Eine „harte Zeit“ und auch jetzt muss die junge Frau täglich kämpfen.<BR /><BR /> Mit gerade einmal 20 Jahren musste Silvia Rabanser vor 10 Jahren ins Altersheim, weil sich die familiäre Situation geändert hatte und eine Rundum-Betreuung dort nicht mehr möglich war. Vor 6 Jahren hat die körperlich stark beeinträchtigte Frau dann den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt und um den Beitrag „Selbstbestimmtes Leben und Teilhabe“ angesucht, der nun auch auf Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen ausgeweitet wird.<BR /><BR /><BR />Silvia Rabanser ist heute 30 Jahre alt und lebt in ihrer eigenen Mietwohnung. Sie sitzt im Rollstuhl, ist aber auch darüber hinaus motorisch stark eingeschränkt. „Ich brauche rund um die Uhr Assistenz, bei der Körperhygiene, beim Anziehen, beim Kochen und Einkaufen und vielen anderen Dingen des täglichen Lebens. Schon das Halten einer Wasserflasche ist mir nicht möglich“, schildert sie ihre Beeinträchtigung. Am Computer kann sie jedoch gut arbeiten und hat auch einen Bürojob, derzeit im Homeoffice. <h3> „Das war hart“</h3>Über den Beitrag des Landes ist es ihr möglich, 2 Assistenzpersonen zu beschäftigen – und so weitgehend selbstbestimmt zu leben. „Mit Anfang 20 im Altersheim zu landen, das war hart“, erinnert sie sich. Bei allem musste sie sich nach dem Rhythmus und den Vorgaben im Heim richten. Und auch das Freizeitprogramm ist dort natürlich auf die Bedürfnisse der älteren Heimbewohner ausgerichtet. <BR /><BR />„Es ist auch für Freunde und Verwandte eine große Hemmschwelle, zu Besuch in ein Altersheim zu gehen“, weiß sie. Jetzt, in ihren eigenen 4 Wänden, kann sie Freunde einladen, zusammen kochen oder auch ausgehen. „Ob ich abends um 19 Uhr oder um 20 Uhr oder auch mal um 22 Uhr nach Hause komme, so wie andere junge Leute auch, ist egal. Im Altersheim geht das alles nicht. Da kann man das alles nicht machen“, erinnert sie sich. <BR /><BR />Und so war und ist für sie die Unterstützung durch das Land ein großer Gewinn an Lebensqualität. Es ermöglicht ihr, selbstbestimmt zu leben, so wie man sich das als junger Mensch vorstellt. Selbst zu entscheiden, was beim Essen auf den Tisch kommt, wann und ob und wie lange man ausgehen möchte, Hobbys zu haben, Freunde einzuladen, einfach ein normales Leben zu führen – im Rahmen ihrer körperlich eingeschränkten Möglichkeiten. „Ich bin ganz glücklich, dass ich die Möglichkeit zu einem selbstbestimmten Leben habe. Ein Altersheim, das ist einfach nicht der richtige Ort für mich“, sagt die Südtirolerin. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-53045793_quote" /><BR /><BR /><BR />Einfach sagt sie, war dieser Schritt jedoch nicht. „Das fängt schon bei der Wohnungssuche an. Die Wohnung muss ja zunächst einmal barrierefrei sein, die Räume alle so gestaltet, dass ich mich mit dem Rollstuhl gut darin bewegen kann. Und dann brauche ich ein Zimmer mehr für die Nachtwache. Das war aber bei meinem Schritt in die Selbstständigkeit mit den Vorgaben, etwa für eine Sozialwohnung, nicht wirklich vorgesehen. Man kann aber niemanden auf Dauer jede Nacht auf einem Sofa schlafen lassen. Es braucht dieses zusätzliche Zimmer“, erklärt sie. <BR /><BR />Und dann musste sie sich auch selber darum kümmern, die Assistenzpersonen zu finden. Sie ist Arbeitgeberin und muss entsprechend Lohnbuchhaltung machen. „Dafür gibt es bisher nur einen geringen Zuschuss“, weiß sie. Besonders herausfordernd war dies in der Corona-Pandemie mit wechselnden Bestimmungen, und gerade zu Beginn waren Situationen wie ihre in den Verordnungen gar nicht berücksichtigt. „Es war alles undurchsichtig und unklar“, berichtet sie über die schwierige Zeit. <h3> Kampf mit der Bürokratie</h3>„Ich kann gut verstehen, dass ganz viele Menschen mit Beeinträchtigung davor zurückschrecken und dann eben doch lieber weiter zu Hause bei den Eltern wohnen. Sich selber und das ganze Drumherum selbst zu organisieren, ist schon eine Herausforderung. Auch finanziell: Mit dem Budget zurechtzukommen, ist nicht einfach. Da sind die Gehälter zu bezahlen, aber auch die größere Wohnung, die erhöhten Nebenkosten. Auch die Lebensmittel muss ich für 2 Personen kalkulieren“, erzählt sie. <BR /><BR />Auch die Bürokratie ist nicht ohne, angefangen beim Ansuchen, das jedes Jahr neu zu stellen ist. Und jedes Jahr sind auch die Ziele im Sinne von mehr Selbstständigkeit zu formulieren, die man im kommenden Jahr erreichen will. „Das mag anfangs ganz okay sein, wenn man sich neu in die Situation finden muss. Doch irgendwann hat man sein Limit erreicht. Dann möchte man einfach nur sein Leben leben. Andere Menschen müssen sich ja auch nicht jedes Jahr neue Ziele setzen“, wundert sie sich. <BR /><BR />Dennoch: Zurück ins Altersheim möchte Silvia Rabanser nicht: „Ich bin ganz glücklich, dass ich die Möglichkeit zu einem selbstbestimmten Leben habe. Ein Altersheim, das ist einfach nicht der richtige Ort für mich.“ Gerne würde sie auch anderen Menschen mit Beeinträchtigung den Mut machen, diesen Schritt zu gehen, zumal mit 1. März ja einige Erleichterungen kommen und auch die Zielgruppe ausgeweitet wird.<h3> Eine wichtige Botschaft</h3> „Zudem muss man immer daran denken, dass es einfacher ist, einen solchen Schritt in jungen Jahren anzugehen, da kann man in die Herausforderungen hineinwachsen. Je länger man damit wartet, je älter man wird, desto schwieriger wird es. Doch irgendwann kommt bei allen der Punkt, an dem die Eltern die Betreuung nicht mehr packen“, mahnt sie. <BR /><BR />Und noch eine Botschaft ist Rabanser wichtig: „Es braucht auch unabhängig von der Familie soziale Beziehungen und/oder die Mithilfe etwa der Dorfgemeinschaft. Auch sie können Menschen mit Behinderung bei der Selbstbestimmung unterstützen. Auch ich habe mit der Zeit soziale Kontakte geschlossen, die mich mir bei kleineren Dingen helfen, wie etwa den Einkauf holen oder Schnee räumen.“<BR />