintlichen Kurse abhalten zu können, wurden auch Ausschreibungen dementsprechend "gesteuert". Im Rahmen der eingereichten Angebote wurden Unterlagen dermaßen zurechtgedreht und mit frisierten Lebensläufen fingiert, um eine höhere Punktzahl und damit den Zuschlag zu erhalten. 
Denn die angeblichen Kurse, um die es hier geht, wurden alle von ein- und demselben Anbieter, nämlich Audit, realisiert - bzw. in Realität dann nicht abgehalten.

Die Überprüfung wiederum erfolgte widerrechtlich durch dritte, nicht autorisierte Gutachter. Damit schließt sich der Kreis der involvierten Betrüger. Im Zuge der Ermittlungen wurden auch 6 Gesellschaften, die in die Organisation und Anwendung der Kurse involviert waren, der Staatsanwaltschaft gemeldet.

Der Schaden: über eine Million Euro

Der Schaden, um den es vordergründig geht, beläuft sich auf über eine Million Euro. 300.000 Euro flossen im Zuge der falschen Kontrolltätigkeit. Mit 800.000 Euro wird der Schaden für die Staatskasse angeführt - für die unrechtmäßige Finanzierung der Kurse und den entstandenen Schaden für die Mitbewerber. 

stol/ker

stol