<b>Als erste Frau an der Spitze einer Carabinieri-Station sind Sie Pionierin. Warum hat es denn so lange gedauert, bis es einer Frau gelungen ist, in diese Position zu kommen?</b><BR />Alessia Paolini: Es gibt in Italien bereits Kommandantinnen, in Südtirol bin ich die erste. Frauen sind erst seit 2000 bei den Carabinieri. Wir mussten uns durchkämpfen, zeigen, dass wir genauso stark sind wie Männer. Natürlich ist es auch eine individuelle Entscheidung: Nicht jeder möchte das Kommando übernehmen. Für mich war es wichtig, diese Herausforderung anzunehmen. Es ist ein großer Schritt in der Karriere, ich bin stolz, diese Gelegenheit erhalten zu haben, und versuche, mein Bestes zu geben.<BR /><BR /><b>Wie war das Auswahlverfahren?</b><BR />Paolini: Im vergangenen Oktober wurde die Stelle ausgeschrieben. Ich habe mich beworben und das Hauptquartier in Bozen hat sich für mich entschieden, was mich sehr freut.<BR /><BR /><b>Wie empfinden Sie Ihre Tätigkeit in diesem traditionell eher männlich geprägten Umfeld?</b><BR />Paolini: Die Zusammenarbeit mit den Kollegen ist von großer Professionalität geprägt. Was zählt, ist die gemeinsame Arbeit. Jeder bringt eigene Kompetenzen mit. Bei Einsätzen weiß man grundsätzlich nie, wen man vor sich hat, wie die Menschen reagieren – das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Ich hatte aber noch nie Probleme bei einem Einsatz. Grundsätzlich ist es wichtig, wie man auf die Menschen zugeht. Frauen gelten ja gemeinhin als einfühlsamer als ihre männlichen Kollegen: Gerade Kinder oder Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, können sich manchmal weiblichen Beamten gegenüber leichter öffnen. Das ist ein Vorteil.<BR /><BR /><b>Gibt es Einsätze, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?</b><BR />Paolini: Jeden Tag haben wir mit anderen Problemen zu tun – das geht vom Streit bis zu Gewalttaten. Es gilt regelmäßig, Situationen zu meistern, die man noch nie erlebt hat. Jeder Einsatz hinterlässt Spuren. Was bleibt, sind Zufriedenheit und die Dankbarkeit der Menschen.<BR /><BR /><b>Welche Karriereziele haben Sie?</b><BR />Paolini: Ich bin noch jung, und habe noch einiges vor mir, vielleicht Auslandsmissionen in speziellen Einheiten. Jetzt ist es mir wichtig, diese Aufgabe gut zu erfüllen. Ich lasse alles auf mich zukommen.<BR /><BR /><b>Zur Person:</b><BR /><BR />Kommandantin Alessia Paolini (25)