Impagnatiello, der frühere Partner des Opfers, war in den ersten beiden Instanzen bereits zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Richter der ersten Strafkammer des Kassationsgerichts bestätigten am Mittwoch dieses Urteil grundsätzlich, gaben jedoch dem Antrag der Generalstaatsanwaltschaft statt, die Anerkennung des Vorbedachts neu zu bewerten. Einen Einspruch der Verteidigung gegen die Einstufung der Tat als besonders grausam wies das Gericht zurück.<BR /><BR />Der Anwalt der Familie Tramontano, Nicodemo Gentile, begrüßte die Entscheidung. Der Angeklagte habe ohne Empathie und mit „kalter Entschlossenheit“ gehandelt. Es habe sich nicht um eine spontane Tat, sondern um eine bewusst geplante Tötung gehandelt, so der Jurist.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1298817_image" /></div> <BR />Die Verteidigerin von Alessandro Impagnatiello, Giulia Geradini, erklärte, sie besuche ihren Mandanten regelmäßig im Gefängnis in Pavia. Zur Frage des Vorbedachts, erklärte die Strafverteidigerin, sei diese bereits im Berufungsverfahren ausgeschlossen und „ausführlich sowie korrekt begründet“ worden. Sie sehe keine Grundlage dafür, dass dieser erschwerende Umstand in einem neuen Verfahren anerkannt werde.<BR /><BR />Auch die Einstufung der Tat als besonders grausam wies die Anwältin zurück. Sie sei „fest davon überzeugt“, dass es dafür keine ausreichenden Anhaltspunkte gebe. Stattdessen gebe es Gründe, mildernde Umstände anzuerkennen. Eine entsprechende Abwägung würde sich erheblich auf das Strafmaß auswirken, so die Verteidigerin.<h3> Narzisstische Persönlichkeitsstörung</h3>In 59 Seiten hatten die Berufungsrichter in ihrer Urteilsbegründung erklärt, dass Impagnatiello den Mord an Giulia nicht geplant habe. Erst als er erkannt habe, dass Giulia und die Frau, mit der er eine parallele Beziehung führte, ihn enttarnt hatten, habe er Tramontano mit tödlichen Messerstichen angegriffen. Giulia wurde im Mai 2023 in ihrer Wohnung mit 37 Messerstichen überfallen und getötet. Bei Impagnatiello wurde von Psychiatern eine narzisstische Persönlichkeitsstörung festgestellt<BR /><BR />Nach Ansicht der Richter habe er spätestens seit Dezember 2022, als er von Giulias Schwangerschaft erfuhr, den Gedanken gehegt, das ungeborene Kind loszuwerden. Diese „kriminelle Absicht“ sei in den folgenden Monaten gereift, insbesondere während er eine heimliche Beziehung zu einer englischen Kollegin führte - die weder von Tramontano noch von deren Schwangerschaft wusste. Giulia hingegen erfuhr erst in ihren letzten Lebenstagen von dieser Parallelbeziehung. <BR /><BR />Giulia Tramontano wurde am 27. Mai 2023 ermordet - am selben Tag, an dem sie sich mit der jungen Engländerin getroffen hatte. Die beiden Frauen hatten gemeinsam die Lügen aufgedeckt, mit denen Impagnatiello sie getäuscht hatte.