Das Projekt sei im ersten Anlauf nicht nur an den hohen Kosten gescheitert, sondern auch an den Ängsten und dem fehlenden klaren Verständnis, um was es dabei gehe, sagt der Missbrauchbeauftragte der Diözese. <BR /><BR /><BR />Im Dezember 2021 hatte s+ als erstes Medium darüber berichtet, dass der US-Priester Timothy Meehan in den vergangenen 4 Jahren in mehreren Bozner Pfarreien eingesetzt wurde, obwohl seine Ordensoberen ausdrücklich vor ihm gewarnt hatten und er mehrere Auflagen befolgen müsste; unter anderem dürfte er wegen einer früheren Beziehung mit einem schutzbefohlenen Minderjährigen nicht mehr öffentlich die Messe zelebrieren ( <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/paedophiler-priester-aus-den-usa-in-bozen-was-an-der-geschichte-stimmt" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">hier der Bericht</a>). Der Fall zeigte, dass Südtirols Kirche noch nicht ganz auf der Null-Toleranz-Linie von Papst Franziskus in Sachen Missbrauch und Gewalt fährt. <BR /><BR />Als Bischof Ivo Muser dann Ende Jänner mitteilte, dass das Bistum das von Fachleuten der Uni Bozen ausgearbeitete Konzept für ein wissenschaftliches Gutachten von Missbrauchsfällen nicht umsetzen werden, war endgültig Feuer am Kirchendach. <BR /><BR />Als Gründe führte der Oberhirte unter anderem die hohen Kosten (ca. 500.000 Euro), aber auch einen anderen Schwerpunkt in der Arbeit an: Entscheidend sei nicht die Aufarbeitung früherer Untaten, sondern die Präventionsarbeit, „damit möglichst wenig oft solche entsetzlichen Taten geschehen können“, sagte der Bischof.<BR /><BR />Überlegt es sich Bischof Muser jetzt doch anders? Im Hirtenbrief zur Fastenzeit, der am Aschermittwoch veröffentlicht wurde, lässt ein Satz aufhorchen. Eines der darin aufgeführten 4 Anliegen des Oberhirten für den Weg bis Ostern ist der Missbrauch in der Kirche. „Aufarbeitung und Prävention bleiben der Auftrag – als Kirche und als Gesellschaft. Ich erkenne, dass wir als Diözese uns noch deutlicher diesem Auftrag stellen müssen“, schreibt der Bischof dazu. <BR /><BR />Auch sonst gibt es Anzeichen dafür, dass das Thema nicht vom Tisch ist. Der Leiter des diözesanen Dienstes zum Schutz von Minderjährigen, der Priester und Psychologe Gottfried Ugolini, schiebt den schweren Brocken jedenfalls weiterhin auf die diözesane Tagesordnung. Am Freitag dieser Woche sind die höchsten Vertreter der Diözese zu einer internen Weiterbildung in das Bozner Pastoralzentrum geladen. Neben Bischof Muser werden unter anderem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kurie sowie Vertretungen von Priester- und Pastoralrat erwartet. <BR /><BR /><embed id="dtext86-53124131_quote" /><BR /><BR />Aufhorchen lässt vor allem der Blick auf das Programm des Tages. Einziger Referent ist der deutsche Jesuit Hans Zollner, der als engster Berater des Papstes in Missbrauchsfragen gilt. Der Direktor des Instituts für Anthropologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana wird über „Möglichkeiten und Grenzen der Aufarbeitung“ sprechen. <BR /><BR />„Diese Aufarbeitung muss unabhängig geleitet sein und darf sich nicht nur auf das Aktenstudium beschränken, sondern muss Betroffene miteinschließen und ihnen die Möglichkeit geben, ihre Erfahrungen und Erwartungen zu formulieren“, unterstreicht der Jesuit, der eine solche Vorgangsweise auch der Südtiroler Diözese ans Herz legen wird. Ein Gutachen könne beitragen zu Gerechtigkeit und zu einem „Anfang für Transparenz, Verantwortung und Rechenschaftspflicht“, erklärt P. Zollner auf Anfrage von s+.<h3> „Mediale Auseinandersetzung“</h3>Wird der Experte des Papstes das Projekt damit neu anschieben? Der diözesane Beauftragte Gottfried Ugolini sieht jedenfalls einen Hoffnungsschimmer. „Durch die mediale Auseinandersetzung mit dem Thema Missbrauch in den letzten Wochen ist das Anliegen der Aufarbeitung in den kirchlichen Vereinen und Gemeinden bewusster wahrgenommen worden“, sagt Ugolini.<BR /><BR /> Wenn den Verantwortungsträgerinnen und -trägern der Kirche in Südtirol die Chance und Notwendigkeit einer umfassenden Aufarbeitung einsichtig werde, gebe es auch die Voraussetzungen, diese umzusetzen. Denn das Projekt sei im ersten Anlauf nicht nur an den hohen Kosten gescheitert, sondern auch an den Ängsten und dem fehlenden klaren Verständnis, um was es dabei gehe. Das lässt sich unter anderem daran ablesen, dass von mehr als 30 Männer- und Frauenorden im Land ein einziger bekundete, dass er das Projekt mittragen werde.<BR /><BR />„Das ist in erster Linie eine Bewusstseinsänderung. Dies ist ein langer Prozess, der kompetent ins Laufen gebracht und wissenschaftlich begleitet werden will“, sagt Ugolini. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />