Landesrat Philipp Achammer verhandelt nun mit Ministerin Anna Maria Bernini, damit sich das ändert: Wer einen Meistertitel hat, soll an der Uni Bozen ein branchenspezifisches Bachelorstudium absolvieren können. Ziel ist es, dies im Bildungsgesetz zu verankern – ohne dass Rom es anficht.<BR /><BR />Der Meistertitel wird nur in Südtirol verliehen, weil es nur hierzulande das – aus dem deutschen Sprachraum stammende – duale Ausbildungssystem gibt. Obwohl Südtirol bereits 2018 den Antrag gestellt hatte, gelang somit erst im März dieses Jahres der Durchbruch: Rom gab grünes Licht, dass Südtirols Meistertitel dem Niveau 6 des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) zugeordnet werden kann. <BR /><BR />Allerdings bedeutet EQR nicht, dass ein Meister den akademischen Bachelor tatsächlich hat. „EQR ist eine Wertigkeitsskala, auf welcher der Meister auf derselben Ebene wie ein Bachelor eingestuft wird. Der akademische und der berufsbildende Weg sind gleich viel wert. Das bedeutet aber nicht, dass der Meister tatsächlich einen Bachelor hat“, so Landesrat Achammer. Allemal sei es eine massive Aufwertung praktischer Berufe.<BR /><BR />Was will Südtirol daraus machen? Erstens, dass die Einstufung EQR 6 im öffentlichen Dienst geführt wird, d.h. ein Meister gleich bezahlt wird wie ein Bachelorabsolvent. „In den Berufsfachschulen, wo Meister oft als Fachlehrer arbeiten, ist dies bereits der Fall. In den anderen Bereichen sind wir zum Teil noch dabei, es zu regeln“, sagt Achammer. <h3> Meistern ohne Matura ein Hochschulstudium an Universität ermöglichen</h3>Schritt zwei ist ein Hochschulzugang mit Meistertitel. „Meister haben zum Teil im deutschsprachigen Raum bereits die Möglichkeit, ein Uni-Studium zu absolvieren, ohne ein Abitur zu haben“, so Achammer. Ziel wäre, Südtiroler Meistern ohne Matura ein fachspezifisches Hochschulstudium an der Universität Bozen zu ermöglichen. „Warum soll ein Kochmeister keinen Bachelor in Gastronomie machen, ein Tischlermeister nicht Design studieren oder ein Mechatronikmeister nicht Ingenieurwissenschaften?“, sagt Achammer.<BR /><BR /> Bei Ministerin Anna Maria Bernini hat Achammer vorgefühlt. Sie sehe es positiv, weil es eine Aufwertung des berufsbildenden Weges wäre. „Jetzt, nach der Einstufung EQR 6, wäre es nur konsequent, weshalb ich ihr den Vorschlag schriftlich unterbreitet habe“, sagt Achammer. Demnach würde das Land eine eigene Bestimmung erlassen, wonach Meister nur an der Uni Bozen und nur bereichsspezifisch studieren können. Gelegenheit bietet das Bildungsgesetz, welches im Frühling in den Landtag kommt. „Die Zusage, dass Rom so einen Gesetzesartikel nicht anficht, ist noch nicht da, aber ich möchte es unbedingt erreichen“, so Achammer.<BR /><BR />Zuversichtlich, dass es klappt, ist der Vorsitzende des Meisterbundes, Obermeister Horst Pichler. „Dass Meister eine Oberschule nachholen und die Matura ablegen müssen, sollte für den Besuch der Universität Bozen vorbei sein.“ Und was sagt die Uni Bozen? Die wäre laut Achammer voll dafür: „Meister brächten neuen Schmiss aus der Praxis heraus in Studien, zum Beispiel Tischler bei einem Designstudium“. <h3> 6.671 Meister im Handwerk und 428 Handelsfachwirte</h3> In der Südtiroler Meisterrolle sind 6.671 Handwerker mit Meisterbrief angeführt. 428 haben die Ausbildung zum Handelsfachwirt. In Deutschland hat jeder mit Meister- oder Handelsfachwirt-Diplom Zugang zu allen Hochschulen und Unis. </TD><TD><BR /><BR />In Österreich gibt es mit Meisterdiplom keinen direkten Zugang zu Universitäten oder Hochschulen. Wer ein fachgebundenes Studium wählt, kann aber damit rechnen, dass Teile oder gar die ganze Studienberechtigungsprüfung erlassen werden. In der Schweiz entscheidet jede Hochschule autonom über die Aufnahmebedingungen.