Er steht unter dem Verdacht, Kopf eines internationalen Netzwerkes zu sein, das zwischen 2021 und 2023 über 600 Millionen Euro aus dem Corona-Aufbaufonds unterschlagen haben soll. <BR /><BR />Es könnte sich um den bislang wohl größten Betrugsfall mit Geldern handeln, die die EU nach der Corona-Krise für den Wiederaufbau bereitgestellt hat. Insgesamt 22 Haftbefehle und 2 Verbote, einen Beruf bzw. ein Gewerbe auszuüben, hat die Untersuchungsrichterin am Gericht von Rom, Mara Mattioli, erlassen. Damit hatte sie einem entsprechenden Antrag der Europäischen Staatsanwältin Donata Patricia Costa stattgegeben. <h3> 8 Personen in U-Haft</h3>8 der 22 Verdächtigen wurden nach Angaben der Europäischen Staatsanwaltschaft in U-Haft genommen, 14 weitere stehen unter Hausarrest. Die meisten Angeklagten sind laut Ermittlungen kriminelle Profis, die in mehreren Fällen vorbestraft sind, hieß es. Konkret ging es um Mittel für die „Internationalisierung von Unternehmen“. <BR /><BR />Und mittendrin in diesem groß angelegten Betrugsfall ist der ehemalige Skirennläufer Alex Mair aus Brixen, der in Verona wohnhaft ist. Dies hat die Finanzpolizei heute bestätigt. Wann er an Italien ausgeliefert werden soll, steht noch nicht fest.<BR /><BR /> Allein in ganz Italien waren gestern Vormittag über 150 Finanzpolizisten im Einsatz, führten in den Regionen Venetien, Lombardei, Friaul-Julisch-Venetien, Toskana, Latium, Kampanien, Apulien und Trentino-Südtirol Durchsuchungen durch. Im deren Zuge wurden laut Angaben der Finanzpolizei erhebliche Summen in Kryptowährungen, Uhren der Marken Rolex und Cartier sowie Schmuck und Luxusautos der Marken Lamborghini, Porsche und Audi beschlagnahmt.<h3>Zweiter Verdächtiger in Südtirol wohnhaft</h3>Mit der Hilfe von Bargeld-Spürhunden, sogenannten „Cash-Dogs“, durchsuchten auch die Polizeikräfte in Österreich, Rumänien und der Slowakei Gebäude in mehreren Städten. Darunter auch in Bratislava, wo sich laut Ermittlern jener Südtiroler Unternehmer Alex Mair aufhielt bzw. versteckte, der verdächtigt wird, der Kopf der internationalen Organisation zu sein. Bei einem weiteren Verdächtigen, der in Österreich verhaftet wurde, handelt es sich um einen deutschen Staatsbürger, der in Südtirol, genauer am Brenner, wohnhaft ist. <BR /><BR />Den internationalen Millionenbetrug aufdecken konnten die Ermittler der Finanzpolizei von Venedig mit der Sondereinheit für Betrugsbekämpfung im Bereich der öffentlichen Ausgaben, dem Zentralen Ermittlungsdienst gegen die organisierte Kriminalität (SCICO), sowie der Sondereinheit gegen technologischen Betrug u. a. durch die ermittlungstechnischen Methode „follow the money“. Dabei werden Geldflüsse von ihrer Quelle bis zu ihrem Ziel verfolgt, Unregelmäßigkeiten identifiziert und versucht zu verstehen, in welcher Verbindung die verschiedenen beteiligten Parteien stehen. <h3> Fiktive Unternehmen</h3>In diesem Fall sollen die Verdächtigen mit Hilfe von 4 professionellen Beratern und mehrerer Strohmänner Millionenbeträge aus dem italienischen Wiederaufbaufonds PNRR für Projekte u. a. zur Digitalisierung und Innovation, sowie zur Internationalisierung von Unternehmen erhalten haben. Wie die Ermittlungen ergaben, habe es sich bei den antragstellenden Firmen um rein fiktive Unternehmen gehandelt. In den allermeisten Fällen habe ihre einzige Tätigkeit darin bestanden, die für den Zugang zu den angefochtenen Mitteln erforderlichen Unterlagen zu erstellen. Dieselben fiktiven Unternehmen seien aber auch genutzt worden, um fiktive Kredite im Bausektor aufzunehmen, etwa mit dem Bonus für die Sanierung von Hausfassaden. <BR /><BR />Darüber hinaus sollen die Verdächtigen ein komplexes System der Geldwäsche und Eigengeldwäsche entwickelt und sich für dessen Umsetzung auch fortschrittlicher Technologien bedient haben, darunter einer Software künstlicher Intelligenz, um den Prozess der Dokumenten- und Urkundenfälschung zu beschleunigen. <BR /><BR />Kreditverbriefungsgesellschaften seien ebenfalls mit eingebunden worden, um einerseits die illegalen Geschäfte zu verschleiern und vor möglichen polizeilichen Kontrollen zu schützen und andererseits neue Wege zu finden, nicht existierende Kredite in Form von Geld in den legalen Finanzkreislauf einzuführen.