Freitag, 18. September 2015

Mindestens zwölf Tote nach schwerem Erdbeben in Chile

Bei einem der heftigsten Erdbeben in der Geschichte Chiles sind mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen.

Foto: © LaPresse

Über vier Meter hohe Tsunamiwellen setzten weite Teile der Hafenstadt Coquimbo unter Wasser, in Illapel stürzten Häuser ein, Schlamm und Geröll verschütteten Landstraßen.

Dank eines professionellen Frühwarnsystems blieb die große Katastrophe nach dem Beben am Mittwochabend allerdings aus.

Eine Million Menschen in Sicherheit gebracht

Die Erschütterungen erreichten eine Stärke von 8,4 und lösten in weiten Teilen des Pazifikraums eine Tsunami-Warnung aus – von Hawaii bis Neuseeland. Stunden nach dem Beben konnte der Tsunami-Alarm in Chile aufgehoben werden, wie der Katastrophenschutz des Landes am Donnerstag mitteilte.

Entlang der weitläufigen Küste waren rund eine Million Menschen in Sicherheit gebracht worden. Hunderte suchten Notunterkünfte auf. Die Erschütterungen beschädigten zahlreiche Gebäude, betroffen waren vor allem einfache Häuser aus Adobe (Lehmziegeln), wie örtliche Medien berichteten. Fast 100.000 Menschen seien ohne Strom, teilte der Katastrophenschutz mit.

Herabstürzende Mauern und Herzinfarkte als Todesursache

Eine Frau starb durch eine umstürzende Mauer, eine andere bei einem Erdrutsch. Drei Männer erlagen Herzinfarkten. Die Todesursache der übrigen Opfer war zunächst nicht bekannt.

„Es gibt einige Dörfer, die von der Außenwelt abgeschnitten sind“, sagte Ressortchef Jorge Burgos. Auf TV-Bildern waren Menschen zu sehen, die in Panik aus Gebäuden rannten.

Sechststärkstes Erdbeben der Geschichte - 50 Nachbeben

Innenstaatssekretär Mahmud Aleuy sagte, es habe sich um das sechststärkste Beben in der Geschichte Chiles gehandelt. Es ereignete sich am Mittwoch um 19.54 Uhr Ortszeit vor der Küste der Region Coquimbo, nahe der Ortschaft Canela Baja und der Stadt Illapel, die rund 280 Kilometer nördlich der Hauptstadt Santiago liegt. Der Erdbebenherd lag nach Angaben der örtlichen Behörden in rund 16 Kilometern Tiefe.

Rund 50 Nachbeben versetzten die Menschen im Land immer wieder in Angst und Schrecken, das stärkste davon soll eine Stärke von 7,6 erreicht haben. Das Beben war bis in die argentinische Hauptstadt Buenos Aires und in Montevideo in Uruguay zu spüren. Beide Orte liegen mehr als 1.000 Kilometer vom Erdbebenzentrum entfernt.

„Bei solch großen Ereignissen ist es normal, dass man die Erschütterung noch in Tausenden Kilometern Entfernung spürt“, sagte die Geologin Leda Sanchez der uruguayischen Zeitung „El Pais“.

Frühere Erdbeben in Chile

Erdbeben sind in Chile keine Seltenheit. Zu einer Katastrophe war es 1939 gekommen: Nach einem Beben der Stärke 7,8 starben 28.000 Menschen. Auch das stärkste je gemessene Erdbeben geschah in Chile: 1960 registrierten Geologen die Stärke 9,5 – 1655 Menschen starben. Das Zentrum lag damals mehrere hundert Kilometer südlich des Bebens vom Mittwoch. Im Februar 2010 waren bei einem schweren Erdbeben der Stärke 8,8 mehr als 520 Menschen getötet worden.

Um den Pazifischen Ozean herum liegt ein Gürtel aus etwa 450 aktiven Vulkanen, der als Pazifischer Feuerring bezeichnet wird. Hier treffen verschiedene Platten der Erdkruste aufeinander. Es kommt zu tektonischen Verschiebungen und Verwerfungen. 

apa

stol