Freitag, 04. September 2020

Missbrauchsskandal in Bologna aufgedeckt

Die Carabinieri in Bologna haben in den letzten Tagen einen unfassbaren Missbrauchsfall aufgedeckt: Mehrere Personen, darunter auch Lokalpolitiker Luca Cavazza und Bauunternehmer Davide Bacci, werden beschuldigt, für Prostitution, Missbrauch von Minderjährigen, sowie für Drogenmissbrauch verantwortlich zu sein, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtet.

Dem Lokalpolitiker Luca Cavazza wird sexueller Missbrauch vorgeworfen.
Dem Lokalpolitiker Luca Cavazza wird sexueller Missbrauch vorgeworfen. - Foto: © ANSA / FACEBOOK
Die Staatsanwaltschaft hatte die Ermittlungen zum Fall bereits im Februar eingeleitet, als sich die Mutter eines minderjährigen Opfers bei den Carabinieri meldete und Alarm geschlagen hat. Ihre 17-Jährige Tochter sei mehrmals länger von Zuhause weggeblieben und dann ein paar Tage später in völlig verstörtem Zustand heimgekehrt. Auch Drogen seien zumeist in Spiel gewesen. Hinzu kam noch ein „verdächtiges Video“, das die Mutter auf dem Handy ihrer Tochter entdeckte und sie bei sexuellen Handlungen mit mehreren Männer zeigte.

Das „Villa Inferno“-Netzwerk

Im Laufe ihrer Nachforschungen stießen die Carabinieri bald darauf auf ein regelrechtes Netzwerk, welches minderjährige Mädchen und junge Frauen gegen Bezahlung mit Geld und Drogen (Kokain) sexuell ausbeutete, so die Ansa. Die Mädchen wurden in die sogenannte „Villa Inferno“ im Besitz des Bauunternehmers Davide Bacci gebracht, die sich etwas außerhalb von Bologna befindet. Hier sollen die ominösen „Partys“ mit Drogenkonsum und unter Beteiligung mehrerer Personen stattgefunden haben. Wie viele Mädchen dem Netzwerk zum Opfer gefallen sind, ist nicht bekannt.

Ermittlungen noch nicht abgeschlossen

Der 27-jährige Immobilienmarker Luca Cavazza war bei den vergangenen Regionalratswahlen in der Emilia-Romagna für das Mitte-Rechts-Bündnis angetreten. Er wurde in Hausarrest gestellt. Der Villa-Besitzer und Bauunternehmer Davide Bacci hingegen wurde als Einziger ins Gefängnis überstellt. Gegen weitere 4 bis 6 involvierte Personen wird noch ermittelt. Unter diesen weiteren, die sich nun vor der Justiz verantworten müssen, befindet sich auch ein Anwalt.

Die Anwälte von Cavazza plädierten in einer ersten Stellungnahme am Freitag darauf, dass weder psychische noch physische Gewalt im Spiel gewesen seien. Die Minderjährigen seien zu nichts gezwungen worden und sämtliche Handlungen hätten auf Freiwilligkeit beruht und wären im Einvernehmen passiert.

Noch sind die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft jedoch lange nicht abgeschlossen. Unklar ist zu diesem Zeitpunkt auch, ob es noch mehr involvierte Personen gibt.

stol/ansa