<b>Von Christoph Höllrigl</b><BR /><BR />Mal ist es der Saisonskipass des Kollegen, mal der Mehrtagesskipass der Mutter oder Tochter. Der betrügerische Hintergedanke ist aber immer derselbe: Es wird ein persönlicher Skipass für die Liftanlagen genutzt, der eigentlich auf eine andere Person zugelassen wurde. <BR /><BR />Beim Verbund „Dolomiti Superski“ sind z.B. Saisonskipässe, aber auch die „My Dolomiti Card“ (für Tages- <?Uni SchriftWeite="96ru"> und Mehrtagesskipässe) personenbezogen.<?_Uni> „Die Leute sind zum Teil recht fahrlässig“, berichtet Marco Pappalardo, Marketing-Direktor von „Dolomiti Superski“, von so mancher Skipass-Betrugsepisode auf heimischen Skipisten. „Die denken sich: Ach, mit Helm, Brille und Skiausrüstung werden sie wohl nicht draufkommen.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1140900_image" /></div> <BR /><BR />Wie verbreitet das Phänomen des „Schwarzfahrens“ auf weißem Untergrund hierzulande ist? „Das ist pauschal schwer zu sagen“, betont Pappalardo im Hinblick auf die zwölf Skigebiete, die der Verbund „Dolomiti Superski“ umfasst (von Gröden über Kronplatz bis hin zum Gebiet „3 Zinnen“). Das liege einerseits an unterschiedlichen Kontrollformen, andererseits an verschiedenen Intensitäten und Frequenzen in den jeweiligen Skigebieten. „Ich schätze aber, dass das Phänomen letzthin immer in etwa auf gleichem Niveau lag“, so Pappalardo.<BR /><BR /><h3> Neue Technologien erlauben bessere Kontrolle</h3>Gegen eine langfristige Zunahme spreche vor allem, dass ein derartiger Betrug vor 20 Jahren leichter möglich war und deshalb wohl häufiger stattgefunden habe, „weil die Karten oft noch nicht persönlich waren – wobei das Übertragen an eine andere auch damals schon verboten war.“ Nicht zuletzt sei den Skifahrern durchaus bewusst, dass die Kontrollmechanismen heutzutage durchaus ausgeklügelter seien. Insofern unterstreicht der Marketing-Direktor von „Dolomiti Superski“: „Dieses Problem hat es immer schon gegeben. Dank der Technologie sind wir jetzt aber in der Lage, sehr tiefgründig zu kontrollieren – nicht nur durch Stichprobenkontrollen, sondern auch mit entsprechenden Kamerasystemen, die in den Skigebieten der Dolomiten recht verbreitet sind.“<h3> So arbeiten die Kameras – und das sind die Konsequenzen</h3>Das Grundprinzip hinter der Technologie: Im Laufe des Tages oder mehrerer Tage werden bei Aktivierung am Drehkreuz Fotos gemacht. Mitarbeiter können dann die Bilder bei Bedarf (z.B. in gezielten Kontrollphasen) vergleichen. Ist die Abweichung offensichtlich, „wird der Skipass im Hintergrund blockiert. Er funktioniert dann einfach nicht mehr, und die Person kann die Liftanlagen nicht mehr nutzen“, erklärt Pappalardo.<BR /><BR />In den meisten Fällen suchten die Ertappten dann das Weite. Es gebe aber durchaus auch Personen, die sich im Anschluss bei den Ticketbüros über den blockierten Skipass aufregten. Dann würden Beweisfotos vorgelegt und – wenn jemand hart bliebe – auch Anzeige erstattet. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) heißt es dazu: „Jeglicher Missbrauch kann gerichtlich geahndet werden: Der Rechtsweg mit sämtlichen, eventuell nötigen Klagen zur Feststellung strafrechtlicher (z.B. Betrug – Art. 640 ital. StGB) oder zivilrechtlicher Haftung des Übertreters bleibt vorbehalten.“ <BR /><BR />Eine empfindliche Strafe – wie in Schweizer Skigebieten üblich (200–500 Franken) – ist hingegen in den AGB von „Dolomiti Superski“ nicht vorgesehen, erläutert Pappalardo.<h3> Auch in der „Ortler Skiarena“ werden die Skipässe gesperrt</h3>Ähnliches berichtet Erich Pfeifer, Präsident der Seilbahnen Sulden <?Uni SchriftWeite="96ru"> und des Verbunds „Ortler Skiarena“.<?_Uni> So wird in den dazugehörenden 15 Skigebieten (von Schöneben über Meran 2000 bis Ladurns) ebenso keine Geldstrafe verhängt, wenn jemand beim „Schwarzwedeln“ erwischt wird. Mitarbeiter beobachten laut Pfeifer in der Regel live per Kamera am Drehkreuz, ob die durchgehende Person mit dem Bild auf dem Saisonskipass übereinstimmt (personenbezogen sind in der „Ortler Skiarena“ ausschließlich Saisonskipässe). <BR /><BR />„Gibt es einen Missbrauch, wird der Pass eingezogen bzw. gesperrt, und das Drehkreuz geht nicht mehr auf“, so Pfeifer. Was die Häufigkeit des Phänomens angeht, spricht er von „vereinzelten Fällen“ pro Saison. Was Pfeifer allerdings feststellt, ist, „dass der Missbrauch eher im Frühjahr stattfindet. Ab Mitte März wollen manche gar nicht mehr Ski fahren und geben die Pässe dann weiter. Wird er eingezogen, ist es ihnen egal.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1140903_image" /></div> <BR /><BR />Bei den anderen Pässen – etwa Sechs-Tages-Karten oder Tageskarten – gebe es keine Kontrollmöglichkeiten, weil diese in der „Ortler Skiarena“ nicht personenbezogen seien. Aber man gehe von einer marginalen Missbrauchsquote aus. Denn, so fragt Pfeifer: Wer fahre schon zu zweit nach Sulden, damit der eine am Vormittag und der andere am Nachmittag Ski fahren kann?<h3> US-Amerikaner arbeiten bereits mit KI-Unterstützung</h3>Bei der Auswertung der Kamerabilder wird in den USA bereits auf künstliche Intelligenz (KI) gesetzt, weiß Marco Pappalardo. Im Hintergrund läuft hier ein System, das die Bilder automatisch vergleicht. Sind die Abweichungen zu groß (z.B. bei Helm, Brille, Skianzug, Größe, Geschlecht, Frisur, Bart usw.), schlägt das System an. Ein Mitarbeiter, der Fotos gezielt vergleicht – wie hierzulande üblich – ist dann nicht mehr notwendig. „In Italien ist das aus datenschutztechnischen Gründen noch nicht möglich“, erklärt Pappalardo. Das dürfte sich aber in den nächsten Jahren ändern. Der Skipassbetrug durch Weitergabe personenbezogener Tickets dürfte künftig also – dank künstlicher Intelligenz – immer schwieriger werden.