Freitag, 03. Juli 2015

Mobbing am Arbeitsplatz: (Nicht nur) eine Sache des Geschlechts

Sie ist Anlaufstelle für jede Art von Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund des Geschlechtes. Am Freitag stellte Gleichstellungsrätin Michela Morandini dem Landtag ihren Tätigkeitsbericht für das Jahr 2014 vor. Die wunden Punkte sind viele: Mobbing sei ein großes Problem. Und: dass die Gleichstellungsrätin auf sich allein gestellt ist.

Das Amt der Gleichstellungsrätin Michela Morandini ist Anlaufstelle für jede Art von Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund des Geschlechtes.
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Das Amt der Gleichstellungsrätin Michela Morandini ist Anlaufstelle für jede Art von Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund des Geschlechtes.

Seit November ist das Amt der Gleichstellungsrätin beim Landtag angesiedelt. Und doch scheint sich dieser kaum dafür zu interessieren, was die Gleichstellungsrätin so macht. Denn: Wie bereits Volks- und Jugendanwältin sprach auch Morandini vor fast leeren Reihen. 

Dabei ist ihre Arbeit keiner Randerscheinung gewidmet, wie man vielleicht aufgrund des Personalstandes vermuten möchte. Denn: Das Amt habe außer ihr keine Personalressourcen noch ein Budget, erklärte Michela Morandini.

 

Vor fast leeren Reihen sprach die Gleichstellungsrätin Michela Morandini im Landtag.

Als Rechtsvertreterin von diskriminierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ist sie berechtigt, vor Gericht zu klagen, indem sie Fälle von Diskriminierung beim Arbeitsgericht anzeigt.

Anlaufstelle: 15 Prozent Männer kamen

Dabei scheint Gleichstellung nicht nur Anliegen von Frauen. 15 Prozent der Personen, die sich im Berichtsjahr an sie gewandt hätten, seien Männer.

Insgesamt habe sie 104 Fälle bearbeitet, dazu kämen 200 Gespräche. 31 Beratungsgespräche mit Arbeitnehmern wurden geführt, 22 Mediationen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, 15 Beratungen für Institutionen durchgeführt.

In elf Fällen ging es nicht um Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, sondern aufgrund Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung. Dabei gehe es zum Beispiel um Pflegerinnen mit inakzeptablen Verträgen.

Mobbing an der Tagesordnung

Ein häufiges Thema in den Beratungen sei das Mobbing, also multiple Diskriminierungen am Arbeitsplatz über einen längeren Zeitraum, z.B. eine Stelle mit geringerer Qualifikation nach der Karenzzeit.

Wenn es um Elternrechte gehe, würden sich hauptsächlich Männer an sie wenden, berichtete Morandini, zum Beispiel wegen des Anspruchs auf Elternzeit. Weitere Fälle beträfen Gewalt am Arbeitsplatz, Unterlassung des Gesundheitsschutzes oder Anfechtung von Kündigungen.

Weniger Frauen in Führungsriege

Zusammen mit dem AFI hat die Gleichstellungsrätin den Bericht zur Gleichstellungssituation in Betrieben mit über hundert Mitarbeitern erstellt. Demnach sind Frauen wenig in den Führungsriegen anzutreffen, häufig bei den Teilzeitverträgen und bei prekären Beschäftigungsverhältnissen.

Ebenso sei ein deutliches Lohngefälle zwischen Mann und Frau feststellbar.

Zu den Schwerpunktthemen für die Zukunft nannte Morandini die Sensibilisierung zu Diskriminierungen am Arbeitsplatz, insbesondere Mobbing.

Eine einheitliche Anlaufstelle

Für ihre vielfältigen Aufgaben bräuchte sie personelle Hilfe, erklärte sie und riet zu einer Zusammenlegung aller Stellen, die sich mit Diskriminierung befassen.

Maria Hochgruber Kuenzer (SVP) fragte, ob eine Zusammenlegung mit der geplanten Antidiskriminierungsstelle wünschenswert sei, was Morandini bejahte.

Es sei viel Arbeit für eine einzige Person, meinte Brigitte Foppa (Grüne) und fragte, ob es Aktionspläne zum Abbau der Rentenschere zwischen Mann und Frau gebe. Die Rente sei nur die Zusammenfassung eines Arbeitslebens, meinte Morandini, und jenes der Frauen sei eben durchwachsen.

Dieter Steger (SVP) fragte, wie sich Morandini eine einzige Anlaufstelle für die Bürger vorstelle. Dazu erklärte die gelernte Unternehmensberaterin, dass es Zeit für Synergien gebe. Man könnte zum Beispiel die Öffentlichkeitsarbeit zusammen machen, sie könne sich auch ein gemeinsames Sekretariat vorstellen. 

Walter Blaas (Freiheitliche) fragte, wie die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften sei. Vor allem Arbeitnehmer mit geringen Qualifikationen würden kaum über ihre Rechte Bescheid wissen. Mit den Gewerkschaften arbeite sie gut zusammen, so die Gleichstellungsrätin, sie werde oft von ihnen gerufen, um die Mediation zu übernehmen.

stol/ker

stol