Seit Jahren kämpft die ungarische Minderheit darum, wieder eine eigene ungarische Universität zu bekommen. Die bis 1959 bestehende Bolyai-Universität in Kolozsvár/Klausenburg/Cluj war 1959 unter dem kommunistischen Regime mit der rumänischen Babes-Universität zwangsvereinigt worden. Zwar bietet diese Universität eine ganze Reihe von Studiengängen in ungarischer Sprache, aber die Ungarn sind mit dem Angebot (in Rumänien können z. B. Rechtswissenschaften bis heute nicht in ungarischer Sprache studiert werden!) und der Praxis der Lehre unzufrieden.Deshalb wurde vor Jahren ein Komitee gegründet, das sich um die Wiederherstellung der Bolyai-Universität bemüht. Dabei wurden die Unzulänglichkeiten der angeblich mehrsprachigen Klausenburger Babes-Bolyai-Universität schonungslos offen gelegt, als der Vorsitzende des Bolyai-Komitees, Péter Hantz, im November 2006 mehrsprachige Hinweisschilder in der Universität anzubringen versuchte. Bis heute sind dort nur rumänische Informationstafeln zu finden. Dozenten gefeuert, weil sie mehrsprachige Hinweistafeln anbrachtenPéter Hantz, der als Dozent an der Babes-Bolyai-Universität lehrte, kostete diese Aktion seinen Arbeitsplatz. Die „Dolomiten“ berichteten seinerzeit ausführlich über diesen Fall und die weiteren Entwicklungen. Dies nahmen der Ungarische Nationalrat für Siebenbürgen und das Bolyai-Komitee zum Anlass, neben anderen die „Dolomiten“ in Neumarkt am Mieresch mit dem Báthory-Preis auszuzeichnen. In seiner Festrede zeichnete der Präsident des Ungarischen Nationalrates für Siebenbürgen, der reformierte (calvinistische) Bischof Laszlo Tökés, ein eher düsteres Bild seiner Volksgruppe. Diese brauche jede Hilfe, die sie bekommen könne; es brauche alle Kräfte der ungarischen Minderheit, um Ziele wie eigene Universität, regionale Selbstverwaltung und Autonomie zu erreichen. Jedoch hätten die rumänischen Regierungen in den letzten 20 Jahren immer wieder Wege gefunden, um die ungarische Minderheit zu spalten und so an ihrer Entfaltung zu hindern. Die Behandlung der Minderheitenfragen durch Bukarest entspreche nicht dem europäischen Geist. Allein schon aus diesem Grund dürften die Ungarn nicht in Regierungen in Bukarest eintreten. Dies ist kurz vor Weihnachten jedoch erneut geschehen: Der mit dem Ungarischen Nationalrat konkurrierende Dachverband der Ungarn in Rumänien, der etwa zwei Drittel der ungarischen Wähler vertritt, ist in die Regierung des alten und neuen Premiers Emil Boc (Liberaldemokraten) eingetreten. Da aber die unverhandelbare Bedingung jeder rumänischen Regierung an eine Ungarnpartei der Verzicht auf Autonomieforderungen sei, gebe der Dachverband von vorne herein das Hauptziel der ungarischen Minderheit auf, kritisiert Bischof Laszlo Tökés.Hatto Schmidt, D