<b>Was passiert gerade in Sachen Ausbildung für den Primarbereich an der Freien Universität Bozen?</b><BR />Prof. Antonella Brighi: Wir stellen uns den tiefgreifenden Veränderungen unserer Zeit – und reagieren gezielt auf aktuelle gesellschaftliche, technologische und pädagogische Herausforderungen. Das heißt, die Inhalte des Lehrangebots wurden umfassend aktualisiert und zukunftsorientiert weiterentwickelt. <BR /><BR /><b>Können Sie konkrete Beispiele nennen?</b><BR />Prof. Brighi: Lehrmethoden und Didaktik wurden an die heutigen Kinder angepasst und auch neueste Erkenntnisse etwa aus der Hirnforschung einbezogen. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Unterricht mit heterogenen Gruppen von Lernenden, in denen sprachliche und kulturelle Unterschiede besondere Berücksichtigung finden. Neben innovativen Unterrichtsformen legen wir nun auch vermehrt ein Augenmerk auf das psychische Wohlbefinden unserer Jugend, für das in der frühen Kindheit die Basis gelegt wird. Aber auch Herausforderungen wie der Umgang mit Künstlicher Intelligenz, digitales Lernen oder Nachhaltigkeit wurden im Curriculum fest verankert. Die Ausbildung ist bewusst interdisziplinär angelegt und verzahnt bildungswissenschaftliche Grundlagenfächer, fachdidaktische Lehrangebote und Praktika. Auch bei diesen haben wir uns neu ausgerichtet.<BR /><BR /><b>Inwiefern?</b><BR />Prof. Brighi: Insofern, als nun in jedem Semester Praktika in Schule oder Kindergarten vorgesehen sind – und wir gleichzeitig Theorie und Praxis besser verschränken, um Studierende bestmöglich auf den Berufsalltag vorzubereiten: Was im Lehrgang an Wissen erworben wird, kann vor Ort angewendet werden – und die praktischen Erfahrungen damit mit den Dozenten dann wiederum reflektiert werden. Denn es geht schließlich nicht nur darum, Methoden zu kennen, sondern auch darum, zu wissen, wie man sie anwendet, wann man sie anwendet und warum man sie anwendet.<BR /><BR /><b>Der Lehrgang soll aber auch studierendenfreundlicher werden?</b><BR />Prof. Brighi: Ja, der Studiengang reagiert auf die veränderten Bedürfnisse der Studierenden. Flexible Lernformate, Online-Lernangebote und eine Reduktion der Präsenzpflicht ermöglichen ein zeitgemäßes Lernen und tragen damit auch der Tatsache Rechnung, dass viele unserer Studierenden bereits arbeiten oder bereits Kinder haben. <BR /><BR /><b>Erhofft man sich dadurch auch wieder steigende Studierendenzahlen?</b><BR />Prof. Brighi: Ja, insofern der neue Studiengang zur Stärkung und Aufwertung der Berufsgruppe beiträgt. Ziel ist es, den Beruf der Kindergärtnerin und der Grundschullehrperson nachhaltig zu fördern und gesellschaftlich aufzuwerten. Mit diesem Studiengang wird ein entscheidender Beitrag zur Qualität der frühkindlichen und schulischen Bildung geleistet.<BR /><BR /><b>Wann kann gestartet werden?</b><BR />Prof. Brighi: Ich hoffe, dass wir im Herbst mit dem neuen Curriculum starten können. Wir haben unseren – mit der Landesregierung abgestimmten – Vorschlag bereits dem gesamtstaatlichen Universitätsrat zukommen lassen und warten auf das Okay. Ich kann sagen, dass wir mit weiten Teilen der überarbeiteten Ausbildung den innovativsten Ansatz staatsweit verfolgen.