Es war 2018, als Stefan Haller das erste Mal ins äthiopische Hochland reiste. Gerufen von Dr. Toni Pizzecco vom Hilfsverein Südtiroler Ärzte für die Welt, der in Attat bekanntlich ein Krankenhaus betreut. „Die Hilfsorganisation ,Help for life‘ hatte eine Käserei-Anlage geschickt und hingestellt – und damit war der Fall erledigt. Und so hat Toni Pizzecco mich gerufen“, erzählt Haller. <BR /><BR />So war es Käserei-Profi Stefan Haller, der vor 6 Jahren begann, alles von der Pike auf zu planen. Denn es galt nicht nur eine Käserei zu bauen, sondern auch einen Stall. „Den Stall haben die Einheimischen gebaut. Das Problem dort ist, dass die jungen Menschen zwar eine Schulausbildung bekommen, aber danach im landwirtschaftlichen Gebiet keine Arbeit haben“, benennt Haller das Hauptproblem.<BR /><BR />Das Gebiet befindet sich in 2700 bis 3300 Metern Meereshöhe – nachts kühlt es auf 10 Grad ab, untertags wird es 30 Grad heiß. „Die Menschen leben noch in Holzhütten, sogenannten Tukuls, ohne fließend Wasser. In der einen Hälfte des Tukuls wohnen die Menschen, in der anderen sind meist 2 Kühe und 4, 5 Ziegen untergebracht“, schildert Stefan Haller die Lebensumstände auf dem Land.<BR /><BR />So ging es dann an die Planung der kleinen Käserei. „Allerdings konnte ich in der Pandemie eineinhalb Jahre nicht hinunterfahren, um dahinterzubleiben. Die Grundfinanzierung für die Käserei sicherten alle Südtiroler Milchhöfe mit 30.000 Euro sowie weitere Spender mit 50.000 Euro. Im Frühjahr 2022 konnten die Maschinen für die Käserei endlich installiert werden, im November 2022 dann die feierliche Inbetriebnahme und die Schulung 2er Käser“, erzählt der Algunder Sennerei-Geschäftsführer.<BR /><BR />Im Stall, der in der Zwischenzeit auch errichtet wurde und sich 15-Dreirad-Minuten von der Käserei entfernt befindet, stehen 40 Kühe. „Die Kühe sind kleiner als unsere und geben nicht viel Milch, – so 5, 6 Liter am Tag“, sagt Haller. Damit gilt es in der Sennerei täglich rund 200 Liter zu Frischkäse zu verarbeiten. „Daraus werden 10 bis 12 Kilo Frischkäse gemacht. Ein sehr guter Käse, für den sie genug Abnehmer haben.“ Frischkäse, der mit Peperoni oder Zwiebel verfeinert wird. Auch eine bunte Schmucketikette haben die Hallers entworfen. <BR /><BR />2023 in den Herbstferien begleitete Sohn Jakob erstmals seinen Papi nach Gurage zu seinen Schützlingen. „Ich merkte dann schnell, dass Jakob zu den jungen Menschen den besseren Zugang hatte als ich. Vielleicht haben sie mir gegenüber zu großen Respekt und waren eben ein ,bissl‘ distanzierter. Jakob hat die volle Aufmerksamkeit. Ab da habe ich Jakob machen lassen“, sagt Vater Stefan. <BR /><BR />Jakob Haller hat die FOS besucht, Fachrichtung Sport und Ernährung, und hat in den Ferien immer wieder in der Algunder Sennerei gejobbt. „Man kann sie fördern, aber darf sie nicht stressen. ,Kas ba Kas‘ heißt das bei ihnen, das bedeutet so viel wie Schritt für Schritt“, sagt Jakob Haller – was könnte schon besser zum „Kasn“ passen. Jakob hat bereits ein wenig die Sprache der Einheimischen gelernt. „Jakob redet sonst mit ihnen Englisch und ich, wer es versteht, Italienisch“, sagt Stefan Haller. <BR /><BR />Mittlerweile sind Vater und Sohn Haller dort eingemeindet. Jakob ministriert bei der Messe, die 2 Stunden dauert, mit dem Pfarrer sind sie befreundet. „Wir haben sogar eine Stammkneipe, wo wir ein Bier trinken gehen“, sagt Vater Haller. Sonst verirre sich kein Mensch in diese Gegend, Touristen sehe man keine.<BR /><BR />Wenn Stefan und Jakob nach Äthiopien reisen, haben beide insgesamt 92 Kilo Fluggepäck bei sich. In den Koffern Dinge, die die Menschen unten gut brauchen können wie Medikamente, gebrauchte, aber gute Handys, Schlappen und und und. Auch die Vakumiermaschine, die sie unten zum Verpacken der Käselaibe brauchen, hat Stefan Haller mitgebracht.<BR /><BR />Aber nicht immer ist die Ausfuhr von Hilfsgegenständen einfach. „Im Februar 2023 wollte ich ein Entkalkungsgerät für die Waschmaschine und den Autoklav im Spital in Attat mitbringen. Wir saßen schon im Flieger in Mailand Malpensa, als ich plötzlich von 2 Polizisten aus dem Flugzeug abgeführt wurde. Da war mir nicht mehr wohl und das restliche 8-köpfige Team hat geweint. Am nächsten Tag durfte ich nachreisen, aber ohne Entkalkungsgerät. Denn auf dem Bild des Gepäckscanners sah das Entkalkungsgerät wie eine Bombe aus“, erzählt Stefan Haller. Beim zweiten Versuch im Herbst 2023 hat er das Gerät angemeldet. <BR /><BR />Wohnen können die beiden bei ihren Hilfsaufenthalten im Spital in Attat, das etwa 20 Autominuten von der Käserei entfernt ist. Auch dort gehen die Beiden zur Hand, wo sie nur können. Sie reparieren, was zu reparieren ist: eine alte Waschmaschine und Lichtschalter genauso wie die Wassertanks. „Wir haben auch einen Verbrennungsofen für die Krankenhausabfälle zusammengebaut“, sagt Stefan Haller. Jakob installiert die mitgebrachten Handys. Im Krankenhaus gilt es zu schauen, dass die Aggregate arbeiten. „Oft muss man einfach improvisieren und sich zu helfen wissen“, sagt Haller Junior. „Wir arbeiten im Team mit 5 Vinschger Handwerkern, die voll auf Zack sind und Grandioses leisten“ unterstreicht Stefan Haller.<BR /><BR />Mittlerweile haben sich Freundschaften gebildet. Ein Fix-Termin, wenn die Hallers kommen, ist, dass sie Pizza machen für alle. Die nötigen Ingredienzien haben sie im Gepäck. Vater und Sohn strahlen Zufriedenheit aus. „Das Leben dort unten ist so anders wie das unsere. Die Menschen kommen mit sehr wenig aus. Das Leben verläuft etwas langsamer und wir helfen eben, wo wir gebraucht werden. Uns tut das gut“, sagen die beiden kurz und knapp.