Donnerstag, 21. September 2017

Mindestens 250 Erdbebentote in Mexiko

Nach dem schweren Erdbeben in Mexiko können viele Opfer nur noch tot geborgen werden. Inzwischen ist die Zahl der Todesopfer auf 250 gestiegen, wie der mexikanische TV-Sender Televisa am Donnerstag unter Berufung auf die Behörden mitteilte. Demnach starben allein 115 Menschen in Mexiko-Stadt.

In Mexico City wird fieberhaft nach Überlebenden gesucht. - Foto: APA
In Mexico City wird fieberhaft nach Überlebenden gesucht. - Foto: APA

In der Millionen-Metropole stürzten knapp 50, teils sehr hohe Gebäude ein und begruben Menschen unter sich. In der Hauptstadt beteiligten sich Zehntausende Freiwillige am Abtragen der Schuttberge und versorgten obdachlos gewordene Menschen mit Wasser und Essen.

Die Schule Enrique Rebsamen im Süden von Mexiko-Stadt ist zu einem Symbol für die Katastrophe geworden, die das schwere Erdbeben vom Dienstag in der Millionenmetropole ausgelöst hat. Mehr als 21 Schüler starben in den Trümmern. Dennoch arbeiteten die Helfer noch über eineinhalb Tage nach dem Beben ohne Pause, um unter anderem ein dort vermutetes zwölfjähriges Mädchen noch lebend zu bergen. Doch die Chancen auf Überlebende sanken mit jeder Stunde.

Drei Tage Überlebenschancen

Nach Einschätzung der Hilfsorganisation I.S.A.R. in Duisburg, die auf die Rettung von Verschütteten - gerade auch von Erdbebenopfern - spezialisiert ist, besteht für die Opfer etwa drei Tage eine Überlebenschance. „Abhängig von der Witterung und von der Trümmerstruktur, von den Hohlräumen, in denen sich die noch Lebenden befinden”, sagte die Leiterin der Hilfsorganisation, Daniela Lesmann. „Ohne zu essen kann man einige Tage überleben. Ohne Wasser wird es nach 72 Stunden, je nach Witterung, sehr schwierig.”

Mexikos Präsident Enrique Pena Nieto sprach seinen Landsleuten großen Dank für ihre „Tapferkeit und Solidarität” aus und lobte das gemeinsame Anpacken. Überall in den betroffenen Städten und Gemeinden, auch außerhalb der Metropolregion, bildeten sich Menschenketten, um die Schuttteile weiterzureichen und so die Trümmer wegzuschaffen. Mit erhobenen Händen wurde um Stille gebeten, um mögliche Klopfgeräusche zu hören.

Neben der großen Hilfsbereitschaft der Mexikaner zeigte sich Pena Nieto auch überwältigt von der Anteilnahme aus dem Ausland. Aus allen Teilen der Welt habe Mexiko tausende Nachrichten erhalten. Aus zahlreichen Ländern wurden Helfer geschickt.

Promis spenden für Opfer

Schlagzeilen machte die Spendenbereitschaft der Schauspielerin Salma Hayek (”From Dusk Till Dawn”, „Frida”). Die 51-Jährige kündigte an, für die Erdbebenopfer 100.000 Dollar (83.500 Euro) zu spenden und noch viel mehr Geld über eine Crowdfunding-Kampagne zu sammeln. „Bei dem verheerenden Erdbeben 1985 starben viele Freunde und ein Onkel, der mir sehr nahe stand”, teilte die US-mexikanische Darstellerin am Mittwoch in einer Videobotschaft über ihren Instagram-Account mit. Der mexikanische Formel-1-Rennfahrer Sergio Perez hat eine Spende von umgerechnet rund 140.000 Euro zugesagt.

Neben der Hauptstadt waren besonders die Bundesstaaten Morelos und Puebla betroffen. Im Bundesstaat Puebla stürzte in Atzala eine Kirche aus dem 17. Jahrhundert ein. Wie lokale Medien berichteten, begann um 13.00 Uhr eine Taufe, als um 13.14 Uhr die Erde zu beben begann und das Kirchendach einstürzte. Auch das Mädchen, das getauft werden sollte, wurde erschlagen von den Dachtrümmern, der Priester und ein Messdiener konnten noch flüchten. Elf Menschen wurden hier getötet.

14 Millionen Schüler ohne Unterricht

Für 14 Millionen Schüler in Mexiko fiel vorerst der Unterricht aus, um die Schulgebäude auf mögliche Schäden zu untersuchen. Nachdem fast fünf Millionen Menschen über Stunden ohne Strom zubrachten, war zumindest das Stromnetz in weiten Teilen des Landes inzwischen wieder hergestellt.

Die Katastrophe hatte sich genau am Jahrestag des verheerenden Erdbebens vom 19. September 1985 ereignet. Damals starben nach Schätzungen knapp 10.000 Menschen. Das aktuelle Beben hatte eine Stärke von 7,1, das Zentrum lag rund 130 Kilometer südöstlich von Mexiko-Stadt bei Axochiapan.

Mexiko ist eines der erdbebengefährdetsten Länder der Welt. Viele der nun in der Hauptstadt beschädigten oder eingestürzten Gebäude wurden vor dem Erdbeben 1985 gebaut und entsprachen nicht den später eingeführten strengeren Baunormen. Das Land liegt am Pazifischen Feuerring, einer Zone entlang der Küsten des Pazifischen Ozeans. Hier treffen verschiedene Platten der Erdkruste aufeinander. Es kommt immer wieder zu starken tektonischen Verschiebungen und Verwerfungen.

apa/dpa

stol