Elisabeth Niedermair Ortner ist zweifellos die Seele dieses unvergleichlichen Geschäfts, das den Meraner Lauben Charakter verleiht. Erzählt sie von Kerzen, Kunden und der Tradition, die sie mit dem Advent verbindet, flackern ihre Augen. <BR /><BR />„Man glaubt nicht, in wie vielen Haushalten es einen Adventkranz gibt. Den Leuten ist er etwas sehr Wichtiges, fast wichtiger als der Christbaum. Manche bringen einen Thun-Kranz mit, manche einen Kranz aus Messing oder einen frisch gewundenen Kranz aus Zweigen und dann werden die Kerzen ausgesucht“, erzählt sie. <BR /><BR />Am Adventkranz in der Kirche brennen 3 violette und eine rosa Kerze. „Die rosa Kerze steht für den dritten Adventsonntag fürs Gaudete, die Vorfreude auf Weihnachten“, weiß die Kerzenfachfrau. Manche Kunden kauften 3 helle und eine dunkle Kerze, andere 3 Grüne und eine Gelbe. „Es gibt eben Kunden, die brauchen jedes Jahr etwas anderes und jedes Jahr eine andere Farbe. Aber warum sollen nicht alle das haben, was sie wollen?“, sagt sie. <h3> Kindheitserinnerungen sind wichtig</h3>Im Hause Ortner kommen hingegen immer nur rote Kerzen auf den Kranz. Elisabeth Niedermair Ortner ist ein Nachkriegskind. „Wir hatten nichts übrig, litten aber auch nicht Not. Mein Vater hat aus alten Gummireifen einen Kreis gemacht, mit ,Tasn‘ verziert und dann kamen 4 rote Kerzen drauf. Mehr gab es nicht, auch in den Geschäften nicht“, erzählt sie und ihr Gesicht strahlt. <BR /><BR />Kindheitserinnerungen seien nachhaltig, ist sie überzeugt. „Ich glaube, Kinder möchten am liebsten immer denselben Adventskranz, denselben Christbaum, das Zusammensitzen, das Kerzen anzünden. Eine Familie hat ja nur mehr wenige Gelegenheiten, in Stille zusammenzusitzen, ohne Handy – höchstens am Sonntag. Deswegen bin ich gegen die Sonntagsarbeit“, merkt die Mutter zweier Söhne nebenbei an.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="970063_image" /></div> <BR /><BR />Früher seien Kerzen noch viel wichtiger gewesen als heute. „Es gab nicht die Helligkeit, die wir jetzt haben. Damals waren die Kerzen dünn. Da gab es keine Stumpen. Mit dem Wohlstand wurden auch die Kerzen dicker und alles opulenter“, sagt sie und lacht herzhaft. Mittlerweile sei man aus modischen Gründen bei den Spitzkerzen angelangt. „Ich mag die bunte Vielfalt im Geschäft, im Privaten bin ich eine Traditionalistin und Minimalistin“, gesteht sie.<BR /><BR />Auch der Christbaum oder genauer gesagt der Christbaum-Schmuck gehe mit der Mode. „Ende der 1970-er und in den 1980-er Jahren, in denen es den Leuten plötzlich so gut gegangen ist, da erinnere ich mich, hat eine Kundschaft sogar ein Stück Teppich des Wohnzimmers mitgebracht, damit der Christbaumschmuck zum Teppich passt. Da geht es nicht mehr um den Christbaum, sondern um die Schau. Aber das ist schon besser geworden“, fügt sie hinzu. <BR /><BR />Auch bei anderen kirchlichen Festlichkeiten sei das manchmal so: bei Grabkerzen an Allerheiligen oder bei Hochzeitskerzen, die mitunter der Hochzeitsplaner aussuche. Da gehe auch gelegentlich der Schein vor, was ihr zu denken gebe.<BR /><BR /><embed id="dtext86-62411788_quote" /><BR /><BR /> Echt sei hingegen der Glanz in den Augen jener Kinder, die Jahr um Jahr in den Laden kommen und sich ein Stück Christbaum-Schmuck aussuchen dürfen: ein „Vogele“, eine Glocke, eine mundgeblasene Christbaum-Kugel, einen Pinocchio, einen Schneemann und anderes mehr. „Ich mag Kinder so oder so und liebe es, wie ihre Augen leuchten, wenn sie ein Stück aussuchen“, sagt sie. Auch ihre Enkel durften bzw. dürfen jedes Jahr nur 2 aussuchen. „Dabei hätten wir Christbaumschmuck im Überfluss.“ Detail am Rande: Christbaum-Schmuck, der in der Vorweihnachtszeit verkauft wird, wurde bereits im Jänner eingekauft.<BR /><BR />Aber zurück zu den Kerzen: Warum lieben Menschen Kerzenlicht? „Ich glaube, weil es ein lebendiges Licht ist. Wenn ich nur 5 Minuten habe, schaue ich gerne in die Flamme, sie hat für mich etwas Faszinierendes, etwas Meditatives“, sagt sie. Ein Advent ohne Kranz und Kerzenschein ist für Elisabeth Niedermair Ortner unvorstellbar.