Wie Patronatsdirektorin Elisabeth Scherlin bei der Feier zum 80-jährigen Jubiläum des Patronats KVW-ACLI erklärte, sei das Patronat nicht nur eine Anlaufstelle für Vor- und Fürsorgeleistungen wie Arbeitslosengeld, Rente oder Familiengeld, sondern auch eine Institution mit gesamtgesellschaftlicher Relevanz. <BR /><BR />„Die Patronate betreuen Menschen aus allen Berufsgruppen, unabhängig von Herkunft oder Religionszugehörigkeit“, so Scherlin.<h3> KI kann Arbeit des Patronats nicht ersetzen</h3>Wurden zu Beginn noch große Mengen an Akten im Papierformat bearbeitet, steht die Arbeit des Patronats heute vor allem im Zeichen der Digitalisierung. In diesem Zuge wurde auch die Daseinsberechtigung der Patronate in Zeiten von Künstlicher Intelligenz thematisiert. Wie Patronats-Präsidentin Margareth Fink betonte, könne KI die Informationssuche für Bürgerinnen und Bürger sicherlich vereinfachen. <BR /><BR />„Die Aufklärung und Filterung dieser Informationen wird aber weiterhin Aufgabe der Patronate bleiben“, so Fink. Gleichzeitig sei das Leistungsangebot in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Aktuell werden über 100 Leistungen im Auftrag der Ministerien sowie zahlreiche Regional- und Landesleistungen in vielen Fällen kostenlos abgedeckt. Um in der Beratung am Puls der Zeit zu bleiben, stehe das Personal jedoch vor vielen Herausforderungen. „Menschen sind anspruchsvoller und ungeduldiger geworden. Verständnis und Solidarität für dringendere Fälle kommen manchmal zu kurz“, erklärte Fink. <h3> Digitalisierung als Herausforderung</h3>Wie mit solchen Herausforderungen umgegangen werden kann, wurde bei einer Diskussionsrunde mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und den Patronaten thematisiert. Sonja Vigl, Wissenschaftlerin bei Eurac Research und Leiterin einer Studie zu Patronaten und der öffentlichen Verwaltung, sieht vor allem in der Digitalisierung großes Verbesserungspotenzial. Oft würden Systemzugänge fehlen und es gebe keinen ausreichenden Einblick in Daten. „Dennoch befindet man sich auf einem guten Weg“, so Vigl. <BR /><BR />Auf politischer Ebene betonte die ehemalige Regionalassessorin für Sozialfürsorge Martha Stocker vor allem die Relevanz, Menschen anzuhören, Weichen in der öffentlichen Verwaltung zu stellen und Kompromisse zu finden. „Außerdem müssen Leistungen stärker honoriert werden, und das Verständnis muss sich dahin gehend ändern, dass Leistungen eben auch etwas kosten können“, gab sie zu bedenken. Auch Landesrätin Rosmarie Pamer unterstrich die Relevanz der Patronate als soziale Anlaufstellen. Intermediäre Unterstützung bei Verwaltungsprozessen werde angesichts zunehmend komplexer werdender Verwaltungsprozesse nicht nur von Älteren benötigt, sondern von allen.<h3> 3 Fragen an Werner Steiner, Landesvorsitzender KVW</h3><b>Das Patronat KVW-ACLI begleitet Menschen seit 80 Jahren. Welche Rolle spielt es für die soziale Absicherung der Bürger?</b><BR />Werner Steiner: Es geht beim Patronat hauptsächlich darum, dass die Menschen erfahren, welche Unterstützungsangebote es gibt. Viele Menschen kommen mit einem Anliegen und gehen oft mit mehreren Lösungen nach Hause – dann haben wir unsere Arbeit gut gemacht.<BR /><BR /><b>Was sind die größten Herausforderungen?</b><BR />Steiner: Digitalisierung ist sicherlich ein spannendes Feld, muss aber zuverlässig funktionieren. Auch Sprachbarrieren sind eine wachsende Herausforderung. Deutsch, Italienisch, Englisch und Französisch funktionieren noch gut, darüber hinaus wird es schwierig. Beratungsgespräche dauern sehr lange und es muss ein Vermittler eingeschaltet werden. Hier gibt es Verbesserungspotenzial.<BR /><BR /><b>Wie versucht das Patronat, seine Beratung am Puls der Zeit zu orientieren?</b><BR />Rizzi: Eine Beratung am Puls der Zeit entspricht auch dem Anliegen der Bevölkerung. Die Menschen müssen die Dienste nutzen und wissen, dass sie Hilfe bekommen. In vielen Orten werden Leistungen automatisch an Bürger weitergegeben, in Italien ist das nicht so. Deshalb ist es wichtig, dass man über die Unterstützungsmöglichkeiten informiert.