Wenn sich Vertreter der Alperia in das Vinschger Oberland aufmachen, müssen sie eine dicke Haut mitnehmen. Das Misstrauen sitzt tief, haben die Oberlandler doch einiges miterleben müssen, was den Reschenstausee betrifft.<BR /><BR /><BR /><BR />Am Dienstagabend war volles Haus im Vereinssaal von St. Valentin. Nicht umsonst, denn es ging um ein heikles Thema, nämlich die Sanierung des Druckstollens in Hoad. <BR /><BR />Wie mehrfach berichtet, war es Ende Juli zu Wassereintritten in Kellergeschossen von Häusern in St. Valentin gekommen. Die Ursache dafür ist noch nicht endgültig geklärt, wie den Ausführungen der Alperia-Vertreter zu entnehmen war. Es gibt offenbar gerichtliche Schritte, die in der Zwischenzeit ergriffen worden sind – aber das wollten die anwesenden Techniker nicht näher kommentieren.<BR /><BR />Andreas Bordonetti, Alessandro Olivotto und Daniele Faggin sahen ihre Aufgabe darin, der Bevölkerung zu erklären, was man tun wolle, um die Wasseraustritte aus dem Stollen zu beenden. Denn obwohl man offenbar nicht genau weiß, warum – man weiß zumindest, dass das Wasser vom Druckstollen kommt.<BR /><BR />Andreas Bordonetti ist technischer Direktor der Kraftwerksanlagen. Er betonte x-fach, dass die Alperia alle gesetzlichen Auflagen einhalte und dass es niemals ein Risiko für Leib und Leben der Bürgerinnen und Bürger gegeben habe. Zugleich sagte er auch, dass der Stollen zu einer Zeit angelegt worden sei, als ringsum noch Äcker und Wiesen waren – Häuser, Hotels und Co. seien erst danach errichtet worden. Man wolle als Alperia aber nicht die Vergangenheit bemühen, sondern sei seit Übernahme der Anlagen vor wenigen Jahren sehr bemüht, ständige Verbesserungen vorzunehmen.<BR /><BR /><b>Die Lösung: Ein zweiter Stollen im bestehenden Stollen</b><BR /><BR />Bordonetti bedauerte die Unannehmlichkeiten, die entstanden waren und die es noch gibt. Die Alperia nehme ihre Verantwortung wahr – unabhängig von den laufenden Untersuchungen.<BR /><BR />Um die Wasseraustritte aus dem rund 70 Jahre alten Beton-Druckstollen endgültig zu stoppen, ist das Verlegen eines glasfaserverstärkten Kunststoffrohres geplant. Die Arbeiten sollen Ende November/Anfang Dezember beginnen und rund 4 Monate andauern. <BR /><BR />Die Baustelle wird im Bereich des „Ponte canale“ in St. Valentin vorgesehen, dort werden auch die Rohre gelagert. Diese werden der Reihe nach in den bestehenden Stollen eingeschoben, somit entstehe ein regelrechter zweiter Stollen. „Das ist dann dicht“, sagte Bordonetti. Kosten tue das Ganze in etwa 8 Millionen Euro, die Rohrleitung wird rund einen Kilometer lang. <BR /><b><BR />Kritik und Misstrauen im Saal</b><BR /><BR />Die Alperia-Vertreter mussten sich allerhand Kritik anhören. Es werde nicht ausreichend informiert, die Zuleitung vom See zum „Ponte canale“ werde nicht saniert, der Rest des Vinschgau sei im Notfall auch betroffen usw. Auch seien Wasserproben zu spät genommen worden, müsse eine Absenkung des Seespiegels jederzeit und schnell möglich sein und vieles mehr wurde vorgebracht – und mit viel Nachdruck vorgebracht.<BR /><BR />Bordonetti antwortete der Reihe nach und versuchte, die Bedenken zu zerstreuen. Alle Beteuerungen halfen aber nichts – gar einige Zuhörer waren und blieben sehr skeptisch. Die Vergangenheit im Oberland rund um den Stausee habe dazu geführt, dass man sehr misstrauisch geworden sei, erklärte Bürgermeister Franz Prieth.<BR /><BR />Der Bürgermeister versuchte, eine Art Mittlerrolle einzunehmen. Einerseits habe man mit der Alperia gut zusammengearbeitet und wolle diese jetzt auch viel Geld in die Hand nehmen – andererseits aber müssten schnell weitere Schritte folgen, darunter eine effektive und fortlaufende Information der Bevölkerung.<BR /><BR />„Wir haben nichts zu verbergen“, sagte Bordonetti und sicherte zu, die Informationsarbeit auszubauen. Er betonte, dass die Wassereintritte in der Raika vor einem Jahr nichts zu tun hätten mit den jüngsten Ereignissen und ergänzte, dass man auch nicht unbedingt von Sanierung sprechen könne. Der Betonstollen sei an sich in einem guten Zustand, ein reiner Betonstollen sei aber nie ganz wasserdicht. <BR /><BR />Der Alperia war wichtig, die Sicherheit der Bürger zu betonen. Man arbeite laufend an den Anlagen und tue wirklich alles, um diese sicher zu führen. Es gebe außerdem sehr wohl Gefahrenpläne, welche man aber gegenüber der Öffentlichkeit offenbar nicht ausreichend kommuniziert habe. „Es tut uns leid, dass uns nicht geglaubt wird“, sagte Bordonetti und bat um etwas Geduld. Man werde eine Reihe von Arbeiten durchführen, aber eine nach der anderen.<BR />