Der Chirurg spielt dabei darauf an, dass das Spenderherz aus Südtirol tiefgefroren in Neapel eingetroffen war, weil es zum Transport in der Kühlbox auf Trockeneis gelagert worden sei. Seine neapolitanische Kollegin, die das Herz in Bozen entnommen hatte, habe um Eis gebeten und Trockeneis erhalten. „Das ist so, als würde man in eine Bar gehen, nach einem Glas Wasser fragen und Chlorbleiche serviert bekommen. Die Schuld kann sicherlich nicht bei ihr liegen, die Schuld ist in Bozen zu suchen“, verteidigt der Herzchirurg seine Kollegin. Allerdings soll er das im selben Gespräch auch relativiert haben: Die Schuld für den Fehler könne nicht einmal dem Pfleger angelastet werden, der das falsche Kühlmittel bereitgestellt habe.<BR /><BR />Was der Chirurg nicht wusste: Diese Aussagen, die er bei einem Personaltreffen kurz vor der Ankunft der Inspektoren des Gesundheitsministeriums im Monaldi-Spital gemacht haben soll, wurden von einem Arbeitskollegen aufgezeichnet. Die Aufnahme fließt nun in die Ermittlungsakte der Staatsanwaltschaft Neapel ein, die sieben Personen aus dem neapolitanischen Transplantationsteam der fahrlässigen Tötung verdächtigt. Wie berichtet, war ein zweijähriger Bub infolge der missglückten Herztransplantation gestorben. <BR /><BR />Die Aufzeichnung könnte den Ermittlern auch Material für die nächste Befragung des Herzchirurgen bieten. Als er Ende März zum ersten Mal angehört wurde, soll der Ex-Primar betont haben, dass er das kranke Herz des Buben nicht vor der Ankunft der Kühlbox aus Bozen entnommen habe und dass er auch mit der Kardiotomie erst begonnen habe, nachdem ein Mitarbeiter ihm bestätigt habe, dass das Herz im Operationssaal eingetroffen war. <BR /><BR />Auf der Aufnahme soll hingegen zu hören sein, wie der Chirurg einräumt, dass er das Herz des Buben bereits entfernt habe, bevor ihm klar geworden sei, dass das Spenderherz aus Südtirol möglicherweise beschädigt sein könnte. Beim nächsten Verhör am 21. Mai vor Untersuchungsrichter Mariano Sorrentino dürfte dieser Widerspruch zweifellos zur Sprache kommen.