Die Bozner Jugend genießt den Sommer in vollen Zügen: Es wir gefeiert und gefetet bis zum Abwinken. Damit haben nicht alle ihre Freude. Die Proteste wegen der Lärmbelästigung und der Ruf nach Maßnahmen dagegen, werden immer lauter. SVP-Gemeinderat Sebastian Seehauser bezeichnet dies als „scheinheilige Diskussion“. <BR /><BR />Ungewohnt konsequent will die Gemeindeverwaltung gegen die nächtlichen Partys vorgehen. Mittlerweile ist nicht mehr nur der Obstmarkt ein beliebter Treffpunkt feierwütiger Jugendgruppen, sondern auch beim Pippo-Stage im Petrarca-Park geht es laut zu. So laut, dass weit entfernt wohnende Bürger schlaflose Nächte erleben. <BR /> „Es steht außer Zweifel, dass die Spielregeln eingehalten werden müssen und Anrainer ein Recht auf ihren Schlaf haben“, meint SVP-Gemeinderat Sebastian Seehauser. Dass aber wie jüngst von seiner Parteikollegin Paula Aspmair gefordert, das Militär zum Einsatz kommen soll um z.B. Partys am Obstmarkt zu verhindern, geht ihm dann aber doch zu weit. Unter dem Deckmantel der Anti-Corona-Maßnahmen wolle man gegen die Jugendlichen vorgehen. „Wenn täglich Touristenmassen über den Obstmarkt rennen, dann ruft auch niemand nach dem Militär. Das ist doch scheinheilig“, sagt er. <BR /><BR /><BR /><BR /> Seit mehr als 10 Jahren koche die Diskussion wegen der Partyjugend hoch, über Alternativangebote habe sich bislang aber noch niemand Gedanken gemacht. Das ein Bedarf besteht, an Orten wo die Jugend feiern kann und niemanden wirklich stört, ist laut Seehauser doch offensichtlich. „Anstatt Private zu fördern, die etwas organisieren möchten, werden ihnen noch bürokratische Prügel in den Weg gelegt.“ Er erinnert auch an das Projekt KuBo in Bozen-Süd, das bekanntlich kläglich gescheitert ist, oder an die Halle 23 in Schlachthofstraße die mittlerweile abgerissen wurde. Discos sind ebenfalls seit eineinhalb Jahren geschlossen. „Dass die Jugend endlich wieder raus und leben will ist doch mehr als verständlich“, meint er. Immer nur die Verbotskeule zu schwingen ist in seinen Augen der falsche Weg. <BR /> „Ich bin für glasklare Regeln. Ich stehe auf der Seite der Anrainer, die ihre Ruhe haben wollen. Ich bin aber auch der Meinung, dass es ein miteinander geben kann. Alle wollen lebendige Innenstädte, wenn aber nur mehr Verbote gelten, dann sehe ich schwarz“. <BR /><BR /> „Exekutive muss die Einhaltung der Regeln kontrollieren“ <BR /><BR />„Ich bin eine Pippo-geschädigte Anrainerin und leide wie anscheinend viele andere Nachbarn auch unter den nächtlichen Umtrieben rund um diese neue Partymeile“, schreibt Evi Keifl in einem Mail an die Redaktion. Es sei so, dass sich die Party an den Wochenenden bis weit in die Morgenstunden hineinziehe, „den Geräuschpegel hören wir bis in die Guntschnastraße als dumpfes Stimmengewirr von Hunderten Menschen.“ Was aber wirklich zu schlaflosen Nächten und verzweifelten Anrufen bei der Polizei führt, sind die Heimkehrer, die sich noch stundenlang in der Cadornastraße und den Seitenstraßen herumtreiben, in Auto-Corsos und zu Fuß, schreiend, grölend, singend, berichtet sie. Neue Verbote seien nicht notwendig, meint Keifl, „wichtig wäre jedoch, dass die Exekutive die Einhaltung der bestehenden Regeln kontrolliert.“ <BR />