Wenn sich am Abend die Zugtüren schließen, beginnt eine Reise, bei der nicht die Geschwindigkeit zählt, sondern der Weg selbst. Am Donnerstag, 22. Oktober, ist der „La Dolce Vita Orient Express“ in Rom zu seiner ersten internationalen Fahrt aufgebrochen. Gestern ist der Luxuszug in Istanbul eingetroffen. Fünf Tage und vier Nächte lang führte die Route durch einige der eindrucksvollsten Landschaften Europas – von der Lagunenstadt Venedig über Budapest bis in die rumänischen Karpaten. Die Premiere war ausgebucht. Sie knüpft an die große Tradition legendärer Zugreisen an und interpretiert sie für eine Kundschaft, die sich außergewöhnlichen Komfort einiges kosten lässt.<BR /><BR />In Venedig konnten die Gäste die Kanäle und Paläste erkunden oder Ausflüge in die Lagune unternehmen. Danach ging es weiter in die ungarische Hauptstadt Budapest, bevor der Zug durch die Landschaften Transsilvaniens rollte. Zwischen mittelalterlichen Städten, bewaldeten Bergen und historischen Schlössern lagen Stopps in Brasov und Sinaia. Das Ziel: Istanbul, die Metropole am Bosporus, in der Europa und Asien aufeinandertreffen. Dort warten Moscheen, Kuppeln, Basare und ein pulsierendes Straßenleben auf die Reisenden.<BR /><BR />Doch auch die Zeit zwischen den Stationen soll zum Erlebnis werden. Der Zug versteht sich als rollendes Fünf-Sterne-Hotel und bietet Platz für höchstens 62 Gäste in 31 Kabinen. Zur Wahl stehen zwölf Deluxe-Kabinen, 18 Suiten und die besonders exklusive Suite „La Dolce Vita“. Für die Gestaltung zeichnet das Mailänder Designstudio Dimorestudio verantwortlich. Geometrische Formen, edle Materialien und harmonisch abgestimmte Farben greifen die glamouröse italienische Designwelt der 1960er- und 1970er-Jahre auf. Anklänge an die Architekturgrößen Gio Ponti und Gae Aulenti verbinden nostalgischen Charme mit zeitgemäßem Luxus.<BR /><BR />Auch kulinarisch soll die Reise höchsten Ansprüchen genügen. Verantwortlich für das gastronomische Konzept ist Heinz Beck, deutscher Spitzenkoch mit drei Michelin-Sternen. Seine Menüs orientieren sich an der mediterranen Küche und setzen auf saisonale Zutaten, leichte Gerichte und regionale Spezialitäten. Die Küche soll die kulturelle Vielfalt der durchquerten Länder aufgreifen und damit einen wesentlichen Teil des Reiseerlebnisses ausmachen. Musik an Bord und ein aufwendiger Service runden das Angebot ab.<h3>Luxus mit einem stolzen Preis</h3>Der Genuss hat allerdings seinen Preis. Für die Fahrt von Rom nach Istanbul werden in einer Deluxe-Kabine bei Doppelbelegung rund 20.000 Euro pro Person fällig. Eine Suite kostet etwa 27.200 Euro pro Person. Für zwei Reisende summiert sich die Fahrt damit auf rund 40.000 beziehungsweise 54.400 Euro. Das Angebot richtet sich folglich an ein exklusives Publikum, für das nicht nur das Reiseziel, sondern auch die Art des Ankommens zählt.<BR /><BR />Am 30. Oktober soll der Luxuszug von Istanbul wieder Richtung Rom aufbrechen – diesmal auf einer anderen Route. Über Bulgarien, Rumänien, Wien und Venedig führt die fünftägige Reise zurück nach Italien. So wird auch die Heimfahrt zur exklusiven Entdeckungsreise durch Südosteuropa. Die Rückreise ist nicht im Ticketpreis enthalten.<BR /><BR />Entwickelt wurde der Zug von der italienischen Arsenale-Gruppe gemeinsam mit der Marke Orient Express, die zum französischen Hotelkonzern Accor gehört. Die logistische Unterstützung übernimmt Trenitalia. Der neue Zug ist allerdings nicht mit dem historischen Orient-Express gleichzusetzen, der 1883 erstmals von Paris in Richtung Konstantinopel fuhr. Vielmehr greift das Projekt den Mythos luxuriöser Bahnreisen auf und übersetzt ihn in ein italienisch geprägtes Konzept.<BR /><BR />Für Arsenale ist die Verbindung nach Istanbul mehr als ein Prestigeprojekt. Das Unternehmen baut sein internationales Geschäft aus und will eine Plattform für luxuriöse Bahnreisen rund um den Globus schaffen. Im September gab die Gruppe den Erwerb einer strategischen Beteiligung von 33 Prozent am vietnamesischen Anbieter SJourney bekannt. Dieser organisiert mehrtägige Zugreisen zwischen Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt. Zuvor hatte Arsenale bereits den britischen Anbieter Golden Eagle Luxury Trains übernommen.<BR /><BR />Weitere Projekte sind in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Usbekistan und Ägypten geplant. Die Expansion soll anspruchsvollen Reisenden außergewöhnliche Zugerlebnisse in unterschiedlichen Regionen der Welt eröffnen. Auch finanziell rüstet sich die Gruppe für diesen Kurs: Zur Finanzierung ihrer Wachstumspläne platzierte sie eine Anleihe über 300 Millionen Euro an der Wiener Börse.