Zum Tag der Frau sprach die 63-Jährige im Interview über ihre Erfahrungen, die schönsten Momente und darüber, wie sich die Arbeit im Laufe der Jahre verändert hat.<b><BR /><BR />Frau Mazzucchi, warum haben Sie den Dienst als Polizistin angetreten?</b><BR />Liliana Mazzucchi: Ich war zunächst nur für sechs Monate im Meldeamt der Gemeinde Leifers tätig. Weil ich anschließend ohne Arbeit dagestanden wäre, beschloss ich, an einem gerade ausgeschriebenen Wettbewerb für eine Stelle bei der Stadtpolizei teilzunehmen. Den Dienst trat ich dann am 1. November 1982 an. Es war mehr eine Notwendigkeit als ein großer Traum. Mein Plan war eigentlich, später wieder in irgendein Büro zu wechseln. Doch dazu kam es nicht.<BR /><BR /><b> Bereuen Sie Ihre damalige Entscheidung?</b><BR />Mazzucchi: Nein, ich habe meine damalige Entscheidung nie bereut. Ehrlich gesagt, würde ich jederzeit genau diesen Beruf wieder wählen.<BR /><BR /><b> Wurden Sie als erste weibliche Beamtin der Stadtpolizei in Leifers anfangs belächelt?</b><BR />Mazzucchi: Die Anfangszeit war schwierig. Zum einen wegen meines Alters – ich war erst 19 –, zum anderen gab es damals in Leifers einige einflussreiche Personen, die sich selbst für „kleine Bosse“ hielten. Wenn man diesen Menschen zum Beispiel einen Strafzettel verpassen musste, weil sie falsch geparkt hatten, gab es schnell Streit. Ich habe stets versucht, alle gleich zu behandeln und war deshalb manchmal vielleicht auch etwas strenger, um als junge Frau nicht unterschätzt zu werden. Wahrscheinlich entstand daraus mein Ruf als „die blonde Polizistin, vor der man sich in Acht nehmen muss“.<BR /><BR /><b>Hatten Sie in den letzten Jahren auch noch das Gefühl, als Frau unterschätzt zu werden?</b><BR />Mazzucchi: Nein, das hat im Laufe der Jahre stark nachgelassen. Heute gibt es viel mehr Frauen bei der Polizei und auch bei den Carabinieri. Frauen in Polizeiuniform sind mittlerweile etwas ganz Normales.<BR /><BR /><b> Gibt es auch schöne Erinnerungen, die Ihnen im Gedächtnis geblieben sind?</b><BR />Mazzucchi: Ja, solche Momente gab es. Besonders berührten mich immer die Kinder. Ein Mädchen wollte mal ein Foto mit mir machen und sagte zu mir: „Wenn ich groß bin, möchte ich auch Polizistin werden wie du“. Oder wenn man jemandem in einer schwierigen Situation helfen kann und diese Person später ins Büro kommt, um sich zu bedanken – solche Dinge bleiben im Herzen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1285599_image" /></div> <b>Hat sich die Arbeit als Polizistin mit der Zeit verändert?</b><BR />Mazzucchi: Sehr stark. Die Bürokratie hat enorm zugenommen. Außerdem hat sich der Kontakt mit den Leuten verändert – heute fehlt manchmal etwas Menschlichkeit. Früher war die Arbeit zudem klar und einfach: Schulaufsicht, Verkehrskontrollen, Strafzettel. Heute müssen Polizisten auch in anderen, weitaus gefährlicheren Situationen eingreifen, etwa bei Schlägereien oder häuslicher Gewalt. Dafür braucht man viel mehr Kompetenz und auch das nötige Fingerspitzengefühl.<BR /><BR /><b>Sind die Menschen heute aggressiver als früher?</b><BR />Mazzucchi: Nicht unbedingt aggressiver, aber es gibt heute mehr sinnlose Gewalt. Früher gab es auch Streit, aber meistens aus einem bestimmten Grund. Heute kann es passieren, dass jemand ohne wirklichen Anlass, einfach aus dem Nichts, aggressiv wird.<BR /><BR /><b>Ist eine Ihrer Töchter in Ihre Fußstapfen getreten?</b><BR />Mazzucchi: Nein, keine von beiden. Dennoch sind sie sehr stolz auf ihre Mama. In ihrem Alltag werden meine beiden Töchter allerdings immer wieder als „die Kinder der Polizistin“ angesprochen oder erkannt. Im Laufe der Jahre bin ich offenbar selbst zu einer kleinen Persönlichkeit geworden.<BR /><BR /><b>Würden Sie heute einer jungen Frau den Beruf als Polizistin empfehlen?</b><BR />Mazzucchi: So wie sich die Dinge derzeit entwickeln, eher nicht. Die Richtung, in die sich unser Beruf bewegt hat, gefällt mir persönlich nicht mehr. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich inzwischen älter bin. Aber ich würde es jungen Frauen nicht empfehlen, als Polizistin zu arbeiten. Das habe ich bei meinen zwei Töchtern auch so gehandhabt.<BR /><BR /><b>Am 1. März traten Sie nach über 43 Jahren in den Ruhestand. Überwiegt die Freude oder die Traurigkeit?</b><BR />Mazzucchi: Im Moment eindeutig die Freude. Ich hätte bereits Ende 2023 in Pension gehen können, damals war ich aber noch nicht bereit dazu. Jetzt hingegen habe ich das Gefühl: Ich habe meinen Teil geleistet. Ich bin bereits dabei, einige Reisen zu planen. Vielleicht werde ich den Beruf irgendwann vermissen. Aber im Moment genieße ich meine neue Freiheit.