Im Zentrum der Untersuchung stand die Frage, wie sich ein 15-minütiger Aufenthalt bei minus 10 Grad Celsius im Vergleich zu fünf und 20 Grad auf ausgewählte kognitive Leistungen auswirkt – etwa auf Reaktionszeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit und Risikoverhalten. Zusätzlich erfassten die Forscherinnen und Forscher auch Stresswahrnehmung und Kälteempfinden. Die Studie war als randomisierte Untersuchung mit verschiedenen Vergleichsgruppen angelegt, wobei die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen den Versuchsbedingungen wechselten. Getestet wurden 24 Probanden im Alter zwischen 18 und 60 Jahren unter reproduzierbaren Bedingungen in einer Klimakammer im Bozner NOI Techpark.<BR />„Wir stellten die Hypothese auf, dass die kognitive Leistungsfähigkeit bei niedrigen Temperaturen geschlechtsspezifisch abnimmt, bevor sich die Körperkerntemperatur verändert“, erklären die Wissenschaftlerin Marika Falla vom Eurac Forschungsinstitut für Alpine Notfallmedizin in Bozen und ihre Koautoren.<h3> Körpertemperatur wird nicht beeinflusst</h3>Die Ergebnisse zeigten eine vorübergehende Beeinträchtigung der kognitiven Leistungsfähigkeit bei Personen in angemessener Kleidung. Die Kälteexposition führte zu verlangsamten Reaktionszeiten und häufigeren Aussetzern bei der Aufmerksamkeit. Auch die Entscheidungsfindung wurde durch ein reduziertes Risikoverhalten beeinflusst. „Herzfrequenz, Kälteempfinden und Stress sowie thermisches Empfinden und Wohlbefinden, nicht aber die Körperkerntemperatur, unterschieden sich bei den drei experimentellen Temperaturexpositionen“, stellte das Forschungsteam fest. Die Auswirkungen der Kälte traten also bereits ein, bevor es zu messbaren körperlichen Abkühlungsreaktionen kam.<h3> Ergebnisse müssen berücksichtigt werden</h3>Die Ergebnisse stützen damit die Annahme, dass selbst eine kurze Kälteexposition die kognitive Leistungsfähigkeit verringern kann. Nach Ansicht des Forschungsteams sollte dieser Effekt bei Tätigkeiten in kalter Umgebung, auch wenn sie nur kurz dauern, stärker berücksichtigt werden. Denn sowohl in der Freizeit als auch im Beruf kann Kältestress entstehen. Dieser physische und psychische Stress durch niedrige Temperaturen kann sich wiederum negativ auf die kognitive Leistungsfähigkeit auswirken.